René Benko und Konsorten sollen im Sommer 2023, kurz vor der Pleite des Signa-Konzerns, 35,35 Millionen Euro im Kreis geschickt haben. Nun hat die Soko den 606-seitigen Abschlussbericht fertig. Justiz-Insider wären von einer baldigen Anklage nicht überrascht.
Im Frühjahr 2024 enthüllten die „Krone“ und „News“ auf Basis vertraulicher Signa-Unterlagen ein nahezu atemberaubendes Geldkarussell aus dem Sommer 2023. Vereinfacht dargestellt hatten Signa-Gründer René Benko und seine Handlanger damals in höchster finanzieller Notlage versucht, eine Kapitalerhöhung bei der Signa Holding zu erreichen.
Damit René Benko über seine Familie Benko Privatstiftung den Anschein erwecken konnte, mit gutem Beispiel voranzugehen, sollen diese 35,35 Millionen über eine Kaskade an Gesellschaften durch den verschachtelten Konzern geleitet und wieder bei der Signa Holding gelandet sein. Von dort wurden die Millionen der gutgläubigen Investoren unmittelbar an andere bereits am Abgrund stehende Gesellschaften weiter geschleust. Für die Kriminalisten sind diese Überweisungen schwere Untreue.
Der letzte Trick
Die „Krone“ betitelte die Enthüllung am 27. März 2024 mit: „Der letzte Millionentrick des großen Blenders.“ Sie war Ausgangsbasis intensiver Ermittlungen der Soko Signa.
Eineinhalb Jahre später hat die Soko ihren Abschlussbericht fertig. Auf 606 Seiten listen die Fahnder penibel auf, wie die Millionen im turbulenten Sommer des Jahres 2023 in sieben Schritten durch das Benko-Reich transferiert wurden.
Schwerer Betrugs-Vorwurf
Haupt-Betroffene der Ermittlungen sind René Benko und sein Signa Holding-Geschäftsführer Marcus „Unterschriften-August“ Mühlberger – bei beiden geht es um den Vorwurf des schweren Betruges bzw. versuchten Betruges an wesentlichen Signa-Investoren.
Den Verdacht der Untreue trifft neben Mühlberger auch drei weitere Signa-Manager, die an den anschließenden Verschiebungen der Millionen im Konzern beteiligt waren. Darüber hinaus stehen Mühlberger, zwei weitere Geschäftsführer sowie die langjährige Steuerberaterin der TPA wegen des Verdachts der Geldwäsche im Visier der Ermittler; sie sollen nachträglich fiktive Kreditverträge unterzeichnet haben.
Kassierte weiter ein Geschäftsführergehalt
Als Anstifter der Causa wird erneut René Benko geführt. Wieder ist seine faktische Geschäftsführung Gegenstand der Ermittlungen. Die Soko hat in dem 606-seitigen Abschlussbericht zur faktischen Geschäftsführung des 48-jährigen Tirolers im Konzern interessante neue Details herausgearbeitet.
Auf Seite 38 heißt es etwa, dass Benko nach einer Verurteilung 2012 zwar die Geschäftsführung der Signa Holding zurückgelegt habe, jedoch als „einfacher Dienstnehmer im Portfolio-Management“ weiterhin die Geschäftsführer-Gage bezog: „Somit bleibt festzuhalten, dass es zwischen der Entlohnung des Geschäftsführers René Benko und des im Portfolio-Management beschäftigen Dienstnehmers René Benko keine Unterschiede gab.“ Bruttobezug: 60.480,80 Euro im Monat und eine saftige Prämie von 2,5 Prozent des Jahresgewinnes.
Darüber hinaus räumten die beiden offiziellen Signa Holding-Geschäftsführer dem „einfachen Dienstnehmer“ Benko sogar ein Verrechnungskonto ein. Und auf diesem einen Kreditrahmen über fünf Millionen Euro. Der wurde vom Signa-Gründer sogar um 1,9 Millionen Euro überzogen, wie die Ermittler berichten. Ohne Reaktion der Geschäftsführer Mühlberger und Stadlhuber. Zudem sei der angeblich einfache Signa-Angestellte Benko noch 2023 bei einem Gesellschafter-Meeting in Berlin in Personalunion für die Stiftung und die Signa Holding aufgetreten.
Einmaliger Daten-Bestand sichergestellt
Für die Erstellung des Berichtes haben die Ermittler der Soko Signa einen „in Österreich wohl einmaligen Bestand“ an digitalen Daten sichergestellt. Schritt für Schritt legen die Kriminalisten am Ende mit Grafiken und in sieben Schritten das Geldkarussell offen. Mit exakten Kontoständen der einzelnen Gesellschaften – davor und danach. Ein weiteres Highlight: Nur fünf Minuten, nachdem die Millionen gutgeschrieben waren, wurden zwei Überweisungen getätigt und das Geld weiter geschleust – an die Signa Development sowie an die Laura Privatstiftung im Einflussbereich der Benkos.
Für Justiz-Insider käme es jedenfalls nicht überraschend, würde der Abschlussbericht in absehbarer Zeit in einer weiteren Anklage münden. Sämtliche Beschuldigte bestreiten die Vorwürfe vehement; es gilt die Unschuldsvermutung.
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