Bei den Bundestheatern schmelzen die Rücklagen: Im Geschäftsjahr 2024/25 mussten 3,6 Mio. Euro an Rücklagen aufgelöst werden, um den Jahresfehlbetrag auszugleichen. Bundestheaterchef Christian Kircher zeichnet eine düstere Zukunft: Nach Ende der kommenden Saison werden die Reserven zur Gänze aufgebraucht sein.
Der mit Ende März nach zehn Jahren aus dem Amt scheidende Geschäftsführer der Bundestheater-Holding stellte am Mittwoch in seiner letzten Bilanz-Pressekonferenz den bestätigten und genehmigten Jahresabschluss und den seit Freitag vorliegenden Geschäftsbericht vor. „Es geht den Bundestheatern derzeit sehr gut. Die drei Bühnengesellschaften sind, was den Publikumszuspruch anbelangt, extrem erfolgreich. Wir freuen uns über höchste Auslastungen, aber das Risiko, dass es kippt, ist groß“, sagte Kircher. Mit Sitzplatzauslastungen (Saison 2024/25) von 98,9 (Staatsoper), 85,5 (Volksoper) und 79,2 Prozent (Burgtheater) sei man wieder auf Vor-Corona-Niveau oder darüber, laufe aber Gefahr, mit zu hohen Auslastungen zu planen. „Wir sind erfolgsverwöhnt. Aber das ist keine Garantie für die Zukunft.“
Die Kartenerlöse sind weiter gestiegen und mit gesamt 64,7 Mio. Euro in der Saison 2024/25 „auf einem superhohen Niveau“. Der Eigendeckungsgrad habe im Burgtheater 22,5, in der Staatsoper 43,5 und in der Volksoper 19,7 Prozent (gesamte Bundestheater: 38 Prozent) betragen. „Wir sind damit europaweit on the top“, zeigte sich Kircher überzeugt. Gleichzeitig sieht er wenig Spielraum für Preiserhöhungen zur Linderung der immer größeren Budgetkrise. In erster Linie müsse es daher darum gehen, die heuer 203,8 Millionen Euro betragende Basisabgeltung, die „schon derzeit nicht ganz ausreicht, um unser Geschäft zu finanzieren, im Wert zu erhalten. Das muss unser Ziel sein. Es ist uns aber bewusst, dass es nicht leicht wird.“ Kircher wünscht sich so wie bei den Universitäten mit ihren Leistungsvereinbarungen eine dreijährige Planungssicherheit.
„Wir schaffen Spielraum“, lautete der Slogan, unter dem Kircher seine Bilanz zog. Die Realität sieht freilich anders aus. Wie schon in den Vorjahren ist auch dieses Mal die Drei-Jahres-Planung der Bundestheater „nicht genehmigungsfähig“. Dennoch müsse man Verträge abschließen, die teilweise sogar weit über diesen Zeitraum hinaus reichen. „Wir haben aktuell keine Sicherheit für das Geschäftsjahr 2026/27.“ Schon für die laufende Saison, die sich einnahmenseitig hervorragend entwickle, werde man einen Millionenbetrag an Rücklagen auflösen müssen. Für die Saison 26/27 habe man in einer gemeinsamen Klausur beschlossen: „Wir wollen und wir werden es schaffen.“ Danach werden aber voraussichtlich sämtliche Rücklagen aufgebraucht sein. Kircher: „Nächstes Jahr ist der Break-even erreicht.“
Um eine valide Zahlengrundlage für Einsparungen zu haben, rechne man derzeit verschiedene Szenarien durch, „in der Hoffnung, dass diese Szenarien nicht eintreten werden“, etwa eine Abkehr von der derzeit festgeschriebenen kulturpolitischen Verpflichtung zu einem täglichen Spielbetrieb. „Man muss den Denkraum öffnen.“ In diesem Denkraum wäre die Einführung von Schließtagen budgetmäßig wohl eine Marginalie. Die einzige mögliche große Kostenreduzierung sei wohl eine Schließung von Spielstätten samt massivem Personalabbau, sagte Kircher. Auch eine mögliche Reduzierung von Premieren sei „ein Thema. Das werden wir diskutieren müssen.“ Klar ist für Kircher nur: Eine Erfüllung des derzeitigen kulturpolitischer Auftrags bei gleicher oder geringerer Basisabgeltung wird künftig nicht möglich sein.
Ab 1. April sind diese Dinge nicht mehr Kirchers Problem, sondern das seiner Nachfolgerin Sonja Hammerschmid. Was er selbst ab diesem Zeitpunkt machen werde, könne er nicht sagen, so der Holding-Chef, der sich für eine weitere Amtszeit nicht beworben hat. Zum Abschluss zog er einen mit Applaus belohnten zufriedenen Gesamtrückblick über die vergangenen Dekade: Von der Neuaufstellung des Ticketing über das Energie- und Umweltmanagement, die Barrierefreiheit, bessere Mitarbeiterführung und Compliance bis zu Digitalisierung, Gründung der Akademie für Theaterhandwerk und eine bessere Zusammenarbeit habe man „vieles richtig gemacht“, zeigte sich der scheidende Geschäftsführer überzeugt: „Die Bundestheater sind heute definitiv ein zeitgemäßes Unternehmen und für viele andere Kulturgesellschaften ein Vorbild.“
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