Stadt Wien warnt jetzt

K.-o.-Tropfen als unsichtbare Gefahr

Politik & Wirtschaft
21.11.2022 15:54

Eine Infokampagne der Stadt Wien soll jetzt das Bewusstsein schärfen und über die gefährlichen K.-o.-Tropfen informieren. Indes steigt die Zahl der Betroffenen ...

Es geht meistens ganz schnell und vor allem unbemerkt. Es passiert auf Partys, in Bars, in Clubs oder auch auf Weihnachtsfeiern. K.-o.-Tropfen sind eine unsichtbare Gefahr, und die Zahl der betroffenen Frauen steigt, wie der Frauennotruf der Stadt Wien vermeldete.

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Das Gefährliche an K.-o.-Tropfen ist, dass man sie nicht riecht und schmeckt. Umso wichtiger ist es, auf das eigene Getränk - auf sich selbst und auf andere - aufzupassen!

Vizebürgermeisterin und Frauenstadträtin Kathrin Gaál (SPÖ)

Anlässlich der „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ wurde jetzt eine große Kampagne präsentiert, die das Bewusstsein wieder schärfen und an die Zivilcourage appellieren soll. „Das Gefährliche an K.-o.-Tropfen ist, dass man sie nicht riecht und schmeckt. Umso wichtiger ist es, auf das eigene Getränk, auf sich selbst und auf andere aufzupassen!“, so Vizebürgermeisterin Kathrin Gaál (SPÖ).

Wie erkennt man K.-o.-Mittel?

  • K.-o.-Mittel sind verschiedene flüssige oder pulverartige Substanzen, die schnell betäubend wirken.
  • Sie werden meistens in ein Getränk geträufelt und sind farb- und geruchlos.
  • Der leicht bittere, salzige oder seifige Beigeschmack ist in Mixgetränken kaum wahrnehmbar.
  • K.-o.-Mittel können von Fremden, soeben gemachten Bekanntschaften, aber auch von vermeintlichen Freunden verabreicht werden.
  • Sie machen manipulierbar und wehrlos. Mitunter werden sie gezielt eingesetzt, um Frauen zu vergewaltigen.

Bereits 60 Frauen haben heuer dazu den Frauennotruf der Stadt kontaktiert. Die Dunkelziffer dürfte jedoch deutlich höher sein.

Ein Fall aus der Praxis der 24-h-Frauennotrufs: So oder so ähnlich klingen die Berichte von Frauen, denen mutmaßlich K.-o.-Mittel verabreicht wurden. 

Frau T., 44 Jahre, verabredet sich mit einem Bekannten zu einem gemeinsamen Filmabend in seiner Wohnung. Der Bekannte bietet ihr Tee an. Nach dem ersten Drittel des Films wird Frau T. extrem schläfrig. Sie wacht in der Nacht am Sofa in der Wohnung des Bekannten auf und hat nur ihren BH an. Sie kann sich nicht erinnern, dass sie sich ausgezogen hat. Auf ihre Frage, was passiert sei, antwortet der Bekannte, sie habe einvernehmlich Sex mit ihm gehabt. Frau T. ist schockiert, denn sie kann sich nicht daran erinnern und kann sich ihren Zustand und die angeblichen Geschehnisse nicht erklären.

Verdacht auf K.-o.-Tropfen: Was tun?

  • Grundsätzlich sollte man Getränke nie unbeaufsichtigt lassen, Freund*innen sollten immer gegenseitig aufpassen. Ganz wichtig ist es, dem eigenen Instinkt zu vertrauen - die Party etwa in Begleitung von Freundinnen verlassen, wenn man sich nicht wohlfühlt.
  • Bei plötzlichem Schwindel, Übelkeit oder einer unbekannten, enthemmenden Wirkung sollte sich die betroffene Person an eine Vertrauensperson oder an das Barpersonal wenden. Im Zweifelsfall nicht zögern, die Polizei unter 133 zu rufen!
  • Da das Nachweisfenster je nach eingesetzter Substanz klein ist, sollten Betroffene so rasch wie möglich in ein Krankenhaus, wie etwa das AKH, fahren.
  • Wichtig ist eine rasche Probenahme von Blut und Harn und die damit in Zusammenhang stehende Dokumentation. Auch wenn sich jemand noch nicht zu einer Anzeige entschieden hat, ist es vorerst wichtig für ein allfälliges Strafverfahren, Proben, Befunde und Fotos von Verletzungen zu sichern.

Mutmaßliche K.-o.-Tropfen-Attacke bei SPD-Sommerfest
Aufregung herrschte heuer im Sommer bei unseren deutschen Nachbarn. Nach dem Sommerfest der SPD-Bundestagsfraktion in Berlin mit 1000 Gästen hatten mehrere Frauen über Unwohlsein, Schwindel und Gedächtnisverlust geklagt. Also alles Symptome, wie man sie von Opfern einer K.-o.-Tropfen-Attacke kennt. Doch die Chancen auf eine Aufklärung sind offenbar schlecht: Laut den Ermittlern konnte nämlich nicht festgestellt werden, ob K.-o.-Tropfen verabreicht wurden. In insgesamt zehn Fällen wurde polizeilich wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Bei neun der zehn Fälle sei der Zeitraum abgelaufen gewesen, in dem die Tropfen noch medizinisch hätten nachgewiesen werden können. Das zeigt, dass jede Sekunde, jede Minute, jede Stunde zählt, um einen Verdacht oder Vorfall zu melden.

Der 24-Stunden-Frauennotruf ist Anlaufstelle für alle Frauen und Mädchen ab 14 Jahren, die von sexualisierter, körperlicher und/oder psychischer Gewalt betroffen sind oder Gewalt in der Vergangenheit erfahren haben - egal wie lange die Gewalterfahrung zurückliegt. Das Frauennotruf-Team ist täglich von 0 bis 24 Uhr erreichbar: 01/71719

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