Schottisches Know-how

Das leistet die neue Wunderwaffe gegen Blackouts

Wirtschaft
23.01.2026 18:08

Schottisches Know-how revolutioniert den weltweiten Strommarkt. Die „Krone“ erhält Einblicke in das streng geheime Vanadium-Speicher-Universum. Die ersten Wunderwaffen gegen Blackout und Co. sind bereits auf dem Weg nach Österreich.

Motherwell ist wohl hierzulande nur eingefleischten Fußballfans ein Begriff. Denn touristisch bietet sich der Ort nahe Edinburgh nur bedingt an. Spannend wird die „Schotten-Metropole“ aber dann, wenn man sich auf die Spuren des zukünftigen Strommarkts und moderner Batteriespeicher begibt. Hinter schweren Eisentüren steht unscheinbar gelegen das Werk von Invinity.

Der Produzent von Vanadium-Langzeitspeichern gilt als eine der großen Hoffnungen für eine grüne, stabile Energiezukunft in ganz Europa.

„Langweilige Technik“ feiert weltweite Erfolge
Schon beim Betreten der Halle wird klar: Das hier ist keine Hightech-Spielerei, sondern robuste Industrie. Stahl in Stahl, Container an Container. „Die Technik ist eigentlich langweilig – aber sie funktioniert“, sagt Joe Worthington, der die „Krone“ durch das Werk führt.

In Motherwell werden jene Redox-Flow-Batterien gefertigt, die Strom nicht in Zellen, sondern in Flüssigkeit speichern: Vanadium-Elektrolyt, zu 77 Prozent Wasser. So harmlos, dass man sprichwörtlich die Hand eintauchen könnte. Sechs Batteriemodule stecken in einem Container, jeder wiegt rund 26 Tonnen. Schwer, massiv – und genau deshalb prädestiniert für das, was Lithium-Ionen-Akkus zunehmend überfordert: lange Speicherzeiten im großen Maßstab.

Das Speichersystem ist sehr simpel und eigentlich „langweilig“, aber es funktioniert.
Das Speichersystem ist sehr simpel und eigentlich „langweilig“, aber es funktioniert.(Bild: Krone KREATIV)

In Motherwell laufen die Zahlen, die die Energiewende greifbar machen: 117 Mitarbeiter arbeiten hier, unterstützt von lokalen Universitäten. Seit mehr als 20 Jahren wird geforscht, optimiert, gerechnet. 16 Chemiker feilen an Konzentraten, senken Kosten, erhöhen die Performance.

Täglich verlassen Container das Werk – zuletzt wurden an einem Tag 40 Batteriesysteme verschifft. Insgesamt sind rund 2500 Container für etwa 90 Projekte im Einsatz oder in Umsetzung. Einer dieser Container ist bereits auf dem Weg nach Österreich – ein sichtbares Signal, dass die Technologie nun auch hierzulande ankommt.

Der erste Speicher für Österreich sei bestellt, jubelt Invinity-Sprecher Joe Worthington.
Der erste Speicher für Österreich sei bestellt, jubelt Invinity-Sprecher Joe Worthington.(Bild: Josef Poyer)
Dieses Werk in Motherwell könnte auch bald in Niederösterreich stehen.
Dieses Werk in Motherwell könnte auch bald in Niederösterreich stehen.(Bild: Josef Poyer)
Täglich verlassen Container das schottische Werk – zuletzt wurden an einem Tag 40 ...
Täglich verlassen Container das schottische Werk – zuletzt wurden an einem Tag 40 Batteriesysteme verschifft.(Bild: Josef Poyer)
Chemiker entwickelten die Superformel für die Speicher.
Chemiker entwickelten die Superformel für die Speicher.(Bild: Josef Poyer)

Das bislang größte europäische Vanadium-Speicherprojekt steht übrigens im englischen Sussex: 70 Container mit einer Kapazität von 22 Megawattstunden. Zum Vergleich: Die Wiener Müllverbrennungsanlage Spittelau kommt in der Spitzenlast auf rund sieben Megawatt. Anwendungen gibt es viele – von Windparks über Rechenzentren bis hin zu Industrieanlagen. Selbst ein Casino im Viejas-Indianerreservat nahe San Diego (USA) wird mittlerweile mit Solarstrom und Vanadium-Speicher versorgt: der letzte Schritt zur Energieunabhängigkeit!

Ökologischer Vorteil bringt auch finanzielle Entlastung
Warum das alles nötig ist, erklärt Worthington mit einem Blick auf Großbritannien: Rund 70 Prozent der Windstromproduktion stammen aus Schottland, der meiste Strom wird aber in London verbraucht. Die Netze sind überlastet, der Ausbau stockt. Allein London investiert jährlich rund eine Milliarde Euro – nicht um mehr Strom zu nutzen, sondern um Windkraftanlagen zeitweise abzuschalten. Ein absurdes Systemproblem, das Speicher lösen könnten. Strom dort aufnehmen, wo er entsteht, und dann abgeben, wenn er gebraucht wird.

Auch ökologisch punkten die Anlagen: Vanadium-Batterien sind zu 99 Prozent recycelbar. Während die Entsorgung einer Megawattstunde Lithium-Speicher – ein Container – in Hamburg oder den Niederlanden bis zu 50.000 Euro kostet und hochproblematische Abfälle hinterlässt, bleibt Vanadium im Kreislauf. Die größte Sorge im Betrieb? „Wenn ein Gabelstapler dagegen fährt“, sagt Worthington trocken – selbst dann drohe aber kein Umweltdesaster.

Dieser Speicher sei für Österreich vorgesehen. Man hoffe auf große Nachfrage, erklärt Philipp ...
Dieser Speicher sei für Österreich vorgesehen. Man hoffe auf große Nachfrage, erklärt Philipp Reich von Wildburger Power & Storage beim Lokalaugenschein der „Krone“.(Bild: Josef Poyer)

Neue Speicher-Fabrik auch bald in Niederösterreich?
Das Metall ist häufiger als Kupfer und fällt überall dort an, wo Stahl produziert wird. Invinity setzt bewusst auf Europa als Produktionshub, plant auch neue Fabriken – vielleicht auch in Niederösterreich. Es komme nur auf die Nachfrage an, so Austro-Partner Philipp Reich von Wildburger Power & Storage. Immerhin kommt ja auch einer der Gründeraktionäre des britischen Konzerns, Dr. Josef Wildburger, aus St. Pölten.

Motherwell mag unscheinbar wirken. Doch dort wird bereits an einem zentralen Baustein der Energiewende gearbeitet: stabile Netze, dezentrale Strukturen, Speicher statt Abschaltung. Kein lauter Hype, sondern schwere Container, leise Pumpen – und Strom, der endlich dort bleibt, wo man ihn braucht.

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