Milliardenmarkt öffnet

Wer von der „Mutter aller Abkommen“ profitiert

Wirtschaft
27.01.2026 13:02
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die Europäische Union und Indien haben nach jahrelangen Verhandlungen ein umfassendes Handelsabkommen unterzeichnet, das bereits jetzt als „Mutter aller Abkommen“ bezeichnet wird. Es soll den Handel zwischen Europa und der größten Demokratie der Welt deutlich erleichtern, Zölle abbauen und neue Chancen für Unternehmen auf beiden Seiten schaffen. Diese Branchen dürfen sich auf spürbare Vorteile freuen.

Mit dem Deal fallen Zölle auf mehr als 90 Prozent der EU-Exporte nach Indien weg oder werden gesenkt, was europäischen Unternehmen jährlich bis zu vier Milliarden Euro spart. Die indischen Autozölle sinken innerhalb von fünf Jahren von 110 auf zehn Prozent – allerdings im Rahmen einer jährlichen Quote von 250.000 Fahrzeugen.

Das dürfte Herstellern wie Volkswagen, BMW, Mercedes-Benz und Renault zugutekommen. Auch Industriewaren wie Maschinen, elektrische Ausrüstung, Chemikalien und Arzneimittel werden künftig größtenteils zollfrei exportiert.

Wiener Mozartkugeln bald in Indien? Das wird mit dem neuen Handelsdeal möglich.
Wiener Mozartkugeln bald in Indien? Das wird mit dem neuen Handelsdeal möglich.(Bild: AFP/JOE KLAMAR)

Landwirtschaft bleibt abgeschirmt
Auf der anderen Seite öffnet die EU 102 Dienstleistungsbereiche für indische Unternehmen und gewährt gleichzeitig Zugang zu 144 Sektoren für die EU. Regeln zu Arbeitsrechten, Umweltschutz, Gleichstellung und digitalem Handel sollen die Zusammenarbeit zusätzlich absichern.

Wichtige indische Exportgüter wie Meeresfrüchte, Textilien, Edelsteine und Schmuck können künftig zollfrei in die EU geliefert werden. Ausgenommen bleiben vor allem landwirtschaftliche Produkte wie Rindfleisch, Reis, Zucker, Milchprodukte und Geflügel, um politische und wirtschaftliche Sensibilitäten in Europa zu berücksichtigen.

Die Infografik zeigt den Außenhandel zwischen der EU und Indien im Jahr 2024. Die EU exportiert Waren im Wert von 48,8 Milliarden Euro nach Indien, davon 51 % Maschinen und Fahrzeuge sowie 16 % Chemie und Pharma. Die EU importiert Waren im Wert von 71,3 Milliarden Euro aus Indien, davon 27 % Maschinen und Fahrzeuge, 23 % Chemie und Pharma sowie 12 % Rohstoffe. Die EU hat 450 Millionen, Indien 1.450 Millionen Einwohner. Quelle: EU-Kommission.

Das sind die österreichischen Gewinner
Ökonomisch dürfte der Deal kaum negative Effekte haben. Kritische Branchen, allen voran die Landwirtschaft, wurden größtenteils ausgeklammert. Laut wiiw-Handelsexperte Oliver Reiter ist der Abkommenseffekt mit dem EU-Mercosur-Deal vergleichbar, könnte aber den Handel zwischen EU und Indien mehr als verdoppeln.

Für Österreich konkret sind vor allem Kfz-Zulieferer, Winzer und Spirituosenproduzenten mögliche Gewinner, weil sie vom stärkeren Export der deutschen Autoindustrie oder von sinkenden Zöllen auf Wein und Spirituosen profitieren.

Deal tritt noch nicht sofort in Kraft
Der nächste Schritt: Veröffentlichung der Vertragstexte, rechtliche Prüfung, Übersetzung und Ratifizierung – ein Prozess, der voraussichtlich ein Jahr dauern wird. Dennoch wird der Deal bereits als strategischer Erfolg gefeiert: Europa stärkt seine Position in Asien, diversifiziert seine Handelsbeziehungen und setzt ein politisches Signal, während Indien den Zugang zu einem der wichtigsten Märkte der Welt erhält. Für beide Seiten gilt: Es ist eine Zweckpartnerschaft mit wirtschaftlichem Potenzial – und die Gewinnerliste ist schon jetzt klar erkennbar.

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