Kritik an Regierung

Italien will erstmals Prostituierte besteuern

Ausland
11.04.2025 13:27
Porträt von krone.at
Von krone.at

Mit einem Schritt, der für heftige Debatten sorgt, will Italien künftig Prostituierte besteuern. Dafür wurde nun erstmals ein eigener Unternehmenscode eingeführt – ein Novum im Land der katholischen Tradition. Unter dem sogenannten ATECO-Code wurden sexuelle Dienstleistungen offiziell als wirtschaftliche Tätigkeit eingestuft.

Unter dem neuen Code werden unter anderem „sexuelle Dienstleistungen“, Partnervermittlungen, Heiratsagenturen sowie „Speed-Networking-Aktivitäten“ geführt. Prostitution ist in Italien legal, wird jedoch bislang nicht reguliert. Bordelle sowie Zuhälterei sind nach wie vor verboten.

Politische Kritik an Klassifizierung
Die Einführung des Codes hat zu politischen Reaktionen geführt. Luana Zanella, Fraktionsvorsitzende der linken Alleanza Verdi e Sinistra (AVS), kritisierte, dass mit der Klassifizierung wirtschaftlicher Tätigkeiten im Bereich Prostitution ein Widerspruch zur politischen Ausrichtung der Regierung entstehe. „Der Rechtsregierung in Rom geht es um Gott, Vaterland und Familie, aber wenn sie Kassen auffüllen muss, legitimiert sie sogar die Prostitution“, so die Fraktionsvorsitzende.

Auch der sozialdemokratische Abgeordnete Paolo Ciani äußerte Bedenken: Steuerliche Regelungen dürften nicht über einen klaren gesetzlichen Rahmen hinweggehen, insbesondere wenn es um Tätigkeiten gehe, die mit Menschenhandel oder sexueller Ausbeutung in Verbindung stehen könnten. Er warnte vor der möglichen Legitimierung von Handlungen, die eng mit Straftatbeständen wie Beihilfe, Anstiftung oder Ausbeutung verknüpft seien.

Sorgt seit Jahren für Diskussionen
Das Thema der rechtlichen Regelung von Prostitution wird in Italien seit Jahren kontrovers diskutiert. In den 1950er-Jahren wurden Bordelle durch den Einsatz der Senatorin Lina Merlin sogar geschlossen. Vor dem Hintergrund des weiterhin existierenden Straßenstrichs wird seither immer wieder über eine mögliche Legalisierung und Regulierung solcher Einrichtungen diskutiert.

Bis zu Hunderttausende Prostituierte im Land
Schätzungen zufolge gibt es in Italien bis zu 100.000 Prostituierte, etwa ein Drittel davon stammt aus dem Ausland. Mehr als die Hälfte arbeitet auf der Straße, rund ein Fünftel soll minderjährig sein.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
11.04.2025 13:27
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung