Die steirische Autorin Ulrike Haidacher erzählt in ihrem zweiten Roman „Malibu Orange“ von einer gescheiterten Rückkehr in die Jugend und dem Zerbrechen einer Freundschaft. Mit Auszügen daraus war sie heuer schon beim Bachmannpreis in Klagenfurt.
Edel hat sich Anja in ihrer Jugend in einem „obersteirischen Industriekaff“ gefühlt, wenn sie mit ihrer besten Freundin Magda im Café Ulli saß und eine „Mischung aus klebrigem Kokos und billigem Orangensaft“ getrunken hat. Aber nun, als Erwachsene ist es ein Zeichen der Niederlage, dass sie nach einem Burn-out wieder hier hockt und auf Magda und ein Malibu Orange wartet.
Von einer gescheiterten Rückkehr ins Gestern erzählt die Grazer Autorin und vorläufige Ex-Kabarettistin (das Duo Flüsterzweieck hat sich vor kurzem aufgelöst) Ulrike Haidacher in ihrem zweiten Roman „Malibu Orange“ – eine Passage daraus hat sie heuer beim Bachmannpreis gelesen.
Ihre Heldin Anja flüchtet sich aus der Gegenwart – wo sie es nicht geschafft hat, in die Fußstapfen ihrer Mutter und Oma zu treten, und als Pflegerin Erfüllung zu finden – in die Welt ihrer Jugend. Doch dieser Verzweiflungsakt muss freilich scheitern. Am deutlichsten wird das an der Freundschaft zu Magda, die frisch verliebt in Volker ist – eine Beziehung, die Anja als toxisch interpretiert und doch nichts dagegen unternehmen kann, dass ihre Jugendfreundin ihr entgleitet – wie auch der Rest ihres Lebens.
Mit erstaunlicher Lockerheit und in einem grandios pointierten Ton erzählt Haidacher von einem Leben, das am Abgrund steht. Denn weder der Beruf, noch die Familie und auch nicht die Freunde, geben ihrer Heldin den Halt, den sie brauchen würde. Nur die Erinnerungen und die Aussicht auf ein neues Talent, lassen sie am Abgrund kleben und nicht abstürzen.
Ulrike Haidachers neuer Roman „Malibu Orange“
(224 Seiten, 24,50 Euro) ist bei Leykam erschienen.
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