06.02.2014 15:34 |

Fantasy-Abenteuer

RPG alter Schule: "Might and Magic X: Legacy"

Mit "Might and Magic X: Legacy" macht Ubisoft Freunden ganz traditioneller Rollenspiel-Kost das Angebot, noch einmal so zu spielen wie vor 15 Jahren. Feld für Feld tastet sich der Held durch Dungeons und Oberwelten, rundenbasiert bekämpft er Monster und wirkt Zaubersprüche. Ob dieses Konzept 2014 noch funktioniert, klärt unser Test.

"Might and Magic X: Legacy" ist ein Rollenspiel, das in seiner Machart an RPGs der frühen Neunziger erinnert. Ähnlich Oldschool-Games wie "Wizardry" arbeitet sich der Spieler aus der Ich-Perspektive Feld für Feld durch eine riesige Fantasy-Spielwelt, Kämpfe finden rundenbasiert statt und Charaktere werden im Spielverlauf mit reichlich Attributen und Fähigkeiten an den eigenen Spielstil angepasst.

Die Handlung in aller Kürze: Der Spieler übernimmt die Führung einer Gruppe aus vier jungen Abenteurern und versucht, inmitten der monsterverseuchten Halbinsel Ashan eine mysteriöse Stadt zu erreichen, um dort die Asche seines Mentors abzuliefern. Das Land ist zerrissen und die verschiedenen rivalisierenden Gruppen sind vor allem mit Zank, weniger mit dem Bekämpfen der überall im Land verstreuten Monster beschäftigt.

Vier Helden im Dungeon-Einsatz
Ein Glück, dass es die Heldengruppe des Spielers gibt. Die besteht aus vier Charakteren, die wir bei deren Erstellung gerne besser an unsere Bedürfnisse angepasst hätten. Auswählen darf der Spieler zu Beginn des Games nämlich nur die Rasse seiner Helden. Die Klasse ist vorgegeben. Immerhin: Die vier verfügbaren Rassen Mensch, Ork, Zwerg und Elfen haben unterschiedliche Spezialitäten, die sich im Game niederschlagen. Zwerge sind etwa besonders begabt mit der Armbrust, Orks gefürchtete Nahkämpfer.

Ist die Heldengruppe erst erstellt, geht die abenteuerliche Reise auch schon los. Dabei arbeitet sich die Heldengruppe nicht nur durch eine abwechslungsreich designte Oberwelt, sondern genretypisch auch durch von allerlei Monstern bevölkerte Dungeons. Dort gilt es, die richtigen Zauber, Angriffe und passiven Fähigkeiten im richtigen Moment zu aktivieren, um den Riesenspinnen, Medusen und anderen Ungeheuern den Garaus zu machen.

Kämpfe mitunter sehr fordernd
Die Kämpfe spielen sich durchaus knackig - vor allem, wenn man keinen starken Magier oder Priester im Gepäck hat. Verstärkungszauber und hin und wieder ein Heilspruch sind nämlich Pflicht, wenn man in den taktisch relativ fordernden Kämpfen bestehen will. Vor allem Bosskämpfe haben es in sich. Ausgewogene Gruppen mit verschiedenen Spezialisten sind klar im Vorteil gegenüber allzu einseitigen Konstellationen.

Welchen Weg die eigenen Charaktere einschlagen, hat der Spieler selbst in der Hand. Während er nämlich zu Beginn des Spiels nur die Rasse seiner Recken wählen darf, kann er sie im Spielverlauf mit jedem Levelaufstieg etwas mehr an seine Bedürfnisse anpassen. Immer wieder werden Attribute verteilt und neue Fähigkeiten erlernt, wofür es wiederum Trainer braucht, die an verschiedensten Orten in der Spielwelt angetroffen werden – mal in der Pampa, mal in einem Dörfchen.

