Zum 100. Todestag des Meisters der Herzschmerz-Opern bringt Volksoperndirektorin Lotte de Beer seine kaum gespielte „La Rondine“ auf die Bühne. Wir haben sie gefragt, warum.
„Als Regisseurin liebe ich problematische Texte. Besonders, wenn sie mit so fantastischer Musik vertont sind“, sagt Lotte de Beer. Die Volksopern-Direktorin legt für Puccinis kaum gespielte „La Rondine“ („Die Schwalbe“) selbst Regie-Hand an. „Es ist ein Titel, den man kaum kennt. Das ist ungerecht. Meine Tochter meinte, es klingt ein wenig wie ,Bohème‘, aber dann auch nach Musical. Sie hat recht. Es ist Puccini, aber irgendwie leichter, sentimental im besten Sinne. Er hat sich von der Operette inspirieren lassen.“
Eine solche hätte „La Rondine“ als Auftrag des Wiener Carltheaters auch sein sollen. Doch ließ Puccini sich das deutsche Libretto von Giuseppe Adami umschreiben und vertonte es als italienische Oper. Die kam wegen des Weltkriegs 1917 dann nicht in Wien, sondern in Monte Carlo heraus.
„Das Libretto ist kein Meisterwerk. Deshalb wird es wohl auch so wenig gespielt“, so de Beer. Die Story erinnert ein wenig an „La traviata“: Die Kurtisane Magda verliebt sich unter falscher Identität in das junge unerfahrene Landei Ruggero. Man lebt die frische Liebe an der Riviera, bis die Ex-Kurtisane den Jungen verlässt, um seine Zukunft nicht zu verbauen.
Puccini hat dreimal am Ende herumgedoktert. Doch blieb bei de Beer und ihrem Premierendirigenten Alexander Joel „ein so unbefriedigendes Gefühl, dass wir eine vierte Fassung geschrieben haben, die Alexander Joel aus den Puccini-Melodien vertont hat.“
Neben Magda und Ruggero gibt es ganz operettenkonform zwei Buffo-Figuren: die Dienerin Lisette und den in sie verschossenen Dichter Prunier, der in de Beers Inszenierung seine Fassung der Geschichte auf ein übergroßes Papier schreibt. Bis ihm Lisette die Feder aus der Hand nimmt, um sich selbst diesen „Mischmasch aus auch frauenfeindlichen Klischees des 19. Jahrhunderts“ weiterzuschreiben.
Alles passiert „farbenfroh und augenzwinkernd im 19. Jahrhundert“. Denn: „Man kann sehr gut etwas für ein heutiges Publikum spielen, auch wenn man es in der Zeit lässt – solange man die Figuren glaubwürdig zeigt!“
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