Kein Aprilscherz

400.000 Wiener Haushalten droht Mieterhöhung

Gibt es keine Einigung in letzter Sekunde, werden ab 1. April die Mieten für bis zu 400.000 Wohnungen alleine in Wien erhöht. Vor allem für kleine Einkommen wird es dann brenzlig.

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Mit 1. April wird die Richtwertmiete wieder der Inflation angepasst. Das passiert automatisch alle zwei Jahre. Nach einem krisenbedingten Aussetzen im vergangenen Jahr ist es diesen Freitag wieder so weit. Damit droht rund 400.000 Wienern eine deutliche Mieterhöhung. Denn die Richtwertmieten werden um rund sechs Prozent und die Kategoriemieten um rund 5,5 Prozent angehoben. Das betrifft Altbau- und Gemeindewohnungen. Die erste höhere Mietforderung wird dann (nach einer zweiwöchigen Informationsfrist durch den Vermieter) frühestens mit Mai ins Haus flattern. Und die könnte viele Menschen vor eine große Herausforderung stellen.

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Eine Wiener Familie in einer Wohnung mit 80 Quadratmetern muss dann pro Jahr rund 360 Euro mehr Miete zahlen.

Elke Hanel-Torsch, Vorsitzende der Mietervereinigung Wien

Haushalte durch hohe Energiekosten belastet
Denn ist man nicht gerade ein Multimillionär mit Gemeindewohnung, rollt der Rubel bei vielen derzeit vermutlich nicht im Überfluss. Doch gerade die Wiener sind von der Anpassung des Richtwerts besonders betroffen. Ein einfaches Rechenbeispiel: „Die Erhöhung der Richtwertmieten bringt bei einer 80-Quadratmeter-Wohnung in einem AltbauMehrkosten von rund 360 Euro im Jahr - ohne Zuschläge und Steuer“, erklärt Elke Hanel-Torsch, Vorsitzende der Mietervereinigung Wien. Das in Zeiten von hohen Energie- und Treibstoffkosten, und niemand kann sagen, ob die Spitze hier bereits erreicht ist.

Lagezuschläge lassen Miete weiter steigen
Sicher ist, dass mit Stichtag 1. April pro Quadratmeter in Wien dann 6,16 Euro zu berappen sind - und auch nur dann, wenn der Mieter bereitwillig auf jeglichen Komfort verzichtet. Zum reinen Richtwert kommt nämlich oft noch eine Vielzahl von Zuschlägen: zum Beispiel für die Lage der Wohnung innerhalb des Gebäudes (Geschoss, Ruhe- oder Grünlage), für den Erhaltungszustand, für Ausstattungsmerkmale (Telefonanschluss, Gegensprechanlage, Waschmaschinenanschluss, Grundrisslösung, Lift) sowie je nach Lage im Stadtgebiet auch ein Lagezuschlag, der pro Quadratmeter von 0 Euro/Quadratmeter (Abschlag für schlechte Lage ist gesetzlich nicht vorgesehen) bis zu 12,21 Euro/Quadratmeter zusätzlich reichen kann.

Sondersitzung im Nationalrat notwendig
Das würde natürlich auch viele Millionen Euro an Mehreinnahmen in die Kassen der Stadt Wien spülen. Dennoch fordern die SPÖ, die FPÖ und zahlreiche Mieterorganisationen erneut eine Aussetzung der Anpassung. Anders sieht das natürlich der Österreichische Haus- und Grundbesitzerbund und verweist auf den Beschluss vom vergangenen Jahr, der eine Neuregelung in diesem Jahr vorsieht. Den Eigentümern spielt der Faktor Zeit in die Hände. Sollten sich die Grünen und die ÖVP nicht noch einigen und bis Freitag eine Sondersitzung im Nationalrat einberufen, tritt die Anpassung automatisch in Kraft. Aus dem zuständigen Justizministerium gibt es dazu derzeit aber keine Stellungnahme.

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