Lachgas hat sich in jüngster Zeit als schnell wirkende, effektive Behandlung bei schweren Depressionen entpuppt. Ein Team um den österreichischen Mediziner Peter Nagele hat nun den Wirkmechanismus des Anästhetikums auf Molekularebene mithilfe eines Mausmodells aufgeklärt.
Stickoxydul bzw. Distickstoffmonoxid (N2O), besser bekannt unter dem Namen Lachgas, wird seit rund 180 Jahren zu Narkosezwecken und zur Schmerzlinderung eingesetzt. Der österreichische Mediziner Peter Nagele von der University of Chicago (USA) beschäftigt sich schon seit Jahren mit der antidepressiven Wirkung des Anästhetikums. Bereits 2021 zeigte er mit seinem Team, dass sich nach einer nur einstündigen Inhalationssitzung mit 25-prozentigem Lachgas die Symptome einer schweren Depression mehr als zwei Wochen verbesserten.
15 Prozent sprechen nicht auf Standard-Antidepressiva an
Etwa 15 Prozent der an Depressionen leidenden Menschen sprechen nicht auf die Behandlung mit Standard-Antidepressiva an – die Wirkung setzt oft erst nach Wochen ein. Hier könnte die Behandlung mit Lachgas eine wirkungsvolle Option sein. Denn die Wirkung von Lachgas greife laut Nagele um ein Vielfaches schneller als die herkömmlichen Antidepressiva.
Bisher bestand die Annahme, dass Lachgas bestimmte Rezeptoren blockieren würde, die sich in den meisten Gehirnzellen befinden. Aus Sicht der Wissenschafter wäre unklar gewesen, wie Lachgas eine „schnelle und dauerhafte therapeutische Wirkung“ erzielen könne, da es in nur „rund fünf Minuten“ wieder aus dem Gehirn verschwinde und auch keine Folgeprodukte bilden würde.
Insbesondere bei stressbedingten Depressionen sehen wir normalerweise, dass diese L5-Neuronen sowohl bei Mäusen als auch bei Menschen wenig aktiv sind.
Der österreichischen Mediziner Peter Nagele
Neuronen „erwachen“ bei Lachgas-Zufuhr
Das Team um Nagele testete Lachgas an Mäusen, die chronischem Stress ausgesetzt waren, um Depressionen zu simulieren. Nach einer Stunde Gaszufuhr erwachte eine Gruppe von Gehirnzellen im anterioren cingulären Cortex, einem Bereich der Großhirnrinde. Diese Schicht-5-Neuronen (L5) spielen eine Rolle bei der Regulierung von Emotionen und Verhalten. „Bei stressbedingten Depressionen sind diese Neuronen normalerweise wenig aktiv“, erklärt Nagele.
Lachgas legt Schalter um
Aus den Ergebnissen dieser Tests ziehen die Forschenden den Schluss, dass das Lachgas bestimmte Kaliumkanäle in diesen Zellen blockiert, sodass diese in Aktion treten und mit der Zeit auch benachbarte Gehirnzellen „aufwecken“. Während die meisten Anästhetika das Gehirn beruhigen und ihre Wirkung rasch wieder nachlässt, „legt Lachgas einen Schalter um und diese Zellen fangen an, wie verrückt zu feuern“, so Nagele. Diese Aktivität hält auch an, wenn das Gas weg ist, was für das Forschungsteam „eine tolle Überraschung“ war.
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