Folgen der Pandemie

Tanz als Freizeitvergnügen ist wieder gefragt

Burgenland
02.02.2026 19:00

Tanzschulen müssen sich ins Zeug legen, um auch jüngere Zielgruppen anzusprechen. Aber wer einmal gelernt hat, das Tanzbein zu schwingen, macht gerne weiter.

Die Corona-Pandemie beschädigte die Unterhaltungskultur nachhaltig: Gab es 2019 noch rund 340 Bälle im Burgenland, sind es diese Saison etwa 230. Tanzmüdigkeit machte sich in den vergangenen Jahren speziell bei der Jugend bemerkbar, melden Tanzschulen. Berufsgruppensprecherin Nora Szirmay von der Tanzschule „Nora“ in Eisenstadt meint zur „Krone“: „Corona war ein Knock-out für die Jugend. Die haben verlernt, auszugehen.“

Polonaise gratis zum Tanzkurs
Sie waren zu Hause, spielten Karten oder am Computer und kochen heute miteinander. „Aber es fängt wieder an, dass die Jungen mehr Interesse für Tanzschulen zeigen. Sie wollen auch klassische Tänze, Cha-Cha-Cha oder Tango lernen“, so Szirmay. Der klassische Schultanzkurs ist nicht mehr gefragt, vereinzelt kommen Schüler, manche wegen eines Maturaballs, manche, weil es ihnen die Eltern angeraten haben.

Nora Szirmay (Mitte) in einem ihrer Jugendtanzkurse.
Nora Szirmay (Mitte) in einem ihrer Jugendtanzkurse.(Bild: Tanzschule Nora)

Szirmay: „Wir bespielen keine Schulbälle, sondern fragen in unseren Tanzkursen, ob jemand eine Polonaise für einen der größeren Bälle mittanzen möchte und die gibt es dann gratis dazu.“ Zusätzlich bietet sie Freitag und Sonntag neben den Tanzkursen Übungstanzen an, bei den jungen Leuten gut angenommen wird, „da ist der soziale Aspekt wichtig – die freuen sich, dass sie einander treffen.“ Ältere Semester kommen in Tanzkurse entweder, weil ihnen der Neurologe das Tanzen angeraten hat, Szirmay: „Ich unterrichte auch Parkinson- und Alzheimer-Patienten in Einzelstunden.“ Aber auch als Vorbereitung zu einer Hochzeit oder um einfach Zeit miteinander zu verbringen.

Single-Vermittlung – aber nur als Tanzpartner 
Manchmal muss Sirmay auch Single-Tanzpartner vermitteln, aber „hier steht klarerweise das Tanzen im Vordergrund.“ Großer Beliebtheit erfreut sich in ihrer Tanzschule mittlerweile auch der moderne Line-Dance: „Ich habe mit zehn Interessenten begonnen, mittlerweile habe ich auf zwei Kurse mit je über 20 Teilnehmern aufgestockt.“ Auch Kinderkurse erfreuen sich bei ihr größerer Beliebtheit.

Bewegungen sind ausbaufähig
Roman Trnka von der Tanzschule „Pero“ in Neusiedl beobachtet mangelnde Bewegungsfähigkeit bei der Jugend: „Bisweilen bin ich echt entsetzt, wie die motorisch drauf sind.“ Für Jugendkurse von Schülern sieht er wenig Nachfrage, „außer wenn ein paar Mütter wollen, dass der Nachwuchs tanzen lernt.“ Jene, die dann kommen, besuchen auch weiterführende Kurse. Zum Übungstanzen kommen zu „Pero“ meist ältere Semester, weil die Jungen nicht immer ein Elterntaxi zur Verfügung haben. Im Trend sind derzeit Latin-Ladies-Choreografien oder „Lindi-Hop“, eine Art Boogie aus den 30-erJahren.

Bewegungsstunden hält Hieu-Tam Nguyen schon für Volksschüler ab.
Bewegungsstunden hält Hieu-Tam Nguyen schon für Volksschüler ab.(Bild: Tanzschule Move!)

Auf frühe Bewegung setzt Hieu-Tam Nguyen von der Tanzschule „Move!“ in Oberwart. „Leider ist es eingerissen, dass viele Schüler nur mehr einen Kurs für die Polonaise machen. Deswegen bieten wir jetzt schon in der Volksschule die Bewegungsstunde an.“

Freude daran, andere berühren zu dürfen
Bei den Jugendlichen seien Berührungsängste da, „obwohl sie sich in der Oberstufe schon freuen, dass sie dem anderen Geschlecht die Hand geben dürfen“. Hier fungiere ein Tanzkurs auch als Benimmkurs und Einführung in die Gesellschaft. Nguyen: „Im Trend sind Hip-Hop und K-Pop-Tanzkurse. Davon besetzen wir mit ,Werde ein Dancing-Star‘ auch Paarkurse.“ Reifere Tänzer bewegen sich auch in Oberwart zu „Lindi-Hop“, Tango Argentino oder Disco-Fox. „80 Prozent derer, die einen Anfängerkurs belegen, machen weiter mit dem Tanzen“, freut sich Nguyen.

Ein Jugend-Grundtanzkurs mit zehn  Einheiten kostet zwischen 100 und 150 Euro – je nach Länge der Einheiten. Im Burgenland bieten auch „fliegende Tanzschulen“ (meist aus anderen Bundesländern) Kurse in Pfarrsälen oder Dorfwirtshäusern an.

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