Drogenring gesprengt

Syrer „Arafat“ führte Polizei zu 100 Kilo Kokain

Österreich
13.01.2026 16:28

Die „Operation Duplex“, im Zuge derer es in Salzburg am Montag zu mehreren langjährigen Verurteilungen kam, ist für die Polizei ein voller Erfolg. Der „Krone“ verrieten die Ermittler, wie ein Brandanschlag auf ein Auto in Braunau (OÖ) zu bisher 15 Haftstrafen, 58 weiteren Beschuldigten und vier international Gesuchten führte. 

Alles begann mit der klassischen Fluchtgeschichte. 2015 kam ein Syrer, Spitzname „Arafat“, nach Österreich. Der heute 30-Jährige spricht gutes Deutsch, sogar Salzburger Dialekt, galt als Vorzeige-Flüchtling und stand kurz vor einer Karriere beim ehemaligen Profifußballclub SV Grödig. Bis schnelles Geld lockte: Der Anschlag auf den Pkw eines verschuldeten Autohändlers in Braunau (OÖ) brachte die Polizei 2024 auf die Schliche des lediglich zeitweise auf Baustellen angestellten Hilfsarbeiters.

Zwei Kilo Kokain konnten bei einem Wiener „Szenekoch“ sichergestellt werden.
Zwei Kilo Kokain konnten bei einem Wiener „Szenekoch“ sichergestellt werden.(Bild: Bundeskriminalamt)

Verbindungen zu Balkan-Mafiaclan
Dass Jahre später 15 Personen in Haft sein sollten und teils zu bis zu 14 Jahren verurteilt werden sollten, es 58 weitere Beschuldigte und vier Gesuchte gab, konnte damals wohl niemand ahnen. Die Bande mit Verbindungen zum berüchtigten serbisch-montenegrinischen Balkan-Clan „Skaljari“ fuhr mit teils 25 Kilo „Koks“ im Maserati-Kofferraum von Málaga nach Salzburg, vertrieb dort von wochenweise gemieteten Salzburger Büros und einer Bunkerwohnung Drogen, Schusswaffen und Granaten in großem Stil ins Ausland weiter. 

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Die Operation zeigt, dass das Bundeskriminalamt solchen Tätergruppen mit aller Entschlossenheit entgegentritt.

Bundeskriminalamt-Chef Andreas Holzer ist zufrieden

Wiener „Szenekoch“ dealte 16 Kilo Drogen
Auch ein Wiener „Szenekoch“ spielt in der Causa eine Rolle: Nachdem er seine Frau geschlagen haben soll, ließ diese ihn auffliegen und beschuldigte ihn, florierend mit „Koks“ zu handeln. Der gab schließlich den Handel mit 16 Kilo Kokain zu – er wurde schon in einem früheren Prozess zu sieben Jahren Haft verurteilt und sitzt im Gefängnis. In Kleinstarbeit habe man, so ein Ermittler, unter Federführung der Staatsanwaltschaft Krems (NÖ) der „Drogen-Hydra einen Kopf nach dem anderen abgeschlagen“. 

Verurteilt: 14 Jahre Haft fasste der Salzburger Haupttäter aus.
Verurteilt: 14 Jahre Haft fasste der Salzburger Haupttäter aus.(Bild: Markus Tschepp)

Maserati, Waffenverstecke und Polizei-Informanten
Besonders für die Ermittler vom Bundeskriminalamt, des Landeskriminalamtes Niederösterreich und des Bezirkspolizeikommandos in Braunau: Bei der „Operation Duplex“ handelte es sich großteils um einen Indizienprozess. 100 Kilo Kokain wurden durch die Bande im Jahr 2024 insgesamt verkauft, jedoch kaum etwas sichergestellt. Ein Maserati, ein Geländewagen, kiloweise Kokain, Schusswaffen, ein Waffenversteck in Kroatien und zahlreiche Datenträger konnten dennoch gesichert werden. Die Beschuldigten sind teils Ex-Informanten der Polizei, waren noch als Informanten in Deutschland und Kroatien tätig.

Teure Autos wurden in bar angekauft, über Scheinfirmen an sich selbst vermietet.
Teure Autos wurden in bar angekauft, über Scheinfirmen an sich selbst vermietet.(Bild: Bundeskriminalamt)

Luxusautos an sich selbst vermietet
Die Gruppe, die über Monate hinweg den Kokainhandel im Raum Salzburg maßgeblich kontrolliert hatte, lebte im Luxus. Einen Teil der illegalen Erlöse investierten sie in die Anschaffung von Luxusfahrzeugen. Die wurden dann bei Scheinfirmen in Slowenien angemeldet, von dort aus vermieteten die Drogenhändler die Karossen an sich selbst weiter. Hochwertige Armbanduhren dienten ebenso dazu, das Drogengeld zu waschen, wie eine Shishabar im Salzburger Obertrum. Glück für die Polizei: Sämtliche Verdächtigen waren zerstritten, beschuldigten sich teils gegenseitig. 

14 Jahre Haft für Salzburger Drogenchef
Dennoch kam es bisher schon zu Festnahmen in Österreich, Deutschland, Kroatien und sogar in Dubai, wohin sich der Haupttäter kurzerhand abgesetzt hatte. Der 37-jährige gebürtige Salzburger fasste am Montagabend insgesamt 14 Jahre Haft aus. Seine rechte Hand, ein Kroate (42), stellte eine Wohnung in Salzburg als Bunker zur Verfügung. Die Urteile sind nicht rechtskräftig. Die enge nationale und internationale Kooperation sei für den Erfolg der „Operation Duplex“ entscheidend gewesen, so Bundeskriminalamt-Direktor Andreas Holzer.

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