Im Herbst stehen die Nationalratswahlen an. Neuen Steuern, etwa einer Erbschafts- oder auch Vermögenssteuer, erteilt Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer aber schon jetzt eine klare Absage. Was es brauche sei, neben dem Abbau der Bürokratie, eine Attraktivierung der Vollzeitarbeit. Derzeit sind Teilzeitjobs steuerlich bessergestellt.
Die Bereitschaft von Teilzeitbeschäftigen, mehr zu arbeiten, ist groß. Jeder Zweite wäre dazu bereit, wenn es sich auch finanziell auszahlt. Neben einer oft fehlenden Ganztagskinderbetreuung hält viele aber die hohe Steuerbelastung ab. Stockt man nämlich beispielsweise von 30 auf 40 Stunden pro Woche auf, bedeutet dies nicht gleichzeitig auch ein Drittel mehr netto im Börsel. „Schuld“ daran ist unser (progressives) Steuersystem.
„Die riesige Mehrheit der Menschen ist nicht faul, aber sie können rechnen“, erklärt Mahrer. Es brauche hier daher dringend eine Änderung in Form einer steuerlichen Besserstellung von Vollzeit. Ein sehr gutes Modell sei beispielsweise ein Vollzeitbonus. Aktuell beklagen sich drei Viertel bei Vollzeit über die hohe Steuerlast, so eine Market-Umfrage. Verbessert werden müsste aber auch die Kinderbetreuung.
Die riesige Mehrheit der Menschen ist nicht faul, aber sie können rechnen.
Kammer-Chef Mahrer zur steuerlichen Benachteiligung von Vollzeitarbeit
Um dem Fachkräfteproblem entgegenzutreten und Mehrarbeit zu „belohnen“, sollten darüber hinaus Überstunden steuerfrei ausbezahlt und das Weiterarbeiten in der Pension mit Steuerfreiheit (keine Abzüge) belohnt werden, betont Mahrer. Man darf nämlich nicht vergessen, dass sich die Mitarbeiterproblematik in Zukunft weiter verschärften wird. Rund 250.000 Erwerbstätige der „Baby-Boomer-Generation“ gehen in den nächsten Jahren in Pension.
Unternehmen beklagen die zunehmende Bürokratielast
Immer mehr Betriebe beklagen auch die zunehmende Bürokratie. Zwei von drei Firmen sagen, dass der bürokratische Zeitaufwand die letzten zwei bis drei Jahre zugenommen hat. KMUs seien aktuell im Schnitt bereits knapp 20 Stunden pro Woche – das sind knapp 2,5 Arbeitstage – mit bürokratischem Aufwand beschäftigt.
Bevölkerung gegen neue Steuern und Abgaben
Fast drei Viertel der Österreicher, konkret 72 Prozent, lehnen neue Steuern komplett ab. Zwei Drittel sprechen sich konkret gegen eine Erbschaftssteuer aus. Kapitalerträge seien über die Kapitalertragsteuer (KESt) schon endbesteuert. „Leute, die etwas weitergeben wollen, haben es sich oft vom Mund abgespart“, erklärt Mahrer. Und auch das Argument, dass Österreich bei den vermögensbezogen Steuern im Vergleich weit hinten ist, lässt der Kammer-Chef nicht gelten. Andere Länder hätten dafür niedrigere Einkommens- und Lohnsteuern, die den Eigentumserwerb leichter machen. „Man kann nicht Obst mit Gemüse vergleichen“, so Mahrer.
Erbschaftssteuer würde KMUs treffen
Eine wie von manchen Parteien geforderte Erbschaftssteuer würde die heimischen Klein- und Mittelbetriebe (KMU) voll treffen. Sparvermögen ist durch die KESt endbesteuert, bei Grundstücken wird die Grunderwerbsteuer (GrESt) fällig. Übrig bleiben nur die Betriebe. Mahrer: „Das ist ein Anschlag auf die heimischen KMUs. Soll dann etwa ein Stück vom Betrieb verkauft werden? Ist wie die Kuh zu schlachten, die die Milch gibt“.
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