127.266 Kärntnerinnen und Kärntner haben im Vorjahr die Hilfe der Arbeiterkammer gesucht; 77,1 Millionen Euro wurden für sie erkämpft. Es geht aber um mehr als ums Geld: Immer öfter werden ältere Arbeitnehmer gekündigt, immer massiver wird der Druck bei der Arbeit – psychisch, sozial und rechtlich.
“Jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer in Kärnten hat Anspruch auf kostenlosen Rechtsschutz im Arbeits- und Sozialrecht sowie bei Insolvenz des Arbeitgebers“, betont Arbeiterkammer-Präsident Günther Goach. Im Vorjahr holten sich 127.266 Kärntner Hilfe bei der AK (2024 waren es 126.363 Menschen); 77,1 Millionen Euro wurden durch Interventionen oder auch durch Klagen erstritten (2024 waren es gar 81 Millionen Euro).
Mehr als jede zweite Klage in Pflegegeld- und Reha-Verfahren gegen die PVA gewinnen wir. In der Gutachterpraxis gibt es erheblichen Verbesserungsbedarf.

Günther Goach, AK-Präsident
Bild: AK Kärnten/Gernot Gleis
„Früher ging es im Arbeitnehmerschutz um Helme und Sicherheitsschuhe auf Baustellen. Die Herausforderungen werden immer komplexer“, so Goach. Um „die reale Arbeitssituation sichtbar zu machen und herauszufinden, wo konkreter Unterstützungsbedarf besteht“, hat die AK mit dem Institut für empirische Sozialforschung IFES in den Kärntner Unternehmen die Sicherheitsvertrauenspersonen befragt. Das zentrale Ergebnis: Die psychischen Belastungen werden im Arbeitnehmerschutz nach wie vor unterschätzt. Hohe Arbeitsdichte, Personalmangel und permanenter Zeitdruck prägen den Alltag vieler. Meist wird erst reagiert, wenn jemand schon krank ist.
Trotz Fachkräftemangels werden ältere Menschen systematisch benachteiligt.

Maximilian Turrini, Abteilungsleiter Sozialpolitik & Recht
Bild: AK Hude
Daraus erkennt die AK einen Auftrag: „Wir werden Sicherheitsvertrauenspersonen gezielt weiterbilden, damit sie Kolleginnen und Kollegen wirksam unterstützen können“, so Maximilian Turrini, der Leiter der Abteilung Sozialpolitik und Recht in der AK Kärnten. Kurse sollen ab Herbst angeboten werden.
Die Tatsache, dass mehr als jede zweite Klage in Pflegegeld- und Reha-Verfahren gegen die Pensionsversicherung erfolgreich ist, zeige deutlich, „dass es in der Beurteilungspraxis erheblichen Verbesserungsbedarf gibt“, so Goach. Wer einen negativen Bescheid auf einen Pensions- oder Reha-Antrag erhält – da gebe es laut Turrini oft „schaurige Sachverhalte“ -, solle nicht zögern, sich von der AK beraten zu lassen.
Hilfe bei Firmenpleite
Steigen die Firmeninsolvenzen, steigt auch der Hilfsbedarf unter den Arbeitnehmern: 441 Kärntnerinnen und Kärntner (2024 waren es lediglich 232) benötigten im Vorjahr finanzielle Hilfe. Denn es kann bis zu sechs Monate dauern, bis der Insolvenz-Entgelt-Fonds Leistungen genehmigt, so Goach. Da hilft die AK mit der Insolvenz-Soforthilfe aus, im Vorjahr mit einer Million Euro.
Alarmierender Trend
Besorgniserregend ist eine Entwicklung im Zuge von Personalabbau: Zunehmend werden ältere Arbeitnehmer gekündigt. „Dass betriebswirtschaftliche Entscheidungen getroffen werden müssen, ist zur Kenntnis zu nehmen. Aber gegen unfaire Kündigungen kann man sich wehren. Kündigungen können wegen Sozialwidrigkeit angefochten werden, wenn sie die wesentlichen Interessen der Betroffenen stark beeinträchtigen und nicht sachlich gerechtfertigt sind“, so Maximilian Turrini, der Leiter der Abteilung Sozialpolitik und Recht in der AK. Die Frist sei aber relativ kurz: Innerhalb von zwei Wochen nach der Kündigung muss die Anfechtung eingebracht werden.
Drei von zehn Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten stellen keine 60- bis 64-Jährigen ein. Ein Drittel der Frauen wechselt nicht vom Job in die Pension, sondern in die Arbeitslosigkeit. „Ein Bonus-Malus-System soll Betriebe unterstützen, die Ältere beschäftigen, und jene zur Kasse bitten, die sich ihrer Verantwortung entziehen“, so der AK-Präsident.
Warum aber wollen viele Unternehmen ältere Arbeitnehmer nicht mehr? „Einerseits heißt es, sie seien zu teuer, andererseits, sie seien zu langsam bei der rasant voranschreitenden Digitalisierung“, so Turrini. Erfahrung und weitere „Skills“ zählen kaum. Seit der Pandemie werden immer öfter ältere Arbeitnehmer gekündigt, und dieses gefährliche Alter beginnt schon ab 50.
Zahlen, die man lieber niedriger sehen würde, die aber dennoch erfreulich sind: Weniger Arbeit im AK-Rechtsschutz würde bedeuten, in allen Unternehmen passt das Umfeld für Arbeitnehmer. So bedeuten die Zahlen: Die Experten der AK können meist helfen.
Und zwar im Arbeitsrecht (2512 erledigte Akte, 2441 Neuvertretungen, 7,9 Millionen Euro an ausstehenden Entgelten, unbezahlten Überstunden oder nicht korrekt abgerechneten Sonderzahlungen erkämpft), im Sozialrecht (1144 Neuvertretungen, 1.48 Klagen, 56,1 Millionen Euro erstritten), im Bereich Beruf, Familie und Gleichstellung (13097 Beratungen und 26 Elternfrühstücke mit 547 Teilnehmern) sowie im Insolvenzschutzverband für ArbeitnehmerInnen, ISA, (1380 Beschäftigte wurden vertreten, 13,1 Millionen Euro geltend gemacht).
Erste Anlaufstelle im Bezirk
Mit sieben Bezirksstellen bietet die Arbeiterkammer auch außerhalb der Ballungszentren Anlaufstellen für Arbeitnehmer. „3892 Fälle wurden im Vorjahr in den Bezirksstellen bearbeitet, rund 21 Millionen Euro für die Beschäftigten erwirkt“, so Irene Hochstetter-Lackner, die stellvertretende AK-Direktorin. In Feldkirchen waren es beispielsweise 98, in Völkermarkt 137 Fälle – hinter jedem Fall steht ein Mensch, ein Schicksal.
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