Nach Kritik an ihrem Baustellensommer-Fahrplan geben die Wiener Linien Einblick in jene Daten und Zahlen, die darüber entscheiden, wie lang die Wege durch die Stadt dauern
Wie rechnet man eine U-Bahn in einen Bus um? Was wie ein Witz klingt, ist bei den Fahrplantüftlern der Wiener Linien Alltag: Eine U-Bahn sind 900 Fahrgäste, also entweder neun Gelenksbusse oder zwölf normale Busse, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen.
Zahlen sind das tägliche Brot der „Angebotsplaner“ (gemeint: das Angebot an Verbindungen für Fahrgäste). Die wichtigsten Zahlen betreffen Fahrgastströme. Gezählt werden Einstiege, Ausstiege und Belegung der Fahrzeuge. Gerät etwas aus dem Gleichgewicht, wird am Fahrplan geschraubt.
Man muss eine Linie an einer Station „aufhängen“
Bei den Bussen funktioniert die Fahrgastzählung automatisch durch Systeme bei den Türen, bei den Straßenbahnen und der U-Bahn wegen des Alters des Fuhrparks nur zum Teil.
Liegen die Zahlen vor, beginnt das große Rechnen, gerade bei Ersatzfahrplänen: Wie eine U-Bahn-Lücke ausgleichen? Busse scheiden als Einspringer für die U4 heuer etwa aus, da es wegen der Passagierzahlen auf dem Streckenabschnitt einen – unschaffbaren – 40-Sekunden-Takt gebraucht hätte.
Kreuzungen müssen bedacht werden
Vor allem geht es jedoch um Verbindungen: Wenn zwei Linien sich kreuzen, bedeutet das immerhin acht verschiedene Routen von Fahrgästen, die bedacht werden müssen.
Was kaum jemand weiß: Um einen fixen Startpunkt für die Planung zu haben, wird jede Öffi-Linie an einer bestimmten Station „aufgehängt“, der 13A zum Beispiel an der Pilgramgasse, der 49er an der Hütteldorfer Straße: Von dort weg wird dann geplant.
Linien mit Charakter
Fast ein wenig verschämt gesteht man in der Angebotsplanung, dass mit der Zeit alle Linien ihren eigenen Charakter bekämen: Der 32A sei etwa „die“ Schülerlinie von Wien, der 33A hingegen stehe für den Weg zum täglichen Einkauf, und die Ringlinien gehören den Touristen, lernt man da. Für die Fahrplan-Planung braucht es eben doch auch Gefühl.
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