04.06.2013 14:04 |

Flutkatastrophe

Moldau erreicht Höchststand ++ Notstand in Ungarn

Neben Österreich leiden derzeit auch viele Nachbarländer unter dem Hochwasser in Mitteleuropa. In Prag hat die Moldau am Dienstag bereits einen Höchststand erreicht. Gegen 6 Uhr rauschten nach Behördenangaben 3.210 Kubikmeter Wasser pro Sekunde den Fluss hinab - normalerweise sind es 150. Die Lage wird daher weiter als sehr ernst beschrieben. Ungarn hat unterdessen den Katastrophen-Notstand ausgerufen, auch die Slowakei ist betroffen.

In Prag wird mittlerweile auch das steigende Grundwasser zu einer Bedrohung für die historische Bausubstanz. Der U-Bahn-Verkehr blieb am Dienstag eingestellt. Die Zahl der unwetterbedingten Todesfälle stieg in Tschechien seit Sonntag auf sieben.

Flussabwärts ist die Nervosität der Menschen ebenfalls groß. In Melnik am Zusammenfluss von Elbe und Moldau stehe das Wasser nur noch 60 Zentimeter unter der Deichkrone, wie das tschechische Fernsehen berichtete. In der Industriestadt Usti ordneten die Behörden die Evakuierung von weiteren Wohngebieten mit rund 2.000 Einwohnern an. Dort werde am Mittwoch ein Pegelstand erwartet, der nur einen knappen Meter unter dem des Jahrhunderthochwassers von 2002 liegen dürfte. In fast allen Regionen Tschechiens gilt seit Sonntag der Notstand.

Ungarn ruft Katastrophen-Notstand aus
Auch in Ungarn rief Ministerpräsident Viktor Orban in Anbetracht des Donauhochwassers für Teile des Landes den Katastrophen-Notstand aus. Die Behörden könnten 8.000 Armeesoldaten, 8.000 Katastrophenschützer, 1.400 Wasserbau-Experten und 3.600 Polizisten mobilisieren, erklärte Orban am Dienstag bei einem Besuch der Katastrophenschutzzentrale, die im Innenministerium eingerichtet wurde.

In Ungarn wird die Scheitelwelle des Hochwassers ab Mittwoch erwartet, am Wochenende dürfte sie die Hauptstadt Budapest erreichen. In mehreren Ortschaften entlang der Donau begannen die Behörden mit Vorbereitungen zur Aufstellung mobiler Schutzdämme.

Der Notstand gilt für die westungarischen Bezirke Györ und Komarom sowie für Teile des Bezirkes Pest und für die an der Donau gelegenen Stadtbezirke von Budapest, meldete die staatliche Nachrichtenagentur MTI. Nach Angaben des ungarischen Botschafters in Wien, Vince Szalay-Bobrovniczky, wird ein 50-jährliches Hochwasser erwartet.

Ungarn bietet Österreich Hilfe an
Der ungarische Innenminister Sandor Pinter hat in einem Brief an seine Ressortkollegin Johanna Mikl-Leitner die Unterstützung seines Landes für Hochwassereinsätze in Österreich angeboten, wie Szalay-Bobrovniczky am Dienstag mitteilte. Ihm selbst liege darüber hinaus das Angebot eines auch für Katastropheneinsätze gerüsteten Rettungsteams aus der ostungarischen Stadt Debrecen vor, jederzeit für Hilfseinsätze nach Österreich zu kommen, sagte der Botschafter. Ungarn verfüge unter anderem über technische Fachleute, Logistiker und medizinisches Personal mit großer Erfahrung. Die Hilfsteams seien bereits bei der Tsunami-Katastrophe in Südostasien und nach Erdbeben im Einsatz gewesen.

Höchste Alarmbereitschaft auch in der Slowakei
Auch die Slowakei bereitet sich weiterhin fieberhaft auf die nahende Donau-Flutwelle aus Österreich vor, die laut jüngsten Prognosen höher als befürchtet sein könnte und erst am Donnerstagnachmittag - einen halben Tag später als zunächst angenommen - eintreffen soll. Der Pegel der Donau steigt unaufhaltsam und hat laut Informationen des slowakischen Hydrometeorologischen Dienstes in der Hauptstadt Bratislava am Dienstagvormittag mit 8,53 Metern die dritte Hochwasserstufe erreicht.

Einige Straßen und Uferabschnitte wurden von der Polizei bereits gesperrt. Rund 1.000 Feuerwehrleute und über 300 Soldaten befinden sich in Bereitschaft. Noch bleibt der Donaustrom für Bewohner eine Attraktion, Hunderte Menschen beobachten den ständig steigenden Pegel.

Bratislava zeigt sich zuversichtlich und bestens gerüstet
In Bratislava ist man zuversichtlich und glaubt, selbst für ein tausendjährliches Hochwasser gewappnet zu sein. Bereits am Montag wurden insgesamt gut zwei Kilometer mobiler Dämme aufgerichtet. Das neue Hochwasserschutzsystem, das erst 2011 für 32 Millionen Euro angeschafft wurde und einem Durchfluss von 13.500 Kubikmeter pro Sekunde standhalten soll, wird allerdings erst beim Eintreffen der Scheitelwelle seinen ersten realen Bewährungstest bestehen müssen. Der Donaupegel könnte dabei laut jüngsten Prognosen der Wasserwirtschafter in Bratislava den Höchststand von 2002 noch wesentlich übersteigen und bis zu 10,20 Meter erreichen.

Erste Überflutungen an der österreichischen Grenze
Unterdessen haben die steigenden Wassermassen die einzige Zufahrtstraße zum Vorort Devin am Zusammenlauf von Donau und March an der Grenze zu Österreich überflutet, Ersatzverkehr und Lieferungen soll jetzt von Soldaten übernommen werden. Die March hatte in Devin bereits am Montag erste Uferteile, Gärten und Keller überflutet.

Entlang des gesamten slowakischen Abschnittes der Donau herrscht höchste Alarmbereitschaft. Gefährdet sind flussnahe Städte und Gemeinden in den Kreisen Bratislava, Nitra und Trnava bis zur Grenze mit Ungarn. Vorsorglich wird ein Teil der Wassermassen in den alten Flusslauf der Kleinen Donau umgeleitet, auch aus dem Stausee in Gabcikovo wurde Wasser abgelassen. Der Schiffsverkehr auf dem slowakischen Teil der Donau ist seit Montagabend eingestellt.

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