Der Arm Moskaus reicht bis in den Heinz-Nittel-Hof in Wien-Floridsdorf. Hier klickten am Karfreitag für den Schwiegersohn von Ex-Verfassungsschützer Egisto Ott die Handschellen.
Die „Krone“ hat ausführlich über den Fall Ott berichtet: Am vergangenen Freitag wurde der ehemalige Verfassungsschützer unter Spionageverdacht in seiner Kärntner Villa festgenommen und sitzt seitdem in U-Haft. Beinahe zeitgleich fand auch im Nittel-Hof ein spektakulärer Polizeieinsatz statt, der in der riesigen Gemeindebau-Siedlung für Gesprächsstoff sorgt.
Die „Krone“ auf Lokalaugenschein in einem Wiener Gemeindebau – in einer Wohnung dort rollte der Rubel mit russischen Spionen.
Was die Bewohner nicht ahnen konnten: Einer ihrer Nachbarn ist in dem Agententhriller mittendrin statt nur dabei, eine Wohnung Schauplatz mehrfacher Spionage-Aktivitäten „zum Nachteil Österreichs“, wie es offiziell heißt.
Abgeführt wurde am Karfreitag der Schwiegersohn Otts, der in seiner Wohnung die Übergaben – Informationen gegen Bargeld – abgewickelt haben soll. Mittlerweile ist der 51-Jährige wieder auf freiem Fuß.
Ob er nur ein ahnungsloser Laufbursche war, oder doch tiefer im Spionage-Sumpf steckt, werden weitere Ermittlungen zeigen. Auftraggeber war Phantom Jan Marsalek, der in Moskau untergetauchte „Most Wanted“.
Privatwohnungen erfüllten schon im Kalten Krieg für Geheim- und Nachrichtendienste verschiedene Funktionen, weiß Dieter Bacher, Geheimdienst-Experte am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung.
Diese werden im Normalfall aber von Strohmännern oder Tarnorganisationen angemietet. Nicht so im Fall Ott, wo die Gemeindebauwohnung eines Verwandten zweckentfremdet wurde: „So etwas ist riskant und operativ gesehen eigentlich ein unnötiges Risiko“, erklärt Bacher. Sich beim Spaziergang in den Donauauen zu treffen wäre vermutlich ungefährlicher gewesen – so machten es jedenfalls die „Profis“ im Kalten Krieg.
Dieter Bacher ist heute um 9.30 Uhr live bei krone.tv zu Gast – schalten Sie ein!
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