29.12.2021 14:33 |

Requiem in Salzburg

Bewegender Abschied von TV-Legende Sepp Forcher

Bewegender Abschied von Sepp Forcher: Im Andenken an die ORF-Legende wurde am Mittwoch in der Franziskanerkirche in Salzburg ein Requiem mit Erzbischof Franz Lackner und Erzabt Korbinian Birnbacher abgehalten. Rund 200 geladene Gäste gedachten dem am 19. Dezember kurz nach seinem 91. Geburtstag verstorbenen „Klingendes Österreich“-Moderator. Das Requiem wurde auf ORF 2 live übertragen.

Musikalisch gestaltet wurde das Requiem von Musikern und Musikerinnen, die mit Sepp Forcher häufig für die ORF-Reihe „Klingendes Österreich“ unterwegs waren. Forcher hat diese Sendung jahrzehntelang moderiert. „Bei seinem Abschied zu musizieren ist uns eine Ehre“, wurde vorab der musikalische Leiter Martin Kiesenhofer zitiert.

Fichtenzweige und Forchers Hut am Sarg
Der Verstorbene war in einem schlichten Fichtensarg vor dem Hochaltar aufgebahrt. Den Sarg zierten Nadelzweige, drei gelbe Rosen und Forchers grüner Hut, sein Markenzeichen. „Eine Stimme ist verstummt, die gerne gehört wurde“, sagte der Erzbischof, der den Gottesdienst leitete, zu Beginn der Messe. Forcher habe es mit unnachahmlicher Schönheit verstanden, aus dem Buch der Natur zu erzählen.

Der in Rom geborene Sepp Forcher, der mit seiner Familie in Salzburg eine neue Heimat gefunden hat, war der Franziskanerkirche sehr verbunden, wie Erzabt Birnbacher, der ein Freund von Forcher war, in seiner Predigt sagte. Die Franziskanerkirche habe Forcher schon als knapp zehnjähriger Bub beeindruckt. Er sei immer wieder dorthin gekommen und habe vor der von Michael Pacher geschnitzten Madonna gebetet.

Der Erzabt der Salzburger Erzabtei St. Peter würdigte das Leben des Moderators, der auch Lastenträger, Hüttenwirt und Bergsteiger war. „Er war ein offener und toleranter Mensch.“ Birnbacher bezeichnete Forcher als ein „Naturtalent der Kommunikation“, als Moderator „wurde er von einem Millionenpublikum geliebt“. Er sei ein demütiger und bescheidener Vermittler der Schönheit des Landes gewesen und als gläubiger Mensch bedächtig seinen Weg durchs Leben gegangen.

„Sepp hat den Tod gerne als Trottel verspottet“
Drei Wochen nach dem Tod seiner geliebten Frau „Helli“ habe Sepp Forcher seinen letzten Atemzug gemacht und in Ruhe und Gelassenheit den letzten Gipfel seines Lebens souverän bezwungen, sagte Birnbacher. „Sepp hat den Tod gerne als einen Trottel verspottet. Der Tod kam still und unspektakulär in seinem Bett.“ Forchers letzte Worte seien gewesen: „Es war alles sehr gut.“

Die Fürbitten lasen Angehörige, Freunde und Wegbegleiter, darunter die ehemalige Salzburger Staatsanwältin Eva Danninger-Soriat und der ehemalige Direktor des ORF-Landesstudios Salzburg, Siegbert Stronegger. An dem Gottesdienst teilgenommen haben auch ehemalige und aktive Politiker wie Salzburgs Bürgermeister Harry Preuner, Landesrat Josef Schwaiger, der ehemalige Salzburger Landeshauptmann Franz Schausberger und der ehemalige Landeshauptmann von Niederösterreich, Erwin Pröll. Zudem erwiesen Mitarbeiter des ORF mit dem neuen Generaldirektor Roland Weißmann an der Spitze Forcher die letzte Ehre.

Vom Hüttenwirt zum Fernsehstar
Die Fernsehkarriere des gebürtigen Römers Sepp Forcher war eine höchst unwahrscheinliche - quasi vom Hüttenwirt zum TV-Star. Forcher, der am 17. Dezember 1930 als Giuseppe Forcher in der italienischen Hauptstadt zur Welt kam und im Südtiroler Sexten aufgewachsen ist, hat schon in seiner Kindheit die Eltern bei der Arbeit in den Bergen unterstützt. Seit 1940 lebte die Familie in Salzburg, wo man im Tennengebirge eine Hütte bewirtschaftete.

Der familiären Leidenschaft folgend, übernahm Forcher schließlich mit Mitte 20 die Pacht einer Schutzhütte in Großarl. Zu dieser Zeit heiratete er auch seine Frau Helene, die ihn stets tatkräftig unterstützte und auch in der späteren Karriere ihres Mannes eine wichtige Begleiterin wurde. Zuvor folgten aber weitere Hütten am Untersberg und am Dachstein, denen sich Forcher widmete, bevor er Anfang der 1970er-Jahre den Platzlkeller in Salzburg übernahm.

Den Bergen blieb er auch in der Folge verbunden, als er u.a. als Bergsteiger und Mineraliensucher tätig war. Seine Arbeit für den ORF begann er mit Radiosendungen wie „Ins Land einischaun“ oder „Mit‘m Sepp ins Wochenende“. Der große Durchbruch folgte schließlich mit dem Format „Klingendes Österreich“, das 1986 erstmals auf Sendung. 200 Folgen lang hat Forcher den Zuschauern die Natur und Volkskultur des Landes näher gebracht, die Sendung lebte von der Abwechslung von musikalischen Darbietungen lokaler Gruppen und den prächtigen Naturaufnahmen des Landes.

Mit fast 90 Jahren in Pension
Dass er von sich selber aufhöre sei „ganz unösterreichisch“, wurde Forcher aus Anlass seiner späten Pensionierung mit fast 90 Jahren vom ORF zitiert. „Ich brauche mir von niemanden sagen lassen, ,Sepp lass bleiben, es ist genug‘. Der Sepp sagt sich das selber. Und zwar nicht im Sinne eines Bedauerns, sondern voller Freude, dass es mir eben gelungen ist, 200 Mal das zusammenzubringen.“

Insgesamt waren bei „Klingendes Österreich“ rund 2000 Volkslied- und Volksmusikgruppen zu erleben, die Forcher bei seinen Wanderungen durch Österreich, Bayern und Südtirol vor entsprechender Kulisse zum musikalischen Austausch traf. 

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