Aus der Ukraine

Firmenchef holte Flüchtlinge und nahm sie auf

Als Manfred Menges die ersten Bilder der Kriegsgräuel in der Ukraine sah, zögerte er keine Sekunde: Der Geschäftsführer der Medizintechnik-Firma Sanova in Gallspach im oberösterreichischen Bezirk Grieskirchen startete einen Kleinbus und holte sieben Frauen und Kinder von der polnisch-ukrainischen Grenze zu sich nach Hause.

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„Wir arbeiten seit mehr als zehn Jahren mit einem Händler in der Ukraine zusammen, der dort unsere Produkte vertreibt“, sagt Manfred Menges. Als Russland den Krieg gegen die Ukraine begann, fragte Menges sofort beim Betriebsleiter nach, ob er helfen könne. Er konnte: Kurzentschlossen setzte sich der Sanova-Geschäftsführer, der in St. Marienkirchen an der Polsenz wohnt, hinter das Steuer eines Neunsitzerbusses des örtlichen Fußballvereins und fuhr mit einem Geschäftspartner los Richtung Hrebenne.

36 Stunden unterwegs
Mehr als 15 Stunden später kam er an der polnisch-ukrainischen Grenze an. In der Kälte warteten Frau und Tochter des ukrainischen Vertriebsleiters – und auch Marina, eine Ärztin aus Kiew, mit der Sanova zusammenarbeitet, ihre Mutter und Schwägerin sowie deren Kinder (8 und 12 Jahre alt).

„Ich hatte vorsorglich einen 30-Liter-Kanister Diesel dabei“, sagt Menges. Weil der keinen Platz mehr hatte, nachdem die Frauen ihre wenigen Habseligkeiten in den Bus eingeladen hatten, schenkte Menges den Treibstoff kurzerhand einer Angestellten des Hotels in Polen, in dem die Gruppe übernachtet hatte.

36 Stunden unterwegs
Am nächsten Tag traten die neun Personen die Rückfahrt nach Österreich an. „Wir waren insgesamt 36 Stunden unterwegs, haben 2300 Kilometer zurückgelegt“, erzählt Menges. Während zwei Frauen weiter nach Graz fuhren, quartierte der 52-Jährige die Familie von Ärztin Marina bei sich zu Hause ein. Eine Sanova-Mitarbeiterin, die Russisch spricht, fuhr am nächsten Tag mit den Frauen einkaufen. „Wir haben die vergangenen zwei Wochen in einem Keller verbracht“, ist Marina erleichtert, dem Krieg entkommen zu sein.

„Putin ist der zweite Hitler“
Am Wochenende können die fünf Ukrainer in eine Wohnung nach Wels ziehen. Niemand weiß, wie lange es dauert, bis sie wieder in die Ukraine zurückkehren können. Außerdem gibt es offenbar keine Möglichkeit, Geld auf das ukrainische Konto der Frauen zu überweisen. Wo ihre Kinder (15 und 17) sind, weiß Marina nicht: „Die sind mit meinem Ex-Mann geflüchtet, ich habe seit Kriegsbeginn nichts mehr von ihnen gehört. Die Geschichte wiederholt sich, Putin ist der zweite Hitler.“

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