23.05.2022 05:15 |

Ina Regen im Interview

„Ich mag die Kärntner & die Kärntner mögen mich!“

Ina Regen und ihre Musik sind aus der österreichischen Musiklandschaft nicht mehr wegzudenken. Am Samstag begeisterte sie bei den „Gitschtaler Sinnlichkeiten“ in Kärnten hunderte Gäste. Die „Krone“ hat die „Dialekt“-Sängerin vor ihrem Auftritt getroffen. Im „Krone“-Interview erzählt sie Details über ihr drittes Album, erinnert sich an ihren schönsten Familienurlaub in Kärnten und spricht über die Vorbild-Rolle als Frau.

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Dein Auftritt bei den Gitschtaler Sinnlichkeiten musste ja zweimal wegen der Pandemie verschoben werden. Freust du dich jetzt darauf?
Ja, natürlich! Ich bin etwas aufgeregt. Weil live ist live und es gibt immer Dinge, die man nicht planen kann. Aber das macht einen Live-Auftritt ja aus. Gerade weil Corona mich auch ein bisschen aus der Routine gerissen hat, ist dann das Auftreten etwas ganz Besonderes.

Was bringt dich nach Weißbriach ins Gitschtal?
Ich habe eine Anfrage bekommen und habe das Wort Sinnlichkeiten gelesen und habe mir gedacht: „Das klingt sehr nach mir!“ Außerdem habe ich eine Affinität für Kärnten. Ich mag die Kärntner und die Kärntner mögen mich.

Das heißt, du warst schon einmal in Kärnten?
Ja. Ich habe meinen schönsten Familienurlaub hier in Hermagor verbracht. Wir waren hier in einem Erlebnispark und haben zwei Wochen am Millstätter See verbracht. Damals war ich 10 Jahre alt und es war der letzte Urlaub, wo meine große Schwester mitgefahren ist. Außerdem hatte ich als Ina Regen schon einen Auftritt im Konzerthaus in Klagenfurt, das war auch wunderschön. Am absurdesten war aber, als ich an dem Tag in Kärnten aufgetreten bin, als das Ibiza-Video veröffentlicht wurde. Die Stimmung war wirklich absurd!

Du arbeitest gerade an deinem dritten Album. Wie geht es dir dabei?
Mir geht es eigentlich gut. Ich habe das Gefühl, dass ich zwei Gehirnhälften habe. Eine für den Alltag und eine für die Kreativität. Umso mehr ich die kreative Hälfte beim Arbeiten am Album beanspruche, umso schwieriger wird es für mich im Alltag, zum Beispiel pünktlich zu sein. (lacht) Aber ich genieß diese kreative Spielwiese. Ich freu mich sehr auf dieses Album.

Du und deine Musik: Beides sehr facettenreich - mit welchen Überraschungen dürfen deine Fans am neuen Album rechnen?
Es wird wieder sehr viel Feinfühliges, ein bisschen Melancholisches, aber auch was Hoffnungsvolles dabei sein! Also das, was man von mir kennt und hoffentlich auch mag. Ich habe aber auch das Gefühl, dass ich sehr viel euphorische Momente habe und voller Tatendrang bin. Diese Aufbruchstimmung spiegelt sich in meiner Musik wider. Diese Euphorie und dieses gewisse Selbstbewusstsein hat sich über die letzten zwei Alben aufgebaut - das kann man vielleicht als „erfrischend“ empfinden. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich neu erfinden muss. Für die Fans, die mich auf meinem Weg begleitet haben, wird es keine großen Überraschungen geben.

Deine Musik ist von Emotionen geprägt - würdest du sagen als Musiker muss man besonders emotional sein?
Ja und nein. Ich glaube schon, dass man als Künstlerin einen intensiveren Blick auf die Welt und auch ein feineres Gespür für den Zeitgeist entwickeln muss oder auch will. Aus diesen Spannungen entsteht dann die Kunst. Viele Künstlerinnen und Künstler schreiben besonders gut, wenn sie gerade verliebt sind, andere schreiben besser, wenn sie frisch „heart-broken“ sind. Daraus entsteht Kunst. Für mich ist es wichtig, dass ich ehrlich, fast sogar intim, mit dem umgehe, was in mir passiert, wie ich mich fühle. Dann versuche ich das poetisch so zu verpacken, dass sich jeder und jede darin wiederfinden kann.

Du warst schon bei zahlreichen Fernseh-Shows als Jurorin dabei - das macht dir offensichtlich Spaß, woran liegt das?
Ja, es macht mir sehr viel Spaß. Ich glaube, dass ich mir mit meiner Biografie auch eine gewisse Expertise erarbeitet habe und manchmal ist es wichtig, Musik nicht nur als gefühlvolle Kunst, sondern auch als Handwerk anzusehen. Das ist ein „stabiler“ Beruf, da muss man viel arbeiten und viel leisten. Und wenn ich auf der Bühne meine Expertise einbringen kann, dann tu ich das sehr gerne.

Machst du durch dein Studium an der Privatuni Linz eine andere Art von Musik, als andere, die das nicht studiert haben?
Ich habe mich für das Studium entschieden, weil es in meinem Umfeld niemand gegeben hat, der Musiker oder Künstlerin ist. Ich wollte aber immer Musikerin werden, also war es für mich logisch, nach der Matura Musik zu studieren. Jetzt weiß ich, dass man das zwar so machen kann, aber es auf keinen Fall machen muss. Ein Studium kann einen weiterbringen, ist aber keine Grundvoraussetzung. Manchmal ist es sogar das Gegenteil. Das Studium war trotzdem eine sehr spannende Zeit, auch um das Handwerk und die eigene Stimme besser kennenzulernen. Der größte Bonus war aber, dass ich sehr viele Menschen kennengelernt habe, die dasselbe wollen wie ich. Nämlich Musik machen. Ich habe viele Menschen getroffen, mit denen man gemeinsam Neues ausprobieren kann.

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Ich werde als Vorreiterrolle angesehen und das finde ich eigentlich traurig, dass diese Chance, in der Öffentlichkeit zu stehen und Musik zu machen, nicht mehr Frauen haben. Am Talent liegt es sicher nicht.

Ina Regen über die Rolle von Frauen in der Musikszene

Du setzt dich ja sehr für Frauen ein - siehst du dich als Vorbild?
Ich selbst sehe mich nicht so, aber ich bekomme das sehr oft reflektiert. Mir schreiben sehr viele junge Mädchen und Frauen, die selbst Musik machen. Am internationalen Frauentag veranstalte ich in Wien im Konzerthaus einen großen Abend, wo es darum geht, die Diversität von weiblicher Kunst herzuzeigen. Nicht nur ich habe die Erfahrungen gemacht, sondern auch viele meiner Kolleginnen, dass wir einfach Startschwierigkeiten haben und es systemische Ungleich- und Ungerechtigkeiten gibt. Oft heißt es: „Ina Regen ist die Vorzeige-Dialekt-Sängerin, jetzt haben wir eine, das reicht ja!“ Bei männlichen Künstlern ist das anders. Ich werde als Vorreiterrolle angesehen und das finde ich eigentlich traurig, dass diese Chance, in der Öffentlichkeit zu stehen und Musik zu machen, nicht mehr Frauen haben. Am Talent liegt es sicher nicht.

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