„Krone“-Kolumnist Harald Petermichl hat sich sich mit einem ständig wiederkehrenden Problem befasst. Eines, das man mit überdimensionalen Sicherheitsvorkehrungen alleine nicht bekämpfen kann.
Ob der Satz „No news is good news“ auf den englischen König James I. zurückzuführen ist oder vielleicht doch auf den walisischen Schriftsteller und Historiker James Howell, der 1645 etwas in der Art gesagt haben soll, wird wohl für immer im Dunkel der Geschichte bleiben, zumal in der heute völlig überhitzten Medienlandschaft ohnehin längst das Motto „Only bad news are good news“ den Takt vorgibt, ob man das nun schätzt oder nicht. Dennoch hat am vergangenen Donnerstag der Satz mit den Nicht-Nachrichten ausnahmsweise mal an (auf den ersten Blick sogar erfreulicher) Aktualität gewonnen und zwar im Zusammenhang mit einem internationalen Sportereignis in Berlin.
Die Rede ist von einer Begegnung in der Basketball Euroleague zwischen Alba Berlin und dem fünffachen Titelträger Maccabi Tel Aviv. Dass die Albatrosse mit 85:103 eine deutliche Heimniederlage einzustecken hatten, war allerdings nicht die entscheidende Meldung an diesem Abend, denn es war in der Berichterstattung im Vorfeld weniger um den sportlichen Aspekt, als vielmehr um Sicherheitsfragen gegangen. Ursache dafür waren die Ausschreitungen in Amsterdam, als es am 7. November rund um das Europa League-Match zwischen Ajax Amsterdam und Maccabi Tel Aviv zu heftigen Auseinandersetzungen mit 30 Verletzten und 63 Festgenommenen gekommen war, die sich bis zum 11. November hinzogen und von der Amsterdamer Gemeindeverwaltung im Nachhinein als „giftige Mischung aus Antisemitismus, Hooliganverhalten und Wut über den Krieg in Palästina, Israel und anderen Ländern im Nahen Osten“ eingestuft wurden.
Daher hatte Iris Spranger, Senatorin für Inneres und Sport, eine hohe Sicherheitsstufe ausgerufen und für ein Aufgebot von 1.800 Polizeikräften (in der Halle waren 4.897 Besucher:innen) gesorgt. Offenbar mit Erfolg, denn es kam an diesem Abend zu keinen nennenswerten Vorfällen. Wie schon gesagt, auf den ersten Blick erfreulich. Allerdings beschleicht einen ein mulmiges Gefühl, wenn man realisiert, dass der real existierende Antisemitismus mittlerweile dazu geführt hat, pro 2,72 Fans eine Sicherheitskraft bereitstellen zu müssen, weil davon auszugehen ist, dass sich 86 Jahre nach den Novemberpogromen die von manchen politischen Kräften salonfähig gemachte Judenfeindlichkeit ausgerechnet in Berlin wieder ungehindert, lautstark, aggressiv und möglicherweise gewalttätig Gehör verschaffen könnte. Diesmal ist es gut gegangen, das Grundproblem ist damit allerdings nicht gelöst. Letztlich sind das also doch keine wirklich guten Nachrichten.
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