28.11.2021 10:26 |

„Förmlich explodiert“

Zoll: „Wahre Flut“ an Aufgriffen von Wurmmittel

Einen regelrechten Boom erfährt derzeit das als Pferdeentwurmungsmittel bekannte Medikament Ivermectin, von dem sich so mancher eine Wirkung gegen Covid-19 verspricht. Diese Wirkkraft ist medizinisch jedoch nicht haltbar, zuletzt warnte sogar der Hersteller vor der Selbstmedikation gegen eine Corona-Infektion. Dennoch ist die Zahl der Beschlagnahmungen des Arzneimittels laut Finanzministerium seit September „förmlich explodiert“.

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Ja, das Mittel findet auch Anwendung beim Menschen, etwa zur Behandlung von Krätzmilben oder Würmern. Um damit jedoch Covid-19 therapieren zu wollen, wäre eine Konzentration nötig, die überaus starke Nebenwirkungen hat und womöglich zu einer Vergiftung führen kann. Zur Behandlung von Covid-19 sind Ivermectin-Arzneimittel in der EU nicht zugelassen.

Gestützt wird das durch diverse durch die Arzneimittelbehörde EMA geprüfte Studien und Analysen, die bestätigen, dass Ivermectin eine Behandlung von der Viruserkrankung außerhalb klinischer Studien nicht unterstützt. Von einer Einnahme im Zusammenhang mit dem Coronavirus wird deshalb dringend abgeraten, nicht zuletzt auch vom heimischen Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen.

„Wahre Flut an Sicherstellungen“
Dennoch bleibt die Nachfrage nach dem Medikament hoch, wie auch der Zoll bemerken musste. „In den vergangenen Monaten haben wir eine regelrechte Kampagne zur Einnahme des Entwurmungsmittels Ivermectin als angebliches Covid-Heilmittel erlebt. Das hat zu einer wahren Flut an Sicherstellungen des Mittels durch den Zoll geführt. Anstatt sich gegen eine Corona-Erkrankung zu schützen, gefährden diese Menschen ihre Gesundheit“, warnt Finanzminister Gernot Blümel.

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Bei den geschmuggelten Medikamenten, die meist aus Asien stammen, handelt es sich oft um wirkungslose, verunreinigte oder gefälscht Präparate.

Finanzminister Gernot Blümel

Gab es im ersten Halbjahr 2021 nur vereinzelt Ivermectin-Aufgriffe, so wurden alleine im Oktober 7640 Stück sichergestellt. Das ist im Vergleich zum Jänner mehr als das 50-Fache. Zwischen September und Mitte November wurden insgesamt 15.844 Tabletten, die meist via Internet bestellt und auf dem Postweg verschickt wurden, vom Zoll beschlagnahmt. Insgesamt wurden seit Jahresbeginn bei 428 Aufgriffen insgesamt 24.169 Stück Tabletten entdeckt, versendet wurden sie zumeist aus Singapