Öko-Highlight

Wirtschaftsmotor Stall: Ohne Bauern kein Land

Klima
08.01.2026 17:00

Unsere Landwirte sichern durch harte Arbeit Österreichs Wertschöpfung, Versorgung und Heimat. Rund 182.000 Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt an der Nutztierhaltung.

Sie stehen früh auf, arbeiten oft sieben Tage die Woche – und halten dennoch ein ganzes Land am Laufen. Eine neue Studie zeigt jetzt schwarz auf weiß: Die Nutztierhaltung ist einer der stärksten, aber meist unterschätzten Wirtschaftsmotoren Österreichs.

Es riecht nach Heu, nach Arbeit, nach Verantwortung. Wer durch die ländlichen Regionen Österreichs fährt, sieht mehr als Ställe und Weiden – er sieht ein System, das trägt. Eine aktuelle Studie des Industriewissenschaftlichen Instituts (IWI) im Auftrag der Nachhaltigen Tierhaltung Österreich (NTÖ) bringt es auf den Punkt: Die heimische Nutztierhaltung ist eine tragende Säule der Volkswirtschaft – wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell.

15,6 Milliarden Euro – und 182.000 Jobs
Die Zahlen sind eindrucksvoll: 7,19 Milliarden Euro direkte Wertschöpfung, dazu 4,15 Milliarden Euro indirekte Effekte und weitere 4,27 Milliarden Euro durch Konsum und Folgeinvestitionen. In Summe: 15,6 Milliarden Euro Wirtschaftskraft. Rund 182.000 Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt an der Nutztierhaltung.

„Jeder Arbeitsplatz im Stall schafft weitere in Verarbeitung, Transport, Futtermittelwirtschaft und sogar im Tourismus“, erklärt IWI-Geschäftsführer Herwig Schneider. Besonders am Land wirkt die Tierhaltung wie ein Konjunkturanker. Jeder zweite Job in der Landwirtschaft steht in direktem Zusammenhang mit Tieren.

Versorgungssicherheit beginnt direkt im Stall
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig warnt davor, diese Bedeutung zu unterschätzen: „Wer sich von Importen abhängig macht, macht sich verwundbar.“ Weltmärkte seien volatil, Standards oft niedriger. Österreichs Tierhaltung dagegen stehe für hohe Umwelt- und Tierwohlauflagen – und für Versorgungssicherheit. „Nur mit einer flächendeckenden, produzierenden Landwirtschaft können wir die Bevölkerung zuverlässig mit hochwertigen Lebensmitteln versorgen.“ Kurz gesagt: Ohne heimische Tiere kein heimisches Essen.

Landschaft, Identität, Tourismus
Die Studie zeigt auch, was sich nicht in jeder Bilanz findet: Weidehaltung und Almwirtschaft verhindern Verwaldung, erhalten Biodiversität und prägen das Bild Österreichs. Almen, Kühe, gepflegte Wiesen – das ist nicht nur Postkartenidylle, sondern Grundlage für Sommer- wie Wintertourismus.

Mehr als 23.000 Betriebe treiben ihre Tiere jedes Jahr auf rund 8.000 Almen. Auf über 320.000 Hektar wird Landschaft gepflegt, die sonst verschwinden würde. Das ist gelebte Umweltarbeit – seit Generationen.

Kosten explodieren, Erträge hinken hinterher
Doch hinter den starken Zahlen verbirgt sich eine wachsende Sorge. Seit 2020 sind die Umsätze der Betriebe um 18 Prozent gestiegen. Die Kosten aber um 37 Prozent. Futter, Energie, Stallbau, Tierarzt, Versicherungen – alles wird teurer. Besonders betroffen sind Rinder-, Schweine- und Geflügelbetriebe. Die Schere zwischen Aufwand und Ertrag geht immer weiter auf. Wirtschaftlich gute Jahre? Für viele nur auf dem Papier.

„Ich stehe jeden Tag im Stall“
Markus Lukas, Obmann der NTÖ, spricht Klartext – und aus der Praxis: „Ohne die Arbeit unserer Bäuerinnen und Bauern gäbe es diese Wertschöpfung schlicht nicht.“ Tierhaltende Betriebe seien Wirtschaftsmotoren, Landschaftsgestalter und Versorger zugleich.

Zitat Icon

Der Stall ist kein Nebenschauplatz. Er ist das Herz des Landes.

Norbert Totschnig, Landwirtschaftsminister

„Ich stehe tagtäglich im Stall und trage Verantwortung – für meine Tiere, meinen Betrieb und meine Familie“, sagt Lukas. Ziel sei es, die Menschen im Land zu versorgen: „Dreimal täglich – beim Frühstück, Mittagessen und Abendessen.“ Diese Leistung bleibe oft unsichtbar, sei aber unverzichtbar.

Hohe Standards brauchen faire Preise
Österreich ist Spitzenreiter bei biologischer Tierhaltung: Rund 24 Prozent der tierhaltenden Betriebe wirtschaften bio. Bei Mutterkühen sind es sogar 43 Prozent, bei Masthühnern 20 Prozent – EU-weit ein Topwert. Diese Qualität hat ihren Preis.

„Wer hohe Standards will, muss auch bereit sein, sie beim Einkauf mitzutragen“, fordert Lukas. Billigimporte mit niedrigeren Auflagen gefährden nicht nur Betriebe, sondern auch regionale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit.

Ohne Bauern kein Österreich
Am Ende bleibt eine einfache Wahrheit: Die Tierhaltung ist kein Auslaufmodell, sondern Teil der Lösung – für Ernährung, Regionen und den Wirtschaftsstandort. Oder wie Minister Totschnig es zusammenfasst: „Wenn wir wollen, dass hochwertige Lebensmittel verfügbar bleiben, müssen wir unsere heimischen Betriebe stärken.“

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