Wurde ausgeschlossen
Corbyn tritt bei Wahl gegen seine Ex-Partei an
Der streitbare ehemalige Labour-Chef Jeremy Corbyn möchte bei den Wahlen in Großbritannien wieder auf dem Stimmzettel stehen – aber nicht mit dem Parteiapparat im Rücken, sondern als unabhängiger Kandidat. Offenbar wurde ihm kurz zuvor mitgeteilt, dass er nicht länger Mitglied von Labour sei.
Er werde für seinen Wahlkreis im Londoner Stadtteil Islington North kandidieren, kündigte der 74-Jährige am Freitag an. Corbyn war vor mehreren Jahren wegen seines Umgangs mit Antisemitismus bereits aus der Labour-Unterhausfraktion ausgeschlossen worden.
Ihm wird vorgeworfen, in seiner Zeit als Parteichef von 2015 bis 2020 nicht entschieden genug gegen antisemitische Strömungen in der Partei vorgegangen zu sein. Mehrere jüdische Abgeordnete traten damals aus Protest aus der Partei aus.
Labour liegt in Umfragen klar voran
Bei der vergangenen Parlamentswahl im Jahr 2019 hatte Labour unter Corbyns Führung eine Niederlage erlitten. Nun wählt Großbritannien am 4. Juli ein neues Parlament. Die Labour Party wird mittlerweile von Keir Starmer geführt, in Meinungsumfragen liegt seine Partei seit längerem vor den regierenden Konservativen.
Der Sender Sky News fragte Starmer nach seiner Reaktion auf Corbyns Ankündigung. Das sei eine Angelegenheit Corbyns, sagte Starmer.
Partei hat sich von Ex-Chef klar abgegrenzt
Als Labour-Parteichef habe er von Anfang an gesagt, dass er gegen Antisemitismus in der Partei vorgehe. „Das war mein erstes Versprechen und ich habe es eingelöst.“ Deswegen habe er entschieden, dass Corbyn bei dieser Wahl nicht als Labour-Kandidat antreten werde.
Corbyn ist seit rund 40 Jahren Abgeordneter für Islington North. „Als Ihr Abgeordneter werde ich weiterhin eine unabhängige Stimme für Gleichheit, Demokratie und Frieden sein“, teilte er in sozialen Medien mit. Wen Labour für den Wahlkreis ins Rennen schickt, ist bisher nicht bekannt.









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