Di, 21. August 2018

"Ungerechtes Urteil"

31.01.2014 08:17

28 Jahre und sechs Monate Haft für Amanda Knox

Beim Berufungsprozess in Florenz wegen des Mordes an der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher ist die angeklagte US-Bürgerin Amanda Knox am Donnerstag in Abwesenheit zu 28 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Ihr mitangeklagter Ex-Freund Raffaele Sollecito fasste 25 Jahre aus. Knox, welche die Schlussphase des Prozesses von den USA verfolgte, spricht laut ihrem Anwalt von einem "ungerechten Urteil".

Das Urteil erging erst nach mehr als elf Stunden Beratungen. Giulia Bongiorno, die Rechtsanwältin des Italieners Sollecito, kritisierte den Ausgang des Verfahrens. Es gebe keinerlei Beweise gegen die Angeklagten. Sollecito werde beim Kassationsgericht in Rom, der dritten und letzten Instanz im italienischen Justizsystem, Einspruch gegen seine Verurteilung einlegen, sagte die Anwältin.

Sollecito war für einige Stunden auch in Kärnten
Sollecito war in der Nacht auf Freitag nahe der Grenze zu Österreich aufgegriffen worden. Die Polizei fand ihn in einem Hotel in der friaulischen Ortschaft Venzone zwischen Udine und Tarvis zusammen mit seiner Freundin. Zuvor war er eigenen Angaben zufolge einige Stunden lang auf einem "touristischen Rundgang" in Kärnten gewesen. Sollecito wurde laut dem Richterbeschluss der Pass entzogen, damit er das Land nicht verlassen kann. Bis zum letztinstanzlichen Urteil muss er nicht in Haft.

Die Anwälte von Knox kündigten ebenso wie die Anwältin Sollecitos Einspruch gegen das Urteil an. "Wir werden weiterhin im Interesse Amandas kämpfen. Es tut uns ihretwegen sehr leid. Die langen Beratungen vor dem Urteil bezeugen, dass in diesem Fall vieles nicht klar ist", so der Rechtsanwalt Luciano Ghirga.

Knox "wie versteinert" nach "ungerechtem Urteil"
Knox selbst verfolgte die Urteilsverkündung nach Angaben ihres Anwalts gemeinsam mit ihrer Mutter in ihrer US-Heimatstadt Seattle. Auf das Urteil habe sie "wie versteinert" reagiert, jedoch nicht geweint. "Ich bin erschreckt und traurig über dieses ungerechte Urteil", sagte sie. Sollecito verfolgte das Urteil nach Angaben seiner Anwälte im Fernsehen und reagierte "bestürzt".

"Die Gerechtigkeit hat in Merediths Namen gesiegt"
Der Rechtsanwalt der Familie des Opfers, Francesco Maresca, zeigte sich mit dem Urteil dagegen zufrieden. "Die Gerechtigkeit hat in Merediths Namen gesiegt. Die italienische Justiz hat bewiesen, dass die Wahrheit ans Licht kommen kann", so Maresca.

Kerchers Geschwister Stephanie und Lyle waren bei der Verlesung des Urteils im Gericht ebenfalls anwesend. "Ich denke, dass es an diesem Punkt sehr schwierig ist, zu verzeihen, weil wir nicht wissen, was wirklich passiert ist", sagte Stephanie dem Fernsehsender SkyTG24. Ihr Bruder Lyle sagte nach dem Urteil: "Es ist nicht die Zeit, um zu feiern."

Schwanken zwischen Schuld und Unschuld
Knox und Sollecito waren bereits 2010 wegen Mordes an Kercher im Jahr 2007 zu 26 und 25 Jahren Gefängnis verurteilt worden, ein Berufungsgericht sprach sie jedoch 2011 frei. Der neue Prozess in Florenz war 2013 vom obersten italienischen Berufungsgericht angeordnet worden und hatte im vergangenen September begonnen. Knox, die nach dem Freispruch in die USA zurückgekehrt war, kam aus Angst vor einem neuen Schuldspruch nicht nach Italien.

Der Ivorer Rudy Hermann Guede war wegen Beihilfe zum Mord und sexueller Gewalt zu 16 Jahren Haft verurteilt worden. Die Staatsanwälte behaupten, dass Guede nicht allein für das Delikt verantwortlich gemacht werde könne. In allen Blutlacken, die am Tatort gefunden worden waren, seien auch DNA-Spuren von Knox vorhanden gewesen.

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