Exporte, Manipulation

Der Westen kann Rubel nicht in die Knie zwingen

Ausland
17.05.2022 11:53

Obwohl der Westen immer härtere Sanktionspakete gegen Russland schnürt und auch das russische Wirtschaftswachstum einbremst, wird die Landeswährung Rubel immer stärker und stärker. Nach einem kurzen Kursverfall zu Beginn des Angriffs auf die Ukraine - damals bekam man 145 Rubel oder mehr für einen Euro - erholte sich die russische Währung sehr rasch wieder. Derzeit erhält man für einen Euro nur noch 65 Rubel. Für die aktuelle Stärke ist aber nicht nur eine Manipulation verantwortlich.

Der Rubel werde „künstlich“ gestärkt durch eine ganze Reihe von Maßnahmen, darunter auch Beschränkungen des Devisenverkehrs durch die Zentralbank. Geholfen habe nicht zuletzt die massive Anhebung der Zinsen, weshalb viele Bürger Ersparnisse in Rubel und nicht in Devisen anlegten. Der Leitzins liegt aktuell bei 14 Prozent. Noch Ende Februar hatte die Zentralbank den Zins drastisch um 10,5 Punkte auf 20 Prozent angehoben. Viele Banken bieten seither satte Jahreszinsen oft mit um die zehn Prozent für Rubelanlagen, für Euro- oder Dollaranlagen gibt es dagegen fast nichts.

Frisch verpackte Rubel-Banknoten beim Sortieren (Bild: APA/AFP/Alexander NEMENOV)
Frisch verpackte Rubel-Banknoten beim Sortieren

Milliarden aus Gas- und Öl-Export
Als Hauptgrund für die Stärke gilt allerdings ein Rekordüberschuss bei der Handelsbilanz. Russland nimmt durch den Export etwa von Öl und Gas Milliarden an Devisen ein, die gar nicht ausgegeben werden können. Weil der Import vieler westlicher Waren weggebrochen ist, sitzt das Land auf seinen Euro- und Dollareinnahmen. Auch deshalb verfügte der russische Präsident Wladimir Putin zum 1. April die Umstellung der Gaszahlungen für die Europäer auf Rubel. Russland könne sich für die Devisen nichts kaufen, meinte der Kremlchef.

Experten haben ausgerechnet, dass Russland auch wegen der hohen Energiepreise zum Jahresende einen Überschuss von 250 Milliarden Dollar haben könnte. Gebraucht werden aber Rubel für den Haushalt, wie der Investitionsstratege Sergej Suwerow gegenüber der Nachrichten-Website „Meduza“ sagt. Durch die Geldpolitik habe sich die russische Währung inzwischen vollkommen losgelöst von der Wirtschaft. „Wenn die Wirtschaft im freien Fall ist und der Rubel-Kurs stärker wird, dann ist das nicht richtig“, sagt der Experte. Russlands Bruttoinlandsprodukt wird nach Einschätzung der Zentralbank in diesem Jahr um acht bis zehn Prozent sinken. Zuvor war sie von einem Wirtschaftswachstum von zwei bis drei Prozent ausgegangen.

(Bild: APA/dpa-Zentralbild/Patrick Pleul)

Volkswirt: Nur komplettes Embargo könnte Rubel in Knie zwingen
Sollten allerdings weitere russische Banken mit Sanktionen belegt werden, könnte das den Export zerstören und der Währung massiv schaden, sagt Suwerow. Auch Chefvolkswirt Moritz Kramer von der Landesbank Baden-Württemberg in Stuttgart sieht das: „Solange Russland exportiert, bleibt der Rubel stark.“ Nur ein komplettes Embargo könne den Rubel „in die Knie zwingen“, meint er. Die Käufer aber hielten sich nicht zurück. „Öltanker nehmen seit Mitte April Rekordmengen an Rohöl an russischen Häfen auf. Die meisten unter griechischer Flagge!“

Für die Menschen im flächenmäßig größten Land der Erde gibt es durch den starken Rubel nicht allzu viele Vorteile. Nach dem Rubel-Crash im März wurden vor allem die Preise für Importwaren wie Käse oder Alkohol aus dem Westen dem hohen Wechselkurs angepasst. Eilig klebten Beschäftigte neue Preisschilder. Aus einer Flasche Champagner für 2900 Rubel wurde eine für 4900 Rubel. Rückangepasst an den starken Rubel wurden die Preise aber nicht. Die Folge: Der Schampus, der vor dem Krieg umgerechnet 34 Euro kostete, liegt jetzt bei über 75 Euro.

Die russische Nationalbank in Moskau (Bild: AFP)
Die russische Nationalbank in Moskau

Allerdings kann die russische Führung die Inflation in Grenzen zu halten, damit Waren nicht noch teurer werden. „Wenn der Rubel nicht so stark wäre, läge die Inflation nicht bei 20 Prozent, sondern bei 30 bis 40 Prozent“, weiß Suwerow. Die Boulevard-Zeitung „Moskowski Komsomolez“ hat jüngst 10.000 Rubel pro Jahr und Bedürftigen an Unterstützungsleistung aus dem Staatsbudget. Solche Hilfen gebe es „sogar in Amerika“, stand da zu lesen.

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