Bevor Boot sank
Lampedusa-Flüchtlinge "vergewaltigt und gefoltert"
Die Polizei hat inzwischen einen Somalier auf Lampedusa festgenommen, der die bewaffneten Schlepper angeführt haben soll, die die Flüchtlinge terrorisierten.
Tausende Euro pro Kopf
Diese mussten auf ihrer Reise Schlimmes durchmachen: Laut Polizei zahlte jeder Migrationswillige - die meisten stammten aus Eritrea und Somalia - der Bande Tausende Euro, um durch die Sahara nach Libyen geschleppt zu werden. Dort seien die Flüchtlinge allerdings so lange in ein Lager gesperrt worden, bis sie erneut mindestens 3.000 US-Dollar (etwa 2.200 Euro) pro Kopf hinblättern konnten.
Die Vorgehensweise der Schlepper ist typisch, wie zahlreiche Berichte belegen. Oftmals werden die Familien der Flüchtlinge erpresst - zum Beispiel, indem sie am Telefon mitanhören müssen, wie ihre Angehörigen mit brutalsten Methoden gequält werden (siehe Infobox).
Vergewaltigt und gefoltert
Auch jene Flüchtlinge, von denen über 360 am 3. Oktober vor Lampedusa ums Leben kamen, mussten vor der Reise übers Meer in einem solchen Camp ausharren. Nicht nur Folter, sondern auch Vergewaltigungen hätten dort ihren Anfang genommen, berichtet die Polizei laut BBC. Erst nach einer neuerlichen Zahlung seien die Flüchtlinge an andere Kriminelle übergeben worden, die die Bootsreise nach Europa organisierten - natürlich nur im Austausch gegen noch mehr Geld.
Opfer identifizierten Schlepper-Chef
Der nun festgenommene Somalier steht im Verdacht, der Kapitän des Flüchtlingsboots gewesen zu sein. Er soll versucht haben, sich unter die Opfer der Tragödie zu schmuggeln, sei aber bei seiner Ankunft am 25. Oktober von wütenden Überlebenden attackiert worden. Die Migranten hätten ihn als Chef der Schmuggler identifiziert, hieß es. Er wurde wegen Kidnapping, sexueller Gewalt und Schlepperei festgenommen.
Gründe für Reise unklar
Warum der Mann nach Italien reiste, ist unbekannt, schließlich war laut Polizei davon auszugehen, dass ihn seine Opfer erkennen würden. Die Behörden vermuten daher, es habe Spannungen unter den Schleppern gegeben. Er könnte aber auch versucht haben, sich mit kriminellen Partnern in Italien auszutauschen - oder einfach nur ein neues Leben anzufangen, mutmaßt die BBC. Der Mann wird derzeit in Sizilien befragt.












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