31.07.2013 08:36 |

10 Mio. € verdient

Drei Kloster-Flüchtlinge wegen Schlepperei in Haft

Nach der Abschiebung von acht Flüchtlingen, einer Vielzahl von Protesten und dem brisanten Video eines Polizeieinsatzes vor dem Anhaltezentrum, das am Montag im Internet aufgetaucht war, reißen die Meldungen rund um die Wiener Kirchenbesetzer nicht ab: Nun wird gegen drei Servitenkloster-Flüchtlinge wegen organisierter Schlepperei ermittelt. Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl erklärte am Dienstagabend, die drei Verdächtigen seien aufgrund "gewisser Fluchttendenzen" verhaftet worden.

Seit März 2013 laufen bereits die Erhebungen der Polizei, die Staatsanwaltschaften Wien und Wiener Neustadt sind an der Causa dran. So sollen elf Pakistanis mindestens 1.000 Landsleute nach Österreich, Frankreich und Skandinavien geschleppt haben - unter den elf mutmaßlichen Tätern drei jener Flüchtlinge, die im Wiener Servitenkloster Zuflucht gefunden hatten.

Die Vielzahl an Geschleppten erklärt hierzulande auch den enormen Anstieg an Asylanträgen. Von Jänner bis Juni 2013 wurden 8.201 Anträge gestellt, das sind um rund zwölf Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (7.339).

Pro Kopf 10.000 Euro kassiert
Die Verdächtigen verdienten mit der Aktion nicht schlecht. Pro Kopf kassierten die Chefs 10.000 Euro, was einer Summe von mehr als zehn Millionen Euro entspricht - gescheffelt mit dem Leid und der Hoffnung verängstigter Flüchtlinge. Ein Gewinn von drei Millionen Euro konnte der Organisation schon nachgewiesen werden. Transportiert wurden die Männer, Frauen und Kinder über die sogenannte Balkanroute.

Am Dienstag konnte die Polizei sechs Verdächtige des Schleppersyndikats festnehmen. Sie waren gerade auf der Flucht nach Italien, doch noch in Österreich klickten für die Männer die Handschellen. Unter ihnen jene drei Flüchtlinge aus dem Servitenkloster.

Caritas: "Das ist neu"
Die Caritas zeigt sich über die Vorwürfe bestürzt. "Die Vorwürfe der Behörde sind auch für die Caritas neu", sagte Klaus Schwertner, Generalsekretär der Caritas Wien. "Wir haben jedes Interesse an einer raschen und vollständigen Aufklärung und sichern den Behörden volle Kooperation zu." Man sei "extrem verärgert, falls die Caritas hier von Einzelnen ausgenutzt wurde", so Schwertner.

Auch das Verhalten der Polizei am Montag bei einer Demonstration vor dem Polizeianhaltezentrum, dokumentiert von einem Zeugen per Handykamera, ist Teil von Untersuchungen. Eine Demonstrantin stürzte schwer, nachdem sie mit einem Beamten "zusammengerannt" war (Bericht siehe Infobox).

Polizeipräsident: Vorfall bei Demo "war ein Unfall"
Zu diesem Vorfall sagte Pürstl am Dienstagabend in der "ZiB 2", es habe sich um einen Unfall gehandelt. Dies habe der betroffene Beamte "sehr deutlich gemacht". Gleichzeitig sagte Pürstl, man werde sich den Vorfall "sehr genau ansehen".

Er bitte auch die betroffene Demonstrantin, dass sie sich bei der Polizei melde, um den Vorfall aufarbeiten zu können. "Wir gehen davon aus, dass hier zwei Menschen zusammengelaufen sind, das tut uns leid, das tut dem Beamten leid. Man muss aber davon ausgehen, dass hier nicht mit Vorsatz gehandelt wird."

Weitere Abschiebungen stehen bevor
Zudem stehen laut Pürstl weitere Abschiebungen von Flüchtlingen aus dem Servitenkloster bevor. Sobald die pakistanische Botschaft sogenannte Heimreisezertifikate für jene Personen ausgestellt hat, deren Asylverfahren negativ abgeschlossen wurde, "gibt es für die Polizeibehörde keinen Spielraum mehr". Der Polizeipräsident betonte, dass die Polizei lediglich die Entscheidungen der unabhängigen Gerichte über die einzelnen Asylanträge exekutiere.

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