In der Gemeinschaft „Cenacolo“ im burgenländischen Kleinfrauenhaid leben Männer, die alkohol- und internetabhängig sind. Sie appellieren dafür, insbesondere in der Advent- und Weihnachtszeit bewusst die Stille zu suchen anstatt sich auf Adventmärkten sinnlos zu betrinken.
Die Wochen vor Weihnachten gehören zu den hektischsten im Jahr. Um Stress und Trubel besser aushalten zu können, zieht es die einen auf Christkindlmärkten zu Punsch und Glühwein, während die anderen in virtuellen Welten Zerstreuung und Abstand vom nervenaufreibenden Alltag suchen.
Die 27 Männer, die zurzeit in der Gemeinschaft „Cenacolo“ in Kleinfrauenhaid leben, können ein Lied davon singen. Sie haben auch in anderen emotional fordernden Situationen zu schädlichen Hilfsmitteln gegriffen, um zur Ruhe zu kommen. Die meisten von ihnen sind tief verletzte Menschen, Alkoholiker, Spieler oder internetsüchtig.
„Aufgrund ihrer Traumata und Abhängigkeiten haben sie die Verbindung zu sich selbst und zu ihren Nächsten verloren. Ein Teufelskreis! Denn in herausfordernden Zeiten ist es umso wichtiger, gut verwurzelt zu sein – im Glauben an Gott und an sich selbst und auch in Beziehungen zu seinen Lieben“, sagt Cenacolo-Leiter Georg Schwarz und erzählt von seinen Schützlingen. Die jüngsten sind 18, die ältesten 45 Jahre alt.
Das Wahre leben
Hier in der Gemeinschaft dürfen sie die Erfahrung machen, geborgen und getragen zu sein. Durch aufrichtige Gespräche und liebevolle Selbstzuwendung, aber auch durch gemeinsames Arbeiten, Beten und Meditieren lernen sie, dass man die innere Leere, die sich oft durch Depression und Aggression bemerkbar macht, auf lebensdienliche Weise füllen und neuen Sinn finden kann.
„Leider gibt es immer mehr Menschen, die die Welt als düster wahrnehmen und die Hoffnung verlieren. Mit unserem Weihnachtskrippenspiel möchten wir ihnen vor Augen führen, dass da trotzdem immer auch Licht ist. Ein Licht, das noch kraftvoller strahlt, wenn man das Gute, Wahre und Schöne lebt“, meint Schwarz in Anlehnung an die Geburt des Jesu-Kindes vor mehr als 2000 Jahren in einem Stall in Betlehem.
Eigenen Wert erkennen
Zurzeit laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Kostüme haben die Cenacolo-Brüder selbst genäht. Auch die Kulisse – bestehend aus Häusern, Straßen, Werkstätten und einem großen Stall – haben sie mit eigenen Händen und viel Liebe zum Detail erbaut. Dabei durften sie ihren Wert und ihre Talente entdecken, die vielen bis dahin nicht bewusst waren. Erkennt haben sie aber auch, dass man gemeinsam Großes schaffen kann: „Mit den Aufführungen wollen wir die Herzen der Zuschauer berühren und ihnen eine Weihnachtszeit bescheren, wie sie sein sollte – still, tiefsinnig und voller Freunde und Hoffnung.“
Am 14. Dezember um 17 Uhr findet die erste Vorstellung statt, zwei weitere folgen am 29. Dezember und 5. Jänner zur gleichen Uhrzeit. Und weil Begeisterung bekanntlich ansteckend ist, dürfen neben den Cenacolo-Brüdern auch Familien aus der Umgebung mitwirken und den Zauber der Weihnachtsgeschichte hautnah verspüren. Der Eintritt ist frei. Alle Spenden kommen der Männergemeinschaft zugute.
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