22.05.2022 06:00 |

Auf Spuren von Swayze

Warum Robert Kratky keine Midlife-Crisis hat

Beim Fallschirmspringen sprach Robert Kratky darüber, wieso er keine Midlife-Crisis hat, was ihn der Tod seines Papas gelehrt hat und wieso er mehr auf seine Mama hätte hören sollen.

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„Krone“: Sie haben vergangenes Jahr die Ausbildung zum Fallschirmspringer gemacht. Warum?
Robert Kratky: Zwei Worte: „Gefährliche Brandung“ - der Film mit Keanu Reeves und Patrick Swayze. Nur mittlerweile weiß ich leider, dass diese genialen Szenen aus dem Film, die mich zum wahrscheinlich schönsten Sport inspiriert haben, gestellt waren. Aber damals habe ich Feuer gefangen und jahrelang davon geträumt.

Warum hat es dann so lange gedauert? Sie werden nächste Jahr 50 und böse Zungen behaupten natürlich, es wäre die Midlife-Crisis ...
Ich bin ja nicht erst mit 40, 45 draufgekommen, dass ich solche Sachen machen muss. Ich habe mir das Leben, dankenswerterweise, so richten können, dass ich immer schon coole Sachen machen durfte. Aber das Fallschirmspringen war so ein ewiger Traum und wie ich noch in Wien gelebt habe zu weit weg. In Krems, wo ich seit mittlerweile zehn Jahren lebe, ist das einfacher. Da bin ich zehn Minuten vom Jump Club Krems weg und kann jedes Wochenende springen gehen.

Was macht den Reiz aus?
Man weiß in diesem Moment, dass das Leben einem einen besonderen Augenblick schenkt. Den gibt es nicht im Fernsehen, schon gar nicht im Internet. Das ist echt und ich mag alles, was echt ist. Ich hab mittlerweile so eine große Sehnsucht und Such-Sucht nach Dingen, die real sind, die so spürbar und erlebbar sind, wie sie wirklich passieren. Gerade wenn man, wie ich, sein Geschäft mit etwas Flüchtigem macht.

Wie viel Mut braucht es, aus einem Flieger zu springen?
Fallschirmspringen ist nicht eine Frage des Mutes, sondern was für ein Typ man ist - also ob man gerne durch die Luft fliegt, tief unter Wasser abtaucht, lieber auf einen Berg klettert oder laufen geht. Das sind alles Formen von Extreme und Fallschirmspringen bietet, deswegen hat mich der Sport immer so fasziniert, unterschiedliche Arten von Extrem. Ein Extrem ist etwas, das man eben extrem spürt, wo man das Gefühl hat lebendig zu sein und das Leben wirklich zu erleben. Wenn man das g’scheit macht, also nicht dabei draufgeht, weil sonst erlebt man gar nix mehr, ist Fallschirmspringen ein wirklich wunderschöner Sport mit unglaublichen Erlebnissen.

Und unglaublicher Sorgfalt. Wie war es zum ersten Mal, mit dem selber gepackten Schirm zu springen?
Ich hab so viel an meine Mutter denken müssen. Jahrzehntelang habe ich mich gefragt, warum sie mich immer so gequält hat mit Hemden und T-Shirts zusammenlegen. Ich hab’s nämlich nie wirklich gelernt und beim Schirm packen habe ich mir dann gedacht: Hätte sie mir da bloß beigebracht ein bissl sorgfältiger zu sein, dann würde mir das jetzt so viel nutzen. Ich war ehrlicherweise überrascht, dass dann alles problemlos geklappt hat und der Schirm aufgegangen ist.

Und mittlerweile klappt es so gut, dass sie sogar einen Werbespot beim Fallschirmspringen drehen ...
Auch hier war der Anspruch, etwas Echtes zu machen. Da wird nichts gestellt, animiert oder im Ausland produziert und dann schlecht synchronisiert. Wir drehen für Salanettis in Österreich, mit heimischer Crew und springen dafür eine Woche lang wirklich aus dem Flugzeug. Die Firma Sorger ist ein traditionsreicher Familienbetrieb, der tief in Österreich verwurzelt ist - aber hochmodern und für verrückte Ideen zu begeistern, wie diesen Spot.

Was ist das nächste auf der Bucket-Liste?
Ich habe nie geheiratet und nie Kinder gehabt und es steht auch nicht auf meiner Bucket-Liste. Das bedeutet, ich verzichte sicherlich auf etwas Großartiges, vielleicht sogar auf eine der schönsten Erfahrungen, die man im Leben machen kann. Aber ich tue es bewusst und jammere deswegen nicht herum. Ich habe dafür den Vorteil gehabt, dass ich mein ganzes Leben lang in meiner Freizeit mich nur darum sorgen musste, was mit mir ist, und Dinge machen konnte, die mir Spaß machen. Ich hab nie das Bedürfnis gehabt, eine Liste abzuarbeiten. Durch den frühen Tod von meinem Papa, da war ich sechs, haben mein Bruder und ich unser Leben möglichst intensiv gelebt. Wir haben immer den Wert des Lebens erkannt. Also um die Frage zu beantworten: Ich habe keine Bucket-Liste, ich weiß nicht, was das nächste ist. Aber wenn jemand Vorschläge hat, einfach an mich schicken. Ich bin offen für alles ...

Kalman Gergely
Kalman Gergely
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