„Sprachlos“ über SPÖ

„Heisl“-Sager: Experten fühlen sich beleidigt

Der Bezirksvorsteher von Wien-Donaustadt, Ernst Nevrivy, ist dafür bekannt, aus seinem Herzen keine Mördergrube zu machen. Mit seinem „Heisl“-Sager am SPÖ-Parteitag hat er zuletzt für gehörigen Wirbel gesorgt. Nevrivy bezeichnete Aktivisten, die sich gegen die geplante Stadtstraße in Wien stellen, als „Heisln“, die Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) beleidigen würden. Die Experten, deren offener Brief zum Thema Stadtstraße der Stein des Anstoßes war, fühlen sich nun hingegen selbst beleidigt ...

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Auslöser war ein offener Brief, der auf Initiative der Fachgruppe Mobilität der Scientists for Future Österreich verfasst und von 23 Forschern sowie Raum- und Verkehrsplanern unterzeichnet worden war, der Großteil von ihnen von der TU Wien. Nevrivy hatte sich daraufhin dazu hinreißen lassen, die TUler mit dem emeretierten Verkehrswissenschaftler Hermann Knoflacher gleichzusetzen, der sich einer fragwürdigen Promi-Initiative gegen die Corona-Impfpflicht angeschlossen hatte.

Aktivisten als „Heisln“ bezeichnet
Zudem hatte der Donaustädter Bezirkschef Gegner des Lobautunnels und der Stadtautobahn als „Heisln“ bezeichnet, die den Bürgermeister beleidigen würden. Die Verfasser des Briefes meldeten sich nun gegenüber der „Krone“ zu Wort und reagierten empört. „Prof. Knoflacher, der hier hervorgehoben wurde, ist weder Teil der Scientists for Future, noch war er an der Erstellung des Textes beteiligt. Herr Nevrivy spricht somit nicht nur allen Unterzeichner:innen ihre Fachkompetenz ab, sondern im Grunde dem ganzen Studienzweig der TU Wien.“

Die Brief an die SPÖ Wien zum Thema Mobilitätswende (hier abrufbar) sei „höflich, konstruktiv und differenziert formuliert und keinesfalls ein Angriff auf die SPÖ“ gewesen: „Die Haltung und Handlungen der SPÖ Wien gegenüber Verkehrsexpert:innen machen uns sprachlos.“ Und weiter: „Es ist nicht Aufgabe der Wissenschaft, der Politik zu sagen, was sie zu tun hat, aber es ist sehr wohl die Aufgabe der Politik, Wissenschaft ernst zu nehmen und zuzuhören.“

Aussage für Bürgermeister „pointiert und erdig“
Doch wen genau hat Nevrivy mit dem urwienerischen Begriff eigentlich gemeint? Auskunft darüber geben kann nur der Bezirkschef selbst. Für ein Telefongespräch mit der „Krone“ war er allerdings nicht bereit. Womöglich, um sich nicht noch weiter um Kopf und Kragen zu reden. Für den verteidigten Stadtchef Michael Ludwig (SPÖ) war es jedenfalls eine „pointierte und erdige Aussage“. Er findet es jedoch schade, dass der Inhalt der Rede nicht richtig beachtet wurde.

Aus dem roten Rathausklub heißt es von Klubchef Joe Taucher, dass die Debatte um die Stadtstraße sehr emotional geführt wurde und Nevrivy sich „damit ganz stark hinter den Bürgermeister gestellt hätte“. Die Stellungnahme aus dem Bezirksvorsteher-Büro fällt knapp aus: „Es war ein Appell zur Geschlossenheit in der Abstimmung und die Verteidigung unseres Parteivorsitzenden gegen ungerechte Angriffe von außen.“

Leidtragende sind die Anrainer
Der Bau des Lobautunnels und der dazugehörigen Stadtstraße war in den vergangenen Jahren nicht nur auf Wiener Landesebene zum Zankapfel geworden. Während die SPÖ auf die dringend benötigte Entlastung des Wiener Verkehrs pocht, legten sich die Grünen wiederholt quert - zuletzt in Person von Umweltministerin Leonore Gewessler, die den Bau stoppen ließ. Leidtragende dieses innenpolitischen Hickhacks sind nicht zuletzt die Bewohner der Stadtentwicklungsgebiete, die nicht nur durch die kaum vorankommenden Bauarbeiten, den zunehmenden Verkehr, sondern auch durch die Hinterlassenschaften der Baustellenbesetzer in den vergangenen Monaten massiv belastet waren.

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