Charakterentwicklung gut gelungen
So bietet "Might and Magic X: Legacy" zumindest in puncto Charakterentwicklung reichlich Raum für Experimente. Die Zahl der verschiedenen Fähigkeiten ist zwar überschaubar, die richtigen Kombinationen zu finden, ist dann aber doch eine eigene Wissenschaft, die es zu erlernen gilt. Neben Fähigkeiten und Attributen gibt's in den Dungeons der Spielwelt natürlich auch reichlich Beute, um das Geldbörserl zu füllen und die Figuren auszurüsten.

Die Beute, die in den verschiedenen Kämpfen anfällt, scheint zufällig gewählt zu werden. Dass bestimmte Items von gewissen Kreaturen fallen gelassen werden, konnten wir beim Testen nicht beobachten. Die Folge: Die Heldentruppe ist sehr stark vom Zufallsgenerator-Glück abhängig, wenn es um die Verbesserung der Ausrüstung geht. Das kann man mögen, muss man aber nicht.

Geschmackssache: Rundenbasierte Kämpfe
Selbiges gilt übrigens für das rundenbasierte Kampfsystem. Wer Echtzeit-Kost gewöhnt ist, könnte sich durch das Abwarten zwischen den einzelnen Runden in "Might and Magic X: Legacy" mitunter langeweilen. Auf der anderen Seite ermutigt das Zug-um-Zug-System aber auch dazu, sich seine Spielzüge genau zu überlegen und möglichst gefinkelt vorzugehen. Für Taktiker ein Pluspunkt.

Optik nicht ganz auf der Höhe der Zeit
Während Ubisoft sich beim Gameplay ganz an Rollenspiel-Perlen der Vergangenheit orientiert hat, was in der Praxis auch ganz gut klappt, hätten wir uns bei der Optik von "Might and Magic X: Legacy" dann doch etwas mehr Aktualität erhofft. Das Spiel bietet zwar abwechslungsreiche Schauplätze, allerdings mangelt es selbigen oft an Leben und Details, was für eine gewisse Sterilität sorgt.

Gerade auf dem PC wären wohl auch etwas schärfere Texturen und natürlichere Gesichter drin gewesen. Immerhin: Vereinzelt sorgt das Spiel trotz der generell nicht ganz taufrischen Optik für schöne Momente, dank ansehnlicher Lichteffekte gilt das vor allem im Zwielicht der Dungeons.

Unaufdringlicher Sound, zuverlässige Steuerung
Wenig auszusetzen gibt's an der Vertonung des Spiels. Der Soundtrack ist unaufdringlich und passt ins Fantasy-Setting, bei der Wahl der Sprecher hat Ubisoft ein glückliches Händchen bewiesen. An den Soundeffekten gibt's ebenfalls nichts zu mäkeln: Kampf- und Umgebungsgeräusche klingen so, wie sie klingen sollten.

Erfreulich: Auch wenn es sich um ein relativ komplexes Spiel handelt, ist "Might and Magic X: Legacy" leicht zu steuern. Das liegt allerdings primär am rundenbasierten Kampfsystem, das keine Hektik aufkommen lässt und dem Spieler genug Zeit gibt, mit Maus und Tastatur im übersichtlichen Interface nach den richtigen Zaubern zu suchen.

Fazit: Alles in allem ist Ubisoft mit "Might and Magic X: Legacy" ein unterhaltsames Retro-Rollenspiel geglückt, das vor allem Nostalgiker in seinen Bann ziehen dürfte. Auch wenn es Schwächen wie die nicht ganz taufrische Grafik, eine nicht immer faire Balance und eine nicht gerade vor Kreativität sprühende Story hat, handelt es sich doch um ein solides Dungeon-Abenteuer, das für viele Stunden an den Bildschirm fesseln kann. Zumindest, wenn man Fan dieser Art Spiel ist. Wer es lieber action- und storylastiger mag und Rundenkämpfe nicht ausstehen kann, greift aber lieber zu Kost vom Schlage eines "Dragon Age" oder "The Witcher".

Plattform: PC
Publisher: Ubisoft
krone.at-Wertung: 7/10

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