22.12.2021 15:21 |

Psychische Krise:

„Niemand soll mit Sorgen allein gelassen werden!“

Sie leiden mitunter am meisten in dieser Pandemie und werden dennoch oft übersehen, wenn es um Maßnahmen und deren Aufhebung geht: die 1,1 Millionen Schülerinnen und Schüler im Land. Bundesschulsprecherin Susanna Öllinger von der Schülerunion vertritt sie alle und hat bei „Nachgefragt“ im Gespräch mit Damita Pressl Bilanz gezogen und aus eigener Erfahrung erzählt.

Der plötzliche Wechsel ins Distance Learning im März 2020 bezeichnet Öllinger als „Wende im Leben der Schüler“, für die die Pandemie eine sehr herausfordernde Zeit sei. Das Pandemiemanagement der Regierung sei „durchmischt“ gewesen, insbesondere die für die Schulen und Schüler so wichtige Planbarkeit nicht immer gegeben. Teils ortet Öllinger auch Kommunikationsprobleme zwischen Ministerium, Bildungsdirektionen und Schule: „Das Schulsystem ist unglaublich komplex“. Dennoch habe es einen „guten Austausch“ mit dem Bildungsministerium gegeben und die Schülervertretung sei angehört worden. Am wichtigsten seien weiterhin offene Schulen: „Die Schulen müssen das Letzte sein, das schließt, und das erste, das öffnet. Die Präsenz an Schulen ist unglaublich wichtig.“ Außerdem wünschen sich die Schüler rasche und klare Kommunikation der Maßnahmen, sobald sie stehen.

Dass junge Menschen derzeit an ihre Grenzen geraten, wissen wir aus den Studien zu ihrer psychischen Gesundheit. „Was macht das Leben eines Jugendlichen aus, wenn die Faktoren, die es sonst definieren - also Freunde treffen, fortgehen, normal in die Schule gehen - auf einmal wegfallen?“ Viele dürfen keinen Maturaball erleben, verpassen prägende Ereignisse und den für die Entwicklung so wichtigen sozialen Kontakt zu Gleichaltrigen. Die Unsicherheit und eventuelle familiäre Belastungen tun ihr übriges. Trotz dieser Umstände haben Schülerinnen und Schüler ihren Beitrag geleistet, sagt Öllinger: „Wir haben bewiesen, dass wir Verantwortung übernehmen und Solidarität zeigen können. Wir haben uns für die ältere Generation zurückgenommen, sind ins Distance Learning gewechselt und haben den jüngeren Geschwistern im Homeschooling geholfen.“ Um zu verhindern, dass die psychische Gesundheitskrise schlimmer wird, brauche es ein niederschwelliges Beratungsangebot an Schulen, fordert Öllinger: „Niemand sollte mit seinen Ängsten und Sorgen alleine gelassen werden“. Optimal seien etwa Vertrauenslehrer, die rasch und unkompliziert helfen können.

Das Thema Impfung, erklärt Öllinger, wirkt teilweise zusätzlich belastend. „Es gibt unglaublich viele Gerüchte im Internet. Der Mythos, dass man unfruchtbar wird, wenn man sich impfen lässt, hat etwa enorm viele Mädchen verunsichert. Dann kommt manchmal auch noch von zuhause Druck, sich nicht impfen zu lassen - für Schüler ist das enorm schwierig.“ Auch hier brauche es Ansprechpersonen, idealerweise etwa den Schularzt: „Hier muss man in der Schule selbst ansetzen - welchen besseren Ort gibt es, um faktenbasiert aufzuklären und Fragen zu beantworten?“ Sehr viel Schülerinnen und Schüler glauben gar nicht alle Fake News, so Öllinger, aber die Gerüchtevielfalt allein sorgt für Unsicherheit. Und: „Alleine mit der Unsicherheit gelassen zu werden, ist kein schönes Gefühl.“

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