Schwere Verletzungen auf der Piste oder beim Rodeln sind praktisch an der Tagesordnung. In Tirol wird jetzt die Einführung einer Helmpflicht für Kinder bis 15 Jahre geprüft. Ein Kopfschutz ist das Gebot der Stunde! Die „Krone“ hat sich die Situation näher angesehen.
Der Winter meint es aktuell gut mit Liftbetreibern und Sportbegeisterten im Land, die Pisten sind voll – und doch fährt ein Risiko immer mit. Es sitzt oben auf dem Kopf. Oder eben nicht. Denn während der Skihelm für viele längst selbstverständlich ist, tobt in Österreich noch immer eine stille Debatte darüber, ob zumindest Kinder wirklich verpflichtet werden sollen, ihn zu tragen.
Für Ärzte, die jeden Winter Verletzte von den Pisten holen, ist diese Diskussion kaum nachvollziehbar (siehe Interview unten). Tag für Tag landen Kinder und Jugendliche mit schweren Kopfverletzungen in den Spitälern.
Schädel-Hirn-Traumata nach Stürzen auf harter, vereister Piste, Zusammenstöße mit anderen Skifahrern, Kollisionen mit Begrenzungen oder Liften. Sehr heimtückisch: das Rodeln. Der gemütliche Winterspaß endet oft im Rettungsheli.
Rechtlicher Fleckerlteppich in Österreich
Dabei gibt es in Österreich längst Regeln – nur eben keine einheitlichen. In Salzburg, Oberösterreich, der Steiermark gilt für Kinder bis 15 Jahre eine Helmpflicht beim Skifahren, in der Ostregion und Kärnten zusätzlich auch beim Rodeln. Ausgerechnet Tirol und Vorarlberg bilden hierbei noch die Ausnahme. Während Vorarlberg zumindest empfiehlt, prüft Tirol derzeit schon eine gesetzliche Erweiterung.
Italien & Co. reagieren mit saftigen Geldstrafen
Das Kuratorium für Verkehrssicherheit warnt seit Jahren: Ein gut sitzender Helm kann schwere Kopfverletzungen verhindern oder zumindest abmildern. Gerade beim Rodeln ist die Gefahr besonders groß, die Tragequote aber erschreckend niedrig. Trotzdem gibt es in Österreich weder flächendeckende Kontrollen noch Strafen. Wer ohne Helm unterwegs ist, wird maximal ermahnt – und fährt anschließend weiter.
Ein Blick ins Ausland zeigt, wie schnell aus Nachlässigkeit bitterer Ernst werden kann. In Italien gilt auf der Skipiste generelle Helmpflicht, kontrolliert von den Carabinieri. Wer erwischt wird, zahlt bis zu 200 Euro, im schlimmsten Fall ist der Skipass weg.
In Slowenien, Kroatien, Polen oder der Slowakei drohen ebenfalls saftige Geldstrafen und der sofortige Abbruch des Skitages. Dort ist klar: Sicherheit ist keine Empfehlung, sondern Pflicht. Und doch braucht es offenbar nicht immer Gesetze. In Deutschland, Frankreich oder der Schweiz gibt es keine Helmpflicht – gleichwohl tragen dort die meisten Wintersportler einen.
Trotzdem wird vielerorts die Frage immer lauter: Wie viele Unfälle braucht es noch, bis der Helm wirklich zur Pflicht wird?
„Trägt man einen Helm, überlebt man“
Unfallchirurg Dr. Patrick Weninger erklärt im Interview mit der „Krone“, was Kopfschutz bewirkt:
„Krone“: Wie beurteilen Sie eine Helmpflicht im Sport?
Weninger: Sehr wichtig. Gerade das kindliche Gehirn ist äußerst vulnerabel. Der Kopf ist besonders anfällig. Bei Unfällen ist er starken Schwerkräften ausgesetzt, die zu schweren, auch dauerhaften Schäden führen können.
Welche Verletzungen können durch den Helm verhindert werden, welche nicht?
Direkte Schädelbrüche können verhindert werden. Der Helm führt dazu, dass direkte, punktuelle Kräfte in weniger punktuelle, eher flächige abgeleitet werden. Leider kann es auch durch diese abgeleiteten Kräfte zu Schäden am Gehirn kommen. Für viele Unfälle gilt jedenfalls: Trägt man einen Helm, überlebt man, trägt man keinen, stirbt man.
Sind schwere Kopfverletzungen im Winter häufig?
Das schwere Schädel-Hirn-Trauma ist eine der häufigsten Verletzungen im Wintersport und die häufigste Todesursache bei Skifahrern und Rodlern.
Was ist beim Helm wichtig?
Er soll komfortabel zu tragen und möglichst leicht sein, dann trägt man ihn auch lieber. Er darf die Sicht nicht einschränken.
Welche Auswirkungen hat er auf das Risikobewusstsein?
Der Helm gibt prinzipiell einen sehr guten Schutz und kann zwischen Leben und Tod entscheiden. Zwei Schlüsse stimmen nicht: 1. Ich trage einen Helm, dann kann mir nichts passieren und 2. Ich trage keinen Helm, weil er bringt eh nichts.
Es ist wie im Auto: Ich schnalle mich an, damit ich bei einem Aufprall mehr geschützt bin als ohne Gurt. Bei einem Aufprall mit 250 km/h werde ich trotz Gurt nicht überleben. Trotzdem überleben dank Gurt mehr als ohne. Gleiches gilt für den Helm.
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