Unmut über Schwemmgut

Seit Jahren schwimmt am Traunsee eine Mülldeponie

Oberösterreich
21.02.2024 09:52

Seit dem Hochwasser vor elf Jahren versinkt eine Bucht in der Ebenseer Ortschaft Rindbach im Müll. Die Traun spült auf ihrem Weg von Hallstatt Plastik, Autoreifen oder Badeschlapfen an. Auch ein totes Wildschwein wurde herausgefischt. Dennoch schauen die Behörden trotz heftiger Anrainerproteste nur zu.

Der Traunsee gilt als einer der schönsten Seen des Salzkammerguts. Eine Bucht im Mündungsgebiet der Traun ist allerdings alles andere als malerisch. Über mehrere hundert Meter verwandelt sich im Ebenseer Ortsteil Rindbach das Ufer in eine schwimmende Mülldeponie.

„Es ist eine Tragödie, die nicht nur schlimm zum Ansehen ist. Sie ist auch für Mensch und Tier gesundheitsbedrohlich“, klagt Josef Stüger, der seit mittlerweile 24 Jahren mit seiner Gattin am Ufer des Traunsees lebt. Vor einiger Zeit spülte die Traun sogar ein totes Wildschwein in die Bucht, auch ein verendeter Hund und ein toter Rehbock wurden bereits gefunden.

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Wir sind von den Behörden maßlos enttäuscht. Keiner fühlt sich verantwortlich, dabei spielt sich entlang des Ufers eine Tragödie ab.

Josef Stüger jun. aus Ebensee

 „Bei uns landet sämtliches Schwemmgut von Hallstatt bis Ebensee, es fängt mit Grünschnitt an und hört mit Autoreifen, Plastikflaschen, Kübeln oder Badeschlapfen auf. Wenn man mit einem Stock hineinsticht, riecht man sofort das Methan. Ein Nachbar bekam nach dem Betreten des Sees einen Hautausschlag und musste zum Arzt“, merkt Josef Stüger jun. beim Lokalaugenschein der„Krone“ an.

Für Müllbeseitigung fühlt sich keiner verantwortlich
Besonders schlimm ist für die Rindbacher aber, dass sich niemand für die Beseitigung der jahrelangen Misere zuständig fühlt. „Bis 2013 wurden die Räumungsarbeiten aus Mitteln des Katastrophenfonds finanziert. Trotz zahlreicher Beschwerden führt die Gemeinde die Arbeiten aber nicht mehr durch“, knirschen die Stügers mit den Zähnen. Auch andere Behörden winkten ab. „Ihnen genügt die Ferndiagnose, dass Schwemmholz nicht unter Abfall fällt. Bis dato war weder ein Politiker noch ein Vertreter der Behörde vor Ort, um sich die Situation anzusehen.“

Behörden spielen sich Ball zu
Ernüchternd war auch die Antwort der Bezirkshauptmannschaft: Sie teilte mit, dass eine Feststellung des Verursachers aussichtslos erscheine, da es sich um Anschwemmungen handelt. Für Schwemmholz seien zudem keine verwaltungsrechtlichen Regelungen nach dem Abfallwirtschaftsgesetz vorgesehen. Es bestehe nur die Möglichkeit, auf dem Zivilrechtsweg zu handeln, da dieser eine Handhabe biete. Stüger: „Die Behörden spielen sich den Ball gegenseitig zu, während wir im Müll versinken.“

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