Beton statt Kornkammer

„Baggern“ wir uns schon direkt in den Untergang?

Chronik
20.12.2022 10:00

Der Klimawandel hat heuer in Oberösterreich große Schäden verursacht. Doch Entwaldung und Verbauung gehen weiter, die Baulandreserve ist erschreckend groß. Und Amazon und Google setzen sich in unsere Kornkammern und Rübenfelder an der Enns.

Wie viele Bauern erlebte heuer Matthias Hasiweder, Bezirk Braunau, dass der Klimawandel die Landwirtschaft stark trifft. Er erntete ein Drittel weniger Mais, sein Grünland warf die Hälfte ab, wir berichteten.

Rückblick auf den heurigen Sommer: Stark von Dürre geschädigter Mais bildete „Gummikolben“, darunter litt die Ernte. (Bild: Scharinger Daniel)
Rückblick auf den heurigen Sommer: Stark von Dürre geschädigter Mais bildete „Gummikolben“, darunter litt die Ernte.

Großer Schaden
So wie ihm ging es noch vielen anderen Bauern: Der Gesamtschaden durch Dürre in Oberösterreich liegt bei 30 Millionen Euro, dazu kommen noch 17 Millionen Euro Schäden durch Extremwetter, bilanziert die Österreichische Hagelversicherung.

Auch Extremwetter wie Starkregen oder Hagel werden durch die Bodenversiegelung gefördert. (Bild: ÖHV)
Auch Extremwetter wie Starkregen oder Hagel werden durch die Bodenversiegelung gefördert.

Immer mehr Flächenfraß
Die Klimaveränderung beginnt, an unserer Versorgung mit Nahrungsmitteln zu kratzen, längst wurden Entwaldung und Bodenversiegelung als Hauptursachen erkannt. Doch ein Umdenken ist nicht in Sicht. Die Bevölkerung Österreichs wuchs in den letzten 19 Jahren um 10%, der Flächenverbrauch um 30%.

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Österreichs Natur- und Lebensraum schrumpft jeden Tag durch Verbauung. Täglich verlieren wir ein Stück Identität und werden damit ärmer. Laut aktuellen Zahlen des Umweltbundesamtes wurden im Jahr 2021 in Österreich 10 Hektar Äcker und Wiesen - das entspricht in etwa der Größe von 14 Fußballfeldern - pro Tag für Bautätigkeiten, Verkehr und Betriebsflächen beansprucht und für immer zerstört.

Kurt Weinberger, Österreichische Hagelversicherung

Die Größe von Wien für Beton
Aktuell verbraucht Oberösterreich 2,2 Hektar pro Tag. Pro Einwohner sind bereits 300 m² versiegelt. Düster auch der Blick in die Zukunft: „Oberösterreichs Baulandreserve ist so groß, dass man darin die bebaute Fläche Wiens unterbringen kann“, kritisiert Umweltlandesrat Stefan Kaineder. „Es werden die fruchtbarsten Äcker zubetoniert, gesunde Wälder geschlägert, und die Ortszentren sterben weiter.“

Kurt Weinberger ist Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung (Bild: HANS PUNZ / APA / picturedesk.com)
Kurt Weinberger ist Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung

Von Ohlsdorf bis Amazon und Google
Kurt Weinberger von der Hagelversicherung geht mit der Entwaldung in Ohlsdorf und dem Ausverkauf der Kornkammer entlang der Enns an die US-Giganten Amazon und Google hart ins Gericht: „Argumentiert wird immer mit Arbeitsplätzen, obwohl wir mittlerweile einen Arbeitskräftemangel haben. So wurden auch in Ohlsdorf 600 bis 800 Arbeitsplätze versprochen - bis dato gibt es aber noch keinen einzigen davon!“

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