Fingerzeig für Bosse

„Man muss nicht jeden immer gleich abschreiben“

Ski Alpin
13.11.2023 07:45

Österreichs Slalom-Frauen haben Levi mit einer gehörigen Portion Zuversicht verlassen - vor allem Marie-Therese Sporer nach ihrer Karriere-Bestleistung mit Platz 13 am Sonntag. Die 27-Jährige war nach der vergangenen Saison aus dem Kader geflogen. Als drittbeste Österreicherin war das Ergebnis für sie eine persönliche Befreiung. Aber auch ein Fingerzeig Richtung sportliche Führung. „Ich finde, man muss nicht jeden immer gleich abschreiben.“

Sporer hatte sich im langen Finnland-Block einen ganz frischen Eindruck vom neuen Wir-Gefühl im ÖSV-Technikteam verschafft. „Man merkt, dass viel mehr Teamdynamik ist, dass jeder will und das Feuer wieder da ist. Ich hoffe, dass wir es zusammen ganz hoch und schön zum Brennen bringen“, sagte sie nach ihrem starken 13. Platz am Sonntag. Die Sommervorbereitung bestritt sie auf eigene Faust, lukrierte ein regionales Unternehmen als Helmsponsor, stellte den Herrn Papa als Servicemann ein und behauptete sich anschließend in der internen Qualifikation. „Sie sehen jetzt, hoffe ich, was in mir steckt. Dass ich ambitioniert bin. Ich hoffe, dass wir gemeinsam als Team weiterarbeiten können“, so Sporer. Ihre schlechten Leistungen hätten schließlich einen Grund gehabt. „Die Schulterverletzung hat mich einfach geplagt, mental und körperlich.“

„..., dass man sie richtig aus der Reserve lockt“
Als Belohnung gab es für die Slalom-Spezialistin vorerst das Flugticket für das Technik-Wochenende in Killington (USA) in gut zwei Wochen. „Mit dem 13. Platz hat sie sich qualifiziert, dass wir sie mitnehmen nach Amerika“, bestätigte Cheftrainer Roland Assinger. Er erinnerte daran, als Reinfried Herbst auch aus dem Kader geflogen war und kurz darauf Olympia-Silber gewonnen hatte. „Ab und zu brauchen Athleten und Athletinnen solche Maßnahmen, dass man sie richtig aus der Reserve lockt.“

Die erste Standortbestimmung stimmte Assinger aus mehreren Gründen optimistisch. Sie zeigte, dass Katharina Liensberger den schnellen Schwung am kurzen Ski wiedergefunden hat. Dass die Vorarlbergerin auch wieder zupacken kann, wenn Stockerl-Abonnentinnen wie Mikaela Shiffrin oder Wendy Holdener patzen. Dass Katharina Huber verwandelt fährt. Dass Katharina Gallhuber nach langer Verletzungspause auf Anhieb auf Plätze zwischen 10 und 20 fahren kann. Aber auch, dass die ÖSV-Slalomfrauen bei gewissen Kurssetzungen unverändert Schwächen haben.

Schwächen bei gewissen Kurssetzungen
„In drehenden Kursen und gefinkelten Kombinationen tun wir uns schwer. Da steht das Denken im Vordergrund und Denken macht langsam. Da haben wir einiges aufzuholen“, meinte Assinger. „‘Normale‘ Läufe funktionieren gut, aber der Schritt zur Weltspitze ist schon noch groß.“

Liensbergers neue Zuversicht schmälerte Platz acht im zweiten Slalom nicht. „Das Wichtigste ist, dass ich das Gefühl habe, dass der Weg stimmig ist“, sagte die Dritte des Samstag-Rennens. Auch ihre Schwachstellen konnte die Weltmeisterin von 2021 - anders als in ihrer Seuchensaison - auf Anhieb benennen: Nicht immer sei die Kompromisslosigkeit am Schwungansatz schon so, wie sie sich das vorstelle.

Der Turnaround als Gruppe scheint ebenfalls eingeleitet, der Boden nach Tagen des frostigen Teamklimas aufbereitet. „Das Wichtigste war, ein gutes Mannschaftsklima zu schaffen. Dass sie wieder Zuversicht haben, dass sie an sich glauben und Ruhe einkehrt“, erklärte der neue Technik-Gruppentrainer Klaus Mayrhofer. „Wir haben versucht, kleine Mosaiksteine zusammenzubauen, Stabilität reinzubringen, auch in die Technik.“ Sein Zugang sei: „Wenn die Seele in Ordnung ist, dann geht schon sehr viel.“

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