Bevor Cindy Crawford eines der berühmtesten Models der Erde wurde, wusste sie nicht einmal, dass es diesen Beruf überhaupt gab. Zwar träumte sie schon als junges Mädchen davon, mal etwas ganz Großes zu werden („Kernphysikerin oder die erste Präsidentin“). Aber nicht, dass ihr Weg über den Laufsteg führen würde. Gemeinsam mit Models wie Naomi Campbell und Linda Evangelista wurde sie zu den ersten Superstars der Branche. Jetzt wird die Ikone 60 Jahre alt.
Cindy Crawford kam als Cynthia Ann Crawford am 20. Februar 1966 in der Nähe von Chicago zur Welt. Sie wuchs als Tochter eines Elektrikers und einer Bankangestellten auf.
Ihre idealtypische Kindheit im mittleren Westen der USA wurde erschüttert, als ihr Bruder an Leukämie erkrankt und mit nur vier Jahren stirbt. In ihr löst das Schuldgefühle aus, wie sie 1994 in einem Interview des Magazins „Vanity Fair“ erzählt. Fortan habe sie versucht, das perfekte Kind zu sein.
Muttermal wurde Crawfords Markenzeichen
1984 schloss sie als Jahrgangsbeste die Highschool ab und erhielt ein Stipendium für eine der Top-Universitäten des Landes. Sie wollte Chemieingenieurin werden. Schon damals hatte sie erste Model-Erfahrung gesammelt.
In ihrem vorletzten Schuljahr lichtete sie ein lokaler Fotograf ab. Dort, am Pool ihres damaligen Freundes, entstand das Bild, von dem sie 2016 sagte, dass es alles verändert habe. Mit 17 Jahren gewann Crawford den Wettbewerb „Look of the Year“. Ihr Studium brach sie kurz nach Beginn wieder ab und zog 1986 nach New York.
Der Leberfleck an ihrer Lippe wurde schnell ihr unverwechselbares Markenzeichen – und zog bisweilen so viel Aufmerksamkeit auf sich, dass Crawford in einem Interview scherzte, das Muttermal stehe kurz davor, „eine eigene Talkshow“ zu bekommen.
Aufstieg der Supermodels
Was folgte, war ein bis dahin beispielloser Aufstieg in der Supermodel-Ära der 1990er. Den Hype um Models hatte es vorher so nicht gegeben. Models waren zuvor nicht viel mehr als Kleiderständer, sollten nicht wiedererkannt werden und anonym bleiben, damit die Mode im Vordergrund stehen konnte. Crawford sagte einmal, ihr Vater habe etwa gedacht, Modeln sei nur ein anderer Begriff für Prostitution.
Ein Wendepunkt war das „Vogue“-Cover gemeinsam mit Naomi Campbell, Linda Evangelista, Tatjana Patitz und Christy Turlington vom Jänner 1990 von Peter Lindbergh. Der Starfotografen brach mit der Tradition glatt retuschierter Bilder und läutete ein neues Zeitalter der Modefotografie ein. Seine Porträts verliehen den Supermodels ein öffentliches Gesicht und Persönlichkeit.
Ein weiterer symbolischer Moment für den Aufstieg des Supermodels zur Marke war das Musikvideo „Freedom! ‘90“ von George Michael, in dem die fünf Models die Hauptdarstellerinnen sind. Die Frauen wurden selbst Teil der Popgeschichte.
Crawford wurde zur Ikone
Mit ihrer MTV-Sendung „House of Style“ trug Crawford auch entscheidend dazu bei, Modeberichterstattung neu zu definieren: Darin nahm sie die Zuschauer mit hinter die Kulissen der Modewelt. Dabei zusehen, wie Naomi Campbell Pickelcreme aufträgt? Damals etwas völlig Neues. Mode wurde Popkultur und Cindy Crawford zur Ikone. Aufträge wie die Pepsi-Werbung machten sie vollends zu einem Weltstar, ihre Fitness-Videokassetten wurde ein Hit und aus dem Model eine Unternehmerin.
Schon 1994 beschrieb die bekannte Fashion-Kritikerin Cathy Horyn in „Vanity Fair“ über Crawford: „Cindy Crawford ist mehr als nur das Supermodel der 90er. Sie ist eine amerikanische Ikone, die ihre Verträge mit Revlon und MTV genutzt hat, um ihr Image als Cindy zu einem Millionenimperium auszubauen.“ Crawford machte sich zur Marke. „Ich bin immer schon sehr strategisch an Dinge herangegangen“, sagte sie vor ein paar Monaten im Podcast „Reclaiming with Monica Lewinsky“.
Vom Supermodel zur Unternehmerin
Crawford und die anderen Supermodels wurden auch darum als die ersten Fashion-Influencer gesehen. Die New York Post etwa nannte Crawford die Wegbereiterin von Tiktok. Dem kann die Pionierin heute eher weniger abgewinnen: „Ich spiele lieber Mahjong“, sagte sie im Podcast.
Heute wohnt Crawford in Malibu, ist Mitgründerin einer Hautpflegemarke, seit fast 28 Jahren verheiratet mit Rande Gerber und Mutter eines Sohnes und einer Tochter, die beide beruflich in ihre Fußstapfen treten. Die 2023 erschienene Dokuserie „The Super Models“ auf Apple+ geht maßgeblich auf Crawford zurück.
Im Podcast erzählte sie, sie habe ihre Geschichte selbst erzählen wollen. Crawford hat ihre Karriere stets versucht, selbst zu steuern und sich nie ganz von ihr bestimmen lassen. In einem Interview mit der New York Times sagte sie einmal: „Ich sage immer, ich habe gemodelt. Es ist ein Verb für mich, keine Identität.“
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