Was jahrzehntelang unbeachtet im grünen Tann lag, könnte uns im Klimakampf helfen. Abgestorbene Bäume speichern mehr Kohlenstoff als gedacht. Die Wissenschaft entdeckt Totholz neu – als Verbündeten der Zukunft. Was tot aussieht, lebt fürs Klima.
Es knackt unter den Stiefeln, riecht nach Moos und Moder. Ein umgestürzter Stamm, von Pilzen überzogen, von Käfern zerfressen. Lange galt so etwas als Makel im Wald – als Zeichen von Nachlässigkeit. Heute weiß man: Genau hier arbeitet ein unscheinbarer Klimaschützer. Totholz speichert Kohlenstoff. Und das in beachtlichem Ausmaß.
Jahrzehntelang weggeräumt
„Totholz war unerwünscht – und ist es teilweise noch immer“, sagt Mathias Neumann vom Institut für Waldbau der BOKU University. Saubere Bestände, gut wachsende Bäume, Brennholz aus schwachen oder abgestorbenen Stämmen: So wurde der Wald über Generationen „aufgeräumt“. Der Nebeneffekt: Ein wichtiger Speicher für Kohlenstoff verschwand fast unbemerkt.
Trendwende im „Unterholz“
Doch das Bild ändert sich. Schutzgebiete, neue forstliche Konzepte – und nicht zuletzt Stürme und der Borkenkäfer – lassen den Totholzanteil wieder steigen. Was früher Scham auslöste, gilt heute als ökologischer Gewinn. Denn neben Kohlenstoff speichert Totholz Wasser, Nährstoffe und bietet Lebensraum für unzählige Arten.
Forschung mitten im Wald
Im vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekt DD FOR geht Neumann der Sache auf den Grund – wortwörtlich. Nicht im Labor, sondern draußen im Wald. „Viele Prozesse lassen sich nur im Feld verstehen“, erklärt er. Temperatur, Feuchtigkeit, Pilze, Insekten und forstliche Eingriffe wirken zusammen und bestimmen, wie schnell Holz zerfällt und wann sein Kohlenstoff im Boden landet.
Ich trachte danach, in meinen einsamen Forsten Unterschlupf für rarste Fauna zu schaffen, und bin mitten im Waldumbau.

Öko-Graf und Waldhüter Friedrich Hardegg
Bild: Gabriele Moser
Hitze beschleunigt den Zerfall
Erste Ergebnisse zeigen: Steigende Temperaturen treiben den Abbau an – vor allem in höheren Lagen. Liegendes Holz zersetzt sich anders als aufgehängtes, Laubholz schneller als Nadelholz. Der Klimawandel greift also direkt in diesen stillen Kreislauf ein.
Bedeutung für die Klimabilanz
Ein internationales Expertengremium begleitet das Projekt, damit die Ergebnisse auch in die offizielle Kohlenstoffberichterstattung einfließen. „Wir wollen besser quantifizieren, wie stark Totholz den Kohlenstoffkreislauf beeinflusst - und wie Managemententscheidungen dabei wirken“, so Neumann.
Der Wald denkt langfristig
Was bleibt, ist eine leise Erkenntnis: Nicht alles, was tot aussieht, ist wertlos. Im Gegenteil. Der Wald arbeitet langsam, geduldig – und manchmal dort, wo wir lange nicht hingeschaut haben.
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