Ohne Wahlkampf und ohne FPÖ-Klubchef Norbert Hofer wird Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil 2026 von außen weniger gefordert. Dafür wächst intern der Druck.
Auch ohne Wahl wird 2026 im Burgenland politisch kein ruhiges Jahr. Entscheidend ist weniger, wer regiert, sondern wie viel Druck dem Landeshauptmann entgegenschlägt und aus welcher Richtung. Hans Peter Doskozil (SPÖ) gibt den Takt vor, setzt die Schwerpunkte und startet aus einer gefestigten Ausgangslage. Nicht, weil alles einfacher geworden wäre, sondern weil sich das politische Umfeld zu seinen Gunsten verschoben hat.
Konflikte als bewusste Strategie
Doskozil hält an seinem Kurs fest, dort klar aufzutreten, wo er Nachteile für das Burgenland sieht. Die Auseinandersetzung mit dem Bund bleibt Ausdruck dieser Linie (Stichwort: Klagen). Der Konflikt ist Teil einer bewussten Strategie, die Haltung von Doskozil ist in ganz Österreich bekannt. Man muss ihn nicht mögen, aber man weiß, was man bekommt.
Neu ist allerdings: Die Zeit des großen Geldausgebens ist im Burgenland vorbei. Doskozil kann Projekte nicht mehr einfach finanzieren, er muss auswählen. Für die Opposition heißt das: Der Vorwurf des Größenwahns ist kein Freifahrtschein mehr. Kritik braucht wieder Argumente. Gleichzeitig steigt der interne Erwartungsdruck. Innerhalb der SPÖ wird genauer hingeschaut, Entscheidungen werden kritischer beurteilt. Die Debatte um einzelne Personal- und Symbolentscheidungen hat gezeigt, dass Doskozil intern nicht mehr unangreifbar ist. Auch der gescheiterte „Müll-Deal“ war ein Rückschlag.
Der grüne Ruhepol
Zur Stabilität der Regierung trägt maßgeblich Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner (Grüne) bei. Während Doskozil die öffentliche Auseinandersetzung führt, sorgt sie für Ruhe im Inneren. Sie setzt auf Umsetzung, hält Konflikte klein und hält die Koalition zusammen. Politisch unspektakulär, für die Regierungsarbeit aber auch im neuen Jahr entscheidend.
Offene Fragen bei der FPÖ
Von der Opposition kommt gewiss weniger Gegenwind. Mit dem Rückzug Norbert Hofers als FPÖ-Klubobmann fehlt jene Figur, die in der öffentlichen Wahrnehmung als ernst zu nehmender Gegenspieler Doskozils galt. Hofer erreichte dabei auch Wähler außerhalb des freiheitlichen Kerns. In der FPÖ ist nach seinem Abgang offen, wer künftig im Landtagsklub den Ton angibt. Landesparteiobmann Petschnig kündigte eine personelle Neuaufstellung an, die jedoch nur ohne Hofer im Landtag möglich wäre. Dass dieser sein Mandat vorerst behält, blockiert den Umbau. Es ist nicht davon auszugehen, dass bei den Blauen so bald Ruhe einkehrt.
Wie reagiert die ÖVP?
Auch die ÖVP tut sich schwer, aus der neuen Lage Kapital zu schlagen. Das frühere Zusammenspiel mit der Hofer-FPÖ sorgte für größere Aufmerksamkeit. Das ist nun Geschichte. Klubchef Bernd Strobl präsentiert sich mit seinen pointierten Videos in den sozialen Medien zwar öffentlichkeitswirksamer als Parteichef Christoph Zarits, ob das reicht, um Druck auf Rot-Grün auszuüben, ist allerdings fraglich.
Der größte Belastungstest wartet 2026 ohnehin auf kommunaler Ebene. Steigende Kosten und knappe Budgets setzen viele Gemeinden unter Druck. Die Frage, wie lange die finanziellen Spielräume noch reichen, wird immer drängender. Auch das Land muss den Gürtel enger schnallen: „Wir sparen, wo es möglich ist, und investieren, wo es nötig ist“, so das von Doskozil vorgegebene Motto.
Für ihn bedeutet 2026 kein Schonjahr, aber ein kontrollierbares. Die Koalition arbeitet ruhig, die Opposition ist mit sich selbst beschäftigt. Der Druck von außen hat nachgelassen, der Blick von innen ist allerdings schärfer geworden und bleibt es.
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