Düstere Aussichten

Bei Industrie gilt ab 2025 „das Prinzip Hoffnung“

Kärnten
24.07.2024 11:59

Die Wirtschaft kommt einfach nicht in die Gänge, auch bei Kärntner Betrieben steht Personalabbau im Raum. Die Stimmung ist, abgesehen von echten Krisen, so schlecht wie nie.

„Der erhoffte Herbstaufschwung wird wohl leider ausbleiben, wir rechnen mit einer Stagnation bis Mitte 2025“, erklärt Timo Springer, Präsident der Industriellenvereinigung Kärnten. „Ab dann gilt das Prinzip Hoffnung. Die Stimmung bei den Industriebetrieben ist schlecht.“ Das zeigt eine Befragung von 61 Betrieben mit insgesamt 22.000 Beschäftigten, auch das Thema Jobabbau steht im Raum. „Über ein Fünftel überlegen, in den nächsten Monaten Stellen abzubauen, das betrifft auch große Firmen“, warnt der IV-Präsident. „20 Prozent Realkostensteigerungen beim Personal können schwer erwirtschaftet werden.“

Der Blick in die Befragung lässt auch so wenig Platz für Optimismus. „Seit Oktober 2022 erleben wir eine Flaute, wir sind bald im dritten Jahr. Und die Betriebe sehen noch keine Erholung“, erklärt IV-Geschäftsführerin Claudia Mischensky. Fast 80 Prozent glauben, dass die Stagnation im nächsten halben Jahr anhält, ein Fünftel bezeichnet die derzeitige Geschäfts- und Auftragslage als „schlecht“. Nur bei den Exportgeschäften ist die Stimmung leicht besser.

Gründe für die Misere
Aufgrund der schlechten Stimmung hat die IV jetzt „SOS-Wohlstand“ ausgerufen. „Es geht darum, international wieder wettbewerbsfähig zu werden. Wir sind derzeit weit davon entfernt“, zeichnet Timo Springer ein düsteres Bild und nennt die größten Probleme: „Die hohen Kosten hemmen Investitionen, die Inflation, Lohnnebenkosten und der Bürokratieaufwand schwächen die Wettbewerbsfähigkeit.“ Zudem sei die Steuer- und Abgabenquote mit 43,2 Prozent viel zu hoch.

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Bei der Besteuerung müssen wir die Nachteile für Vollzeitarbeit ausräumen. Mehr Leistung muss sich auszahlen.

IV-Präsident Timo Springer

„Teilzeitrepublik“ Österreich
„Bis 2030 sollte diese Quote auf 40 Prozent sinken. Wir brauchen einfach einen effizienteren Staat“, betont der IV-Präsident. Ein weiteres großes Problem ist die Arbeitszeit. „Wir sind leider mit 30 Prozent Anteil eine Teilzeitrepublik, liegen in der EU damit auf Platz 2. Und das liegt nicht nur an der Betreuungsproblematik“, erklärt Claudia Mischensky. „Wenn wir nur 30 Minuten täglich mehr arbeiten würden, könnten wir unser derzeitiges BIP-Wachstum verdoppeln.“

Das soll aber nicht über Strafen, sondern Anreize erreicht werden. „Es muss sich für die Menschen auszahlen, Vollzeit zu arbeiten. Die Industrie braucht die Arbeitskraft – ein Drittel unserer Mitglieder hat mehr als zehn offene Stellen“, so Mischensky weiter. Auch bei der Beschäftigung älterer Menschen und Pensionisten sollen finanzielle Anreize gesetzt werden.

Dauerthemen Pensionsproblematik und Bürokratie
„Bis 2050 wird die Pensionslücke eine Billion Euro betragen, unsere Pensionskosten betragen jetzt schon das Vierfache der Investitionen in Forschung und Entwicklung. Daher muss sich dringend etwas beim Antrittsalter tun“, fordert der IV-Präsident. Mit 60,9 Jahren liegt Österreich weit abgeschlagen hinter dem OECD-Schnitt von 63,1 Jahren.

Auch die überbordende Bürokratie bremst die Wirtschaft. „Die Politik und die EU sollen die Betriebe nicht mit immer neuen Berichtspflichten voll schütten“, so Springer. „In unserem eigenen Betrieb sind zwei Personen nur für solche Aufgaben abgestellt.“ Doch es gibt auch positive Entwicklungen. „Mit dem neuen Energiewendegesetz können Verfahren deutlich rascher und einfacher abgewickelt werden, das gilt auch für die Photovoltaik-Verordnung“, merkt Mischensky an. „Das zeigt, dass auch auf regionaler Ebene Schritte möglich sind.“

Daher will sich die Kärntner Industrie auch „mit unserer gesamten Kraft“ am Entbürokratisierungsprozess beteiligen, betont Mischensky, die abschließend die Kärntner Arbeiter und Angestellten lobt: „Wir zeigen hier Probleme auf, aber die Leistung der Mitarbeiter ist ausgezeichnet, sie sind perfekt ausgebildet.“

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