"Nichts geht mehr"

Erster Schnee sorgt für Chaos im Westen

Österreich
11.10.2013 16:45
Der erste Schnee hat am Freitag für Chaos in den westlichen Bundesländern gesorgt. Der Wintereinbruch legte den Zugverkehr in Tirol komplett lahm. "Momentan geht nichts mehr", sagte ÖBB-Sprecher Rene Zumtobel in den Morgenstunden. Auch viele Autofahrer wurden von der weißen Pracht überrascht. Mehrere Fahrzeuge blieben hängen, Straßen mussten gesperrt werden. Tausende Tiroler Haushalte waren zudem ohne Strom.

Die Westbahnstrecke in Tirol war am Vormittag zwischen Hall und Innsbruck sowie bei Imst unterbrochen, konnte aber um 10 Uhr wieder freigegeben werden. Die Brennerstrecke zwischen Innsbruck und Matrei wurde am frühen Nachmittag eingleisig für den Personenverkehr freigegeben. Umgestürzte Bäume hatten einige Fahrleitungen abgerissen, zum Teil landeten sie auf den Gleiskörpern.

Laut Asfinag bereiteten die intensiven Schneefälle auf der Brennerautobahn (A13) im gesamten Streckenverlauf Probleme. Fahrzeuge mit Sommerreifen blieben hängen. Wegen umgestürzter Bäume mussten mehrere Anschlussstellen gesperrt werden. Auch Bundesstraßen - wie etwa die Tiroler Straße (B171) zwischen Kranebitten und Kreuzung Zirl sowie die Paznauntalstraße (B188) zwischen See und Pians - waren gesperrt. Auf der B177 im Raum Seefeld versuchten Fahrzeuglenker in der Nacht auf Freitag vergeblich, die Schneefahrbahn mit Sommerreifen zu bewältigen.

Zehn Zentimeter Neuschnee wurden in Innsbruck gemessen. Das sei vor dem 15. Oktober in der Landeshauptstadt ein eher ungewöhnliches Ereignis, berichtete Klimatologe Alexander Orlik. Mehrere Bäume gaben unter der Schneelast nach. Die Polizei rief dazu auf, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen.

Teilweise wurden auch Stromleitungen durch umgestürzte Bäume beschädigt. Die Stromversorgung war am frühen Nachmittag zum Teil wieder hergestellt. Laut Angaben der TINETZ-Stromnetz Tirol AG waren gegen 12.30 Uhr 92 Trafostationen in 25 Gemeinden unversorgt, gegen 7.30 Uhr waren es noch 327 Trafostationen in knapp 50 Gemeinden gewesen.

Verkehrschaos auch in Salzburg
Der heftig ausgefallene erste Wintereinbruch führte auch im Bundesland Salzburg zu einem Verkehrschaos. Auf der Tauernautobahn blieben am späten Donnerstagabend unzählige Lastwagen und Autos hängen. Gegen 23 Uhr musste die Polizei deshalb die Fahrbahn Richtung Süden sperren. Wenig später ereignete sich dann auch auf der Fahrbahn Richtung Norden ein Unfall mit Sachschaden, woraufhin die Autobahn überhaupt gesperrt wurde. Nachdem dann Schneepflüge die Fahrbahn geräumt hatten, konnte die A10 um ca. 2 Uhr wieder geöffnet werden.

Alle Hände voll zu tun hatte auch die Feuerwehr: Der feuchte, schwere Schnee wurden vielen der noch stark belaubten Bäume zu viel, sodass diese knickten. Laut Polizeisprecher Erwin Resch stürzten am Vormittag vor allem im Pongau noch laufend Bäume auf Straßen.

Betroffen waren auch die ÖBB. Im Bereich Schwarzach/St. Veit im Pongau war die Westbahn wegen eines Oberleitungsschadens unterbrochen, der Betrieb konnte inzwischen wieder aufgenommen werden. Auch die Strecke zwischen Bischofshofen und Radstadt war den gesamten Vormittag über blockiert.

"Der Schwerpunkt des Schneefalls lag eindeutig im Tennengau und im Pongau", sagte ZAMG-Meteorologe Christian Ortner. In Bad Gastein etwa lag am Freitag eine 20 Zentimeter dicke Schneedecke. In Radstadt gab es 15 Zentimeter Neuschnee, "gestern hatte es dort noch 17 Grad plus", so Ortner. Und auf dem Sonnblick machte der Neuschnee nahezu einen halben Meter aus. Da die Schneefallgrenze auf 400 bis 500 Meter sank, gab es sogar in der Landeshauptstadt am Freitag Schneefall, dort blieb die weiße Pracht aber nicht liegen.

Tote Kühe durch Wetterkapriolen in Vorarlberg
Auch Vorarlberg blieb nicht von den Wetterkapriolen verschont. Während es in tiefer gelegenen Gebieten lediglich regnerisch und kühl war, fielen in den Bergregionen bis zu 20 Zentimeter Neuschnee - etwa in Mittelberg im Kleinwalsertal. Betroffen davon waren vor allem das Arlberggebiet und weitere höher gelegene Straßen. Die Bergregionen im Süden Vorarlbergs waren lediglich "angezuckert". Ein Schneechaos wie in anderen Bundesländern blieb aber aus.

Lediglich eine Herde Kühe hielt in der Nacht auf Freitag die Einsatzkräfte auf Trab. Die Tiere entkamen in Außerbraz aus ihrer Umzäunung, die vom Neuschnee niedergedrückt worden sein dürfte, und liefen auf ein Bahngleis. Zwei Kühe wurden von einem Schnellzug erfasst und getötet, ein weiteres Tier wurde verletzt. Menschen kamen nicht zu Schaden, informierte die Vorarlberger Polizei. Die Bahnstrecke zwischen Bludenz und Langen am Arlberg war im Anschluss für zwei Stunden gesperrt. Gegen 1 Uhr erreichte die Polizei die Meldung, dass die Tiere erneut entlaufen waren. Rund 60 Helfer waren in der Folge damit beschäftigt, die Kühe zusammenzutreiben.

Der heftige Wintereinbruch dürfte aber nicht allzu lange dauern. In den meisten Regionen sind die Schneefälle bereits wieder vorbei, es gibt erste Auflockerungen.

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