Ein spektakulärer Zugriff der US-Justiz – die Verhaftung einer jungen ukrainischen Hackerin – wirft seine Schatten bis nach Wien.
Es beginnt wie ein klassischer Agententhriller: ein anonymer Server, verschlüsselte Chats, falsche Pässe aus Bits und Bytes. Doch was FBI-Ermittler nun aufgedeckt haben, ist gefährlicher Ernst. Denn in Haft sitzt die 33-jährige Ukrainerin Viktoria Dubranova mit dringendem Verdacht: Sie soll als Schaltstelle russlandnaher Hackergruppen fungiert haben.
Ukrainerin führte unsichtbaren Krieg
Dubranova bestreitet alles. Die Anklage in Los Angeles wiegt aber dennoch schwer. Denn die Angriffe zielten direkt auf das Rückgrat moderner Staaten. Wasseraufbereitung, Industrie, Energie. Sabotage statt Spielerei. Und: Die digital-kriminelle Spur endet nicht an Amerikas Küste.
Sie führt nach Österreich. Nach Informationen aus Ermittlerkreisen haben die Drahtzieher der Gruppe „NoName057(16)“ auch hierzulande ihre Attacken geritten – nämlich gegen Ziele in Energie, Verkehr, Gesundheit, gegen Medien und alle politischen Parteien vor der Nationalratswahl 2024. Österreich wurde Schauplatz eines unsichtbaren Krieges.
Wenn kritische Infrastruktur ins Visier gerät, ist das keine Ideologie mehr, sondern digitale Kriegsführung.

„Krone“-Cyber-Experte Dr. Cornelius Granig
Bild: krone.tv
„Auch Österreich ist massiv betroffen“
„Krone“-Cyberexperte Dr. Cornelius Granig findet klare Worte: „Wir erleben eine schleichende Militarisierung des Cyberraums. Wenn kritische Infrastruktur ins Visier gerät, ist das keine Ideologie mehr, sondern digitale Kriegsführung.“ Dass auch Österreich massiv betroffen ist, zeigt, wie global und professionell diese Netzwerke agieren. Zwischen „Hacktivismus“ und Geheimdienstlogik verschwimmen die Grenzen.
Kein Krieg, für Demokratien aber brandgefährlich
Bezahlt werde in Kryptowährungen, belohnt mit Status in dunklen Foren – gesteuert entlang geopolitischer Interessen. Granigs Warnung: „Die Akteure operieren zwar unterhalb der Kriegsschwelle, aber für Demokratien ist das brandgefährlich.“ Der Prozess gegen Dubranova wird zur Nagelprobe. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung. Sicher ist nur: Der Agententhriller spielt längst nicht mehr im Kino. Er läuft leise und präzise – und bis nach Wien.
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