Vitamin-D-Mangel

„Man muss in Arztpraxen immer noch diskutieren“

Vorarlberg
21.04.2024 09:25

Der Vorarlberger Michael Wäger ist Biochemiker und weiß, wie wichtig Vitamin D für unsere Gesundheit ist. Die aktuelle Biogena Good Health Studie zeigt, dass die meisten Menschen in Österreich an einem Vitamin-D-Mangel leiden. Ein Problem, das leicht zu beheben wäre.

Die aktuelle Biogena Good Health Study räumt mit einigen Mythen auf. Zum Beispiel: Ein Spaziergang an der Sonne reicht leider nicht aus, um seinen „Vitamin-D-Haushalt“ aufrechtzuerhalten.

Krone: Herr Wäger, warum ist Vitamin D so wichtig für die Gesundheit?

Michael Wäger: Lange Zeit wurde dem als Vitamin D bekannten Steroidhormon lediglich eine Rolle im Knochenstoffwechsel zugeschrieben. Da der Körper Vitamin D unter Einwirkung von Sonnenlicht selbst produzieren kann, nahm man außerdem an, die Versorgung in der Bevölkerung sei ausreichend. Wie die jüngste Forschung zeigt, sind beide Annahmen falsch. Denn Vitamin D interagiert mit fast allen Zellen des menschlichen Körpers, und Mängel des Hormons werden häufig zusammen mit Herz-Kreislauf-Beschwerden, Bluthochdruck, Diabetes, Depression und einem ungesunden Alterungsprozess beobachtet.

Zur Person

Michael Wäger, 32, stammt aus Frastanz, Bachelor in Ernährungswissenschaften (Universität Wien) und Master in Biologischer Chemie (Universität Wien), seit elf Jahren arbeitet er bei Biogena, wo er der Leiter des rund 25-köpfigen Wissenschaftsteams der Gesundheitscompany aus Salzburg ist. Er verantwortet mit seinem Team die aktuelle Biogena Good Health Study zu Vitamin D, an der rund 1400 Personen unterschiedlichen Alters teilnahmen.

Bei der Studie nahmen 1400 Menschen aus Österreich teil. Was war das Fazit?

Insgesamt verfügte der Großteil der Teilnehmer über keine Vitamin-D-Levels, die die Gesamtgesundheit ausreichend unterstützen könnten. Besonders jüngere Menschen sind davon betroffen. Über 50 Prozent haben einen starken Mangel, und 9 von 10 Personen in Österreich schaffen es nicht, einen optimalen Spiegel zu haben. Ein ausreichender Vitamin-D-Status hat jedoch nicht nur einen positiven Effekt auf unseren Herz-Kreislauf, sondern auch auf die Psyche und kann Depressionen, Angstzustände und Schlafstörungen mildern – und spielt auch in der Menopause eine wichtige Rolle.

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Wir haben in der Studie gesehen, dass es ohne Supplementierung unmöglich ist, in einen annähernd relevanten Präventivbereich zu kommen.

Michael Wäger

Wieso schaffen wir es nicht, selbst ausreichend Vitamin D zu produzieren?

Weil wir uns heutzutage nicht mehr ausreichend an der Sonne aufhalten. Von der österreichischen Gesellschaft für Ernährung gibt es die Empfehlung, viel fetten Fisch zu essen, wie Lachs oder Sardellen, weil sie Vitamin D enthalten. Ich habe das einmal für mich ausgerechnet: um meinen Status zu halten, müsste ich täglich über ein Kilogramm fetten Lachs essen. Die Realität schaut anders aus. Wir haben in der Studie gesehen, dass es ohne Supplementierung unmöglich ist, in einen annähernd relevanten Präventivbereich zu kommen. Damit zeigt sich, dass man etwas machen muss und alle gesundheitspolitischen Maßnahmen in diese Richtung versagen.

Von der österreichischen Gesellschaft für Ernährung gibt es die Empfehlung, viel fetten Fisch zu essen, wie Lachs oder Sardellen, weil sie Vitamin D enthalten. (Bild: zVg)
Von der österreichischen Gesellschaft für Ernährung gibt es die Empfehlung, viel fetten Fisch zu essen, wie Lachs oder Sardellen, weil sie Vitamin D enthalten.

Wenn Vitamin D so relevant für unsere Gesundheit ist, wieso weiß man so wenig darüber?

Ich habe vor wenigen Monaten aus Interesse eine Vorsorgeuntersuchung beim Hausarzt in Vorarlberg gemacht. Ich habe nachfragt, ob man mein Vitamin D messen kann. Dann hieß es: „Nein, das brauchst du nicht. Du bist ja jung und gehst genug raus.“ Das ist vielleicht ein Einzelfall, aber man muss in hausärztlichen Praxen immer noch diskutieren, theoretisch übernimmt die Krankenkasse ohnehin die Kosten. Nicht nur, dass man diskutieren muss, die klassische Labordiagnostik zeigt ja leider nur einen Bruchteil der Wahrheit. Daher haben wir unsere Analysen auch im Vollblut gemacht, um ein gesamtheitliches Bild zu bekommen. Natürlich sind diese teurer.

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Wieso soll sich ein Arzt um Ernährung scheren, wenn man es nicht an der Uni lernt?

Michael Wäger

Wieso hinkt unser Gesundheitssystem in Sachen Prävention so hinterher?

Im ganzen Medizinstudium gibt es nur in einem Semester eine Vorlesung im Bereich Ernährung. Das steht sinnbildlich dafür, dass Prävention nicht relevant ist. Wir wollen augenscheinlich nicht verhindern, dass eine Krankheit überhaupt erst auftritt. Dabei gilt etwa Diabetes als neue Pandemie. Diese Krankheiten explodieren, weil man nicht gerne vorsorgt. Da ist ein Fehler im System. Wieso soll sich ein Arzt um Ernährung scheren, wenn man es nicht an der Uni lernt?

Michael Wäger ist der Leiter des 25-köpfigen Wissenschaftsteams der Gesundheitscompany Biogena.  (Bild: Biogena/DAVID WEDENIG)
Michael Wäger ist der Leiter des 25-köpfigen Wissenschaftsteams der Gesundheitscompany Biogena. 

Was kann man denn selbst tun, um vorzusorgen?

Ich habe seit Covid gemerkt, dass es eine Wende zu mehr Gesundheitsbewusstsein gibt und viele auch bereit sind, Geld dafür auszugeben. Ich mache ein bis zweimal im Jahr eine Vollblut-Analyse. Das kostet je nach Labor 200 bis 300 Euro. Der Befund wird mit einem Arzt besprochen. Mängel kann man ausgleichen mit Supplementierung, Infusionen oder Ernährung. Das ist bereits eine gute Basis. Ich hoffe, dass die Menschen mündiger werden und erkennen, wie viel man mit Prävention bewirken kann.

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