Blutiger Bandenkrieg

Erste milde Strafen nach Massenschlägerei in Wien

Gericht
08.01.2026 13:40

Tschetschenen gegen Syrer – dieser Bandenkrieg beschäftigt seit über einem Jahr das Wiener Landesgericht. Im Sommer kam es nämlich zu mehreren blutigen Auseinandersetzungen. Auch am Bahnhof Meidling. Deswegen wird nun 24 jungen Tschetschenen stückweise der Prozess gemacht. Die ersten acht geständigen Angeklagten kommen glimpflich davon.

Es waren unfassbare Szenen, die sich am 7. Juli 2024 am Bahnhof Meidling abgespielt haben. Szenen, die das Ende des gewalttätigen Bandenkriegs zwischen Syrern und Tschetschenen in Wien markieren. Und die bestens organisiert waren: „Davor fand eine sogenannte Konferenz in Favoriten statt. Gegenstand war die Auslöschung der syrischen Gruppierung namens 505er“, so der Staatsanwalt im Wiener Landl. Dort wurden Zeit und Treffpunkt bekannt gegeben. 

Opfer waren gar keine Syrer
In Schwarz gekleidet, vermummt und mit Messern, Hammern, Stangen und mehr bewaffnet trafen sich zwei Dutzend junge Tschetschenen beim Bahnhof Meidling. „Dort hat der Hauptangeklagte das Zeichen für den Angriff gegeben“, schildert der Staatsanwalt. Die gewalttätige Gruppe fiel über vier Opfer her – Afghanen. „Die haben mit der Auseinandersetzung mit syrischen Staatsangehörigen gar nichts zu tun“, klärt der Ankläger die Schöffen auf.

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Das war einfach die Neugier. Uns war langweilig und wir wollten dahin.

Die Erklärung eines Angeklagten

Vor dem Senat sitzen nun acht der insgesamt 24 Angeklagten – die Geständigen. In braven Hemden und Anzügen beteuern sie, dass ihnen die brutale Attacke furchtbar leidtäte. Aber: „Ich bin da nicht hingegangen, um Gewalt anzuwenden“, sagt einer. Ein anderer: „Ich hätte niemals gedacht, dass es so weit kommen wird.“ Und: „Waffen habe ich keine gesehen.“ Die jungen Tschetschenen zwischen 16 und 20 Jahren wollen nur zur Drohkulisse gehört haben. 

Auch Drohkulisse ist Tatbeitrag
Verteidiger Andreas Schweitzer erklärt: „Die Menge machts aus. Je mehr Leute da sind, desto gefährlicher wirds. Desto mehr Angst könnten die Gegner haben. Das ist ein Beitrag.“ Deswegen bekennen sich alle acht zu den Anklagevorwürfen der absichtlich schweren Körperverletzung und schweren gemeinschaftlichen Gewalt. Schließlich erlitt eines der Opfer einen Schädelbruch, ein anderer Afghane eine Stichverletzung in der Nähe des Herzes. 

Verurteilte IS-Anhänger unter Angreifern
Der Einzige, der gesteht, Gewalt angewendet zu haben: ein 17-jähriger Lehrling. Jener Jugendlicher, der bereits im Oktober wegen einer Morddrohung gegen Ex-Bundeskanzler Karl Nehammer verurteilt wurde – im Namen der Terrororganisation IS. Parallel läuft noch ein Terrorverfahren gegen den gebürtigen Österreicher. Letzten Mai soll der Mandant von Anwalt Lukas Hruby versucht haben, mit einem Gleichgesinnten über Deutschland nach Syrien zu reisen, zum IS. 

Damit ist er einer von drei Angeklagten in diesem Verfahren, die als radikal eingestuft und auch in dem Sinne vorbestraft sind. Auch der Erstangeklagten, jener 25-Jähriger, der zu der Gewalttat am Bahnhof Wien-Meidling aufgerufen haben soll, ist wegen der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung bereits verurteilt worden. Genau wie Luca K. – einer der engsten Freunde des mutmaßlichen Swift-Attentäters. Er fasste erst letzten Sommer in Wiener Neustadt nicht rechtskräftig zwei Jahre Haft aus. Auch er sei an der Massenschlägerei beteiligt gewesen. Sie kommen mit den anderen 14 Angeklagten an vier weiteren Terminen zu Wort.

Ob sie genauso glimpflich davonkommen, wie die acht jungen Tschetschenen am ersten Verhandlungstag, wird sich zeigen. Sie alle fassen nämlich sechs Monate bedingte Haft aus. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

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