Zoff im Gemeindebau

Wo diese Mieterinnen hinziehen, gibt es Ärger

Die unglaubliche Odyssee zweier Gemeindebau-Mieterinnen, die sich von Wiener Wohnen drangsaliert fühlen. Ihre siebenjährige „Tortur“ beschäftigt jetzt sogar die Politik. Die Hausverwaltung weist Mobbing strikt zurück, räumt aber Probleme ein. 

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Sie sind verwandt, tragen den gleichen Vornamen, wohnen schon lange zusammen und erzählen von einer fast unglaublichen Tortur durch zwangsweise „Ausquartierung“ und Übersiedlungen. Eine Geschichte von Unterkünften ohne Strom, Gas und Trinkwasser, garniert mit Gewaltattacken eines Nachbarn.

„Wir werden seit sieben Jahren von Wiener Wohnen schikaniert“, sagen die beiden. Wieso? Weil sie sich gegen den Abriss der Wienerfeldsiedlung West, ihres früheren Heims, gestemmt hätten. Die Hausverwaltung weist „aufs Schärfste zurück“, die beiden Damen - eine davon mit 70-prozentiger Behinderung - vorsätzlich zu peinigen. Vielmehr sei man den Damen immer entgegengekommen.

Gleichzeitig bestätigt Wiener Wohnen Probleme bei Quartieren, die Hermine W. und Hermine D. angeboten worden sind. Aber der Reihe nach. Beginnen wir im Jahr 2015. Die pensionierte Technikerin und ihre medizinisch geschulte Verwandte leben in der Berhold-Viertel-Gasse im 10. Bezirk. Obwohl die meisten anderen Mieter bereits ausgezogen sind, wollen sie von hier nicht weg. Sie haben Geld in die Wohnung gesteckt, fühlen sich wohl.

Von da an hätte die Wiener Wohnen begonnen, Druck auszuüben, erzählen sie. Bauarbeiten im Wohnumfeld, der Strom wird kurzerhand gedreht, Wände eingerissen, die Trinkwasserleitung beschädigt. Methoden, die man sonst nur von privaten Miethaien kennt. Die Hausverwaltung sagt dazu: „Im Zuge eines Gebrechens, in dem Arbeiten in anderern Wohnungen nötig werden, kann nicht ausgeschlossen werden, dass kurzfristig Strom und Wasser abgeschaltet werden.“ Die Mieter seien vorab informiert worden. „Mutwillige Beschädigungen“ schließt Wiener Wohnen aus.

Schließlich willigen die Frauen doch in eine Übersiedelung ein. Von den drei angebotenen Ersatzwohnungen ist eine bereits vergeben, die zweite verfügt über keine Heizung. Sie nehmen die Dritte. Was sie nicht wissen: Daneben wohnt ein aktenkundiger „Problemmieter“. Nach kurzer Zeit eskaliert die Lage. Hermine D.`s Auto wird zertrümmert. Der Nachbar verletzt sie nach eigenen Worten mit einem „Schlagstock sowie mit einem Stockdegen“. Polizeieinsatz. Wiener Wohnen schmeißt den rabiaten Mann raus.

Aber auch die beiden Damen gehen. Freiwillig, wie die Hausverwaltung betont. Und mit dem Hinweis: „Die beiden sind seit vielen Jahren Mieterinnen verschiedener Wohnungen. An allen Adressen kam es bisher zu Konflikten mit den Nachbarn. Selbst Vermittlungen mit dem Nachbarschaftsservice Wohnpartner führten zu keinem Erfolg.“

Nächster Halt: die Peer-Albin-Hansson-Straße. Auch hier sofort Probleme. Die Wohnung hätte gar nicht bezogen werden dürfen, weil der Gasbefund fehlt. Die Wiener Netze drehen die Zufuhr ab. Hermine W. und Hermine D. warten Wochen auf die Behebung. Wiener Wohnen dazu: „Für die Zeit der Instandsetzung wurden die Mieterinnen mit einer Mietzinsminderung von 80 Prozent entschädigt.“ Zur Überbrückung sei ihnen eine Kochplatte und ein Heizgerät zur Verfügung gestellt worden.

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Derartige Vorgänge sind beschämend, da kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Ich fordere Stadträtin Gaal dazu auf diese Vorgehensweise lückenlos aufzuklären und umgehend Maßnahmen umzusetzen, damit solch mutwillige Drangsalierungen in Zukunft unterbunden werden!

Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp

Das Gas fließt schließlich wieder. Aber die Therme „spinnt“.  Mehrere Reparaturversuche bleiben erfolglos.  Werkmeister und Installateure tauschen diverse Teile aus, können aber laut Wiener Wohnen keine „schadhaftes Gerät“ feststellen. 

Den Damen reicht es jetzt. Sie wollen weg. Nach Niederösterreich. Aber Wiener Wohnen soll die Umzugskosten der vergangenen Jahre (mehrere Tausend Euro) ersetzten. Die Gemeindebau-Verwaltung denkt nicht daran: „Die Umzüge erfolgten auf eigenen Wunsch. Die Übernahme der Kosten ist daher nicht vorgesehen.“ Die Mieterinnen haben sich einen Anwalt genommen. Die FPÖ wird den Fall im Gemeinderat diskutieren.

FPÖ-Chef Dominik Nepp: „Derartige Vorgänge sind beschämend, da kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Ich fordere Stadträtin Gaal dazu auf, diese Vorgehensweise lückenlos aufzuklären und umgehend Maßnahmen umzusetzen, damit solch mutwillige Drangsalierungen in Zukunft unterbunden werden!“

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