Fromme Burgenländer

Trotz Androhungen gibt es weniger Kirchenaustritte

Burgenland
18.09.2025 06:00

Selbst die Teuerung und so manches Ärgernis über die Diözese Eisenstadt können der Katholischen Kirche nichts anhaben: Die Burgenländer bleiben ihr treu. Auch wenn die Mitgliederzahlen von Jahr zu Jahr sinken, gab es zuletzt weniger Abtrünnige. Das wirkt sich auch positiv auf die Finanzen aus.

Im Vorjahr sorgte die Katholische Kirche im Burgenland für gehörigen Wirbel – Stichwort: Kündigung der Pachtverträge bzw. Neuvergabe der Pfarrpfründe, teurer Kauf eines Weinguts am Eisenberg sowie Sparmaßnahmen in den Pfarren bei zeitgleichen Investitionen in Digitalisierung und grüne Technologien. Viele Gläubige, allen voran wütende Bauern, drohten deshalb mit einem Kirchenaustritt.

Überraschendes Ergebnis
Doch die gestern veröffentlichte Kirchenstatistik 2024 spricht eine andere Sprache. Im Vergleich zu den Vorjahren 2023 – da verließen 2158 Burgenländer die Kirche – und 2022 – damals konnten sich 2177 nicht mehr mit den christlichen Werten identifizieren – ist die Zahl der Austritte nun sogar rückläufig und liegt bei 1850. Damit ist die Diözese Eisenstadt mit Abstand jene, die bundesweit die wenigsten Schäfchen verloren hat.

Der Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics
Der Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics(Bild: P. Huber)

„Die jüngste Entwicklung ist erfreulich. Ich bin dankbar, dass viele Missverständnisse geklärt und Unwahrheiten bereinigt werden konnten“, sagt Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics. Ob es sich um eine Trendwende handle, könne er nicht beurteilen. Fakt sei jedoch, dass sich in ganz Österreich „eine gewisse Stabilisierung“ zeige.

Emotionale Gründe
2022 kehrten insgesamt 90.975 Katholiken der Kirche den Rücken. 2023 schieden in Summe 85.163 Gläubige aus. Im Vorjahr waren es „nur“ 71.531. „Eines muss dennoch klar sein: Jeder Austritt schmerzt und ist viel mehr als ein Zahlenspiel“, betont Zsifkovics.

Die Gründe seien oft sehr emotional. Empfindlich beträfen sie vor allem junge Menschen, wenn diese die erste Kirchenbeitragsvorschreibung erhalten: „Da versuchen wir entgegenkommend zu bleiben, besonders, wenn sie noch in Ausbildung sind, studieren oder eine Familie aufbauen.“

Kirchenaustritte 2024 im Österreichvergleich
Kirchenaustritte 2024 im Österreichvergleich(Bild: Krone KREATIV)

Neue Ersatzreligionen
Dass in unserer Gesellschaft die Sehnsucht nach Sinn und Gemeinschaft wächst und viele Menschen in modernen „Ersatzreligionen“ wie Esoterik, Klimatismus, Veganismus, Technizismus oder Wokeismus Halt und Erlösung suchen, ist Zsifkovics bewusst. Doch mit solchen Ideologie-Systemen, die jeden ausgrenzen, der nicht mitmacht, habe Kirche nichts gemein.

„Wir sind kein Servicebetrieb und Selbstbedienungsladen. Die Zwänge, die Sekten und andere Gruppierungen ausüben, meist über Social Media, sind oft menschenunwürdig. Kirche ist für alle da und versteht sich als Einladung, damit Leben glückt“, so Zsifkovics.

Positive Auswirkungen auf die Finanzen
Der Rückgang der Kirchenaustritte macht sich jedenfalls bezahlt. 2024 nahm die Diözese Eisenstadt 36,5 Millionen Euro ein – um acht Millionen mehr als im Jahr davor. Davon flossen 19,6 Millionen Euro aus dem Kirchenbeitrag ein. Er gilt als wichtigste Einnahmequelle der Diözesen.

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