Ina ist frei

Eine Tiroler „Kuh“ rettet Europas rare Riesen

Klima
30.01.2026 15:00

Von Innsbruck in den Kaukasus – die „Krone“ berichtete über Wisent-Kuh „Ina“. Mittlerweile ist die einst ausgerottete Art wieder zurück in die Wildnis des Kaukasus gebracht worden ...

Es ist ein stiller Triumph des Naturschutzes: 18 Wisente kehren – wie berichtet - heim – und mit ihnen die Hoffnung für Europas größten Pflanzenfresser – kein lauter Moment, keiner mit Trommelwirbel. Und doch ist es einer dieser Augenblicke, in denen Geschichte geschrieben wird. Als sich die Transportklappe schließt und der Lkw Richtung Osten rollt, beginnt für Wisent-Kuh „Ina“ eine Reise, die größer ist als sie selbst. Geboren im Alpenzoo Innsbruck, aufgewachsen unter den wachsamen Augen von Tierpflegern – und nun Teil eines internationalen Artenschutz-Erfolgs, der bis in den Kaukasus reicht.

Insgesamt acht Wisente hat der WWF Österreich mit seinen Öko-Verbündeten sicher nach Aserbaidschan gebracht. Mit an Bord und gerade aktuell angereist: „Ina“, eine selbstbewusste, robuste Kuh aus Tirol. Ihr Ziel: der Shahdag-Nationalpark, am Fuße des Kaukasus. Dort, wo Wisente vor rund 100 Jahren ausgerottet wurden, sollen sie wieder weiden. Frei. Wild. Und dauerhaft.

Wenn Artenschutz Grenzen überwindet
„Ein Wisent-Transport ist eine große Herausforderung“, sagt WWF-Experte Karim Ben Romdhane, der die Reise begleitet hat. Auswahl der Tiere, Organisation, Sicherheit – jedes Detail zählt. Umso größer die Erleichterung, dass alles reibungslos verlief. Denn was hier passiert ist, ist mehr als ein logistischer Erfolg. Es ist ein Paradebeispiel für internationalen Artenschutz.

Seit 2019 arbeitet der WWF gemeinsam mit Partnerorganisationen daran, die Wisente in den Kaukasus zurückzubringen. Mit beeindruckendem Ergebnis: 64 Tiere wurden bereits angesiedelt, sie haben sich erfolgreich fortgepflanzt. Allein im vergangenen Jahr kamen neun Kälber zur Welt. Mit der aktuellen Umsiedlung wächst die Herde im Shahdag-Nationalpark auf rund 90 Tiere an.

Zahlen, die Hoffnung machen. Zahlen, die zeigen: Naturschutz wirkt – wenn man ihn ernst nimmt.

„Ina“ - vom Zoo in die Freiheit
Dass ausgerechnet eine Kuh aus Innsbruck nun Teil dieser Erfolgsgeschichte ist, freut auch den Alpenzoo. „‘Ina‘ wurde vor drei Jahren bei uns geboren und ist durch ihr forsches, selbstbewusstes Verhalten aufgefallen“, sagt Zoodirektor Dr. Andre Stadler. Für moderne Zoos sei Artenschutz längst mehr als ein Schlagwort. „Wir sehen uns nicht nur als Orte der Bildung und Forschung, sondern als aktive Mitgestalter beim Erhalt bedrohter Arten.“ Für „Ina“ heißt das: Abschied vom geschützten Gehege, hinein in ein Leben voller Unwägbarkeiten – und genau darin liegt die Zukunft ihrer Art.

Stressfrei und ihrem Element – am besten geht es den Tieren in ihrer ursprünglichen Heimat.
Stressfrei und ihrem Element – am besten geht es den Tieren in ihrer ursprünglichen Heimat.(Bild: WWF Österreich )

Die stillen Gärtner der Landschaft
Wisente sind keine bloßen Landschaftsbewohner. Sie sind Gestalter. Europas größte Pflanzenfresser verbreiten Samen, halten Wälder offen, schaffen Lebensräume für unzählige andere Arten. Jahrhundertelang prägten sie das Antlitz des Kontinents - bis Jagd und Lebensraumzerstörung sie an den Rand der Ausrottung brachten. 1919 fiel der letzte Flachland-Wisent, 1927 der letzte Berg-Wisent im Kaukasus.

Heute gibt es wieder mehr als 10.000 Wisente weltweit. Ein Erfolg, ja – aber ein fragiler. Denn ihre Lebensräume sind zersplittert, Herden voneinander isoliert. Genetischer Austausch wird schwierig. „Deshalb ist es entscheidend, stabile Bestände aufzubauen und diese durch Schutzgebiete zu vernetzen“, mahnt Ben Romdhane.

Kaukasus - ein Schatz der Artenvielfalt
Dass die Wisente ausgerechnet hierher zurückkehren, ist kein Zufall. Der Kaukasus zählt zu den artenreichsten Regionen der gemäßigten Klimazone. Rund 8.000 Tier- und Pflanzenarten leben zwischen Bergmischwäldern, Steppen und Hochgebirge. Wölfe, Braunbären, Luchse – und sogar die letzten Leoparden Europas haben hier ihre Heimat. Viele Arten kommen weltweit nur hier vor. Ein empfindliches Gleichgewicht. Und eines, das politischen Schutz braucht.

Naturschutz braucht Priorität
So groß der Erfolg auch ist – er bleibt kein Selbstläufer. „Der Schutz unserer verbleibenden Natur muss politische Priorität bekommen“, fordert der WWF. Lebensraumzerstörung ist einer der Hauptgründe für das Verschwinden von Schlüsselarten wie dem Wisent. Bis zur nächsten Biodiversitätskonferenz im Oktober in Armenien steht auch Österreich in der Verantwortung, sich klar zu positionieren.

Die Reise von „Ina“ zeigt, was möglich ist, wenn Engagement, Wissen und Mut zusammenkommen. Es ist eine leise Erfolgsgeschichte. Aber eine, die weit über den Kaukasus hinaus hallt. Manchmal beginnt die Rettung einer Art mit einer einzelnen Kuh aus Innsbruck.

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