Chinas Automobilbranche hat einen technologischen Senkrechtstart hingelegt: Autos sind zu fahrenden Computern geworden – oder können gar fliegen. Steirische Betriebe loten in Guangzhou Möglichkeiten aus, wie wir am chinesischen Erfolg mitnaschen können.
Chinas Autobranche floriert. Binnen weniger Jahre hat sich das ostasiatische Land, das über 1,4 Milliarden Einwohner zählt, zum größten Autoexporteur der Welt entwickelt. Diesen Senkrechtstart bekommt eine steirische Wirtschaftsdelegation, die aktuell Südchina besucht, vor Augen geführt.
Dominierten vor zehn Jahren noch die deutschen Automarken auf Chinas Straßen, sind heute nur noch die Logos von BYD, MG, Xpeng und Co. zu sehen. Selbes Bild offenbart sich auf der Automesse in Guangzhou: Lokale Hersteller sind in der Überzahl – VW, BMW und Audi müssen sich mit kleineren Ständen zufriedengeben.
Europa könnte dieselbe Entwicklung blühen, meinen Insider, es sei nur eine Frage der Zeit. So fertigen bereits zwei chinesische Autobauer – Xpeng und GAC – bei Magna in Graz. „Es rollt aktuell eine Welle auf uns zu“, sagt Robert Brugger vom Cargo Terminal Graz, „wir müssen uns unter anderem fragen, wie wir logistisch damit umgehen.“
Autoteile der Modelle G6 und G9 kommen über den Hafen in Koper nach Graz, ehe sie zu Magna verbracht werden. „Wir sind jetzt schon zum Teil an der Kapazitätsgrenze“, erklärt Brugger. „Infrastrukturprojekte dauern meist Jahre, aber wir müssen den Terminal in Graz dringend ausbauen, um den wirtschaftlichen Erfolg der Steiermark zu sichern.“ Um den Standort Graz voranzutreiben, begleitet Reinhard Hochegger vom Grazer Wirtschaftsservice die China-Mission.
Steirer können am Erfolgskuchen mitnaschen
Aber auch der Forschungsstandort Steiermark gehört gesichert. Mit von der Partie: Anton Fuchs, der bei Virtual Vehicle mit 300 Mitarbeitern und Partnern wie Infineon, AVL oder Siemens an Simulationen und Software feilt. Fuchs nimmt im Xpeng G6 Platz, der in China bereits völlig autonom fährt – erkennbar am türkisen Licht am Seitenspiegel. „Autos bauen können wir in Europa, aber Fahrzeuge haben sich längst zu softwarebasierten System entwickelt. Hier haben wir in der Steiermark mit Zulassungen und Testmöglichkeiten zu kämpfen.“
Chinesische Hersteller denken das Auto als dritten Lebensort neben dem Zuhause und dem Arbeitsplatz – die Software ist wichtiger als die Hardware. Auch daran erkennbar, dass Handy-Produzenten wie Huawei mittlerweile in der Autobranche mitmischen. Europa hat diesen technologischen Sprung teils verschlafen, doch noch besteht die Möglichkeit, dass auch steirische Betriebe am chinesischen Erfolgskuchen mitnaschen.
Wolf Dietrich Heim, österreichischer Botschafter in China: „Wir Österreicher gelten hier als sympathisch und sind gerne gesehene Geschäftspartner. Das liegt auch daran, wie wir politisch und wirtschaftlich organisiert sind. Der Föderalismus bietet chinesischen Führungskräften viele kompetente Ansprechpartner direkt vor Ort – etwa in der Steiermark.“
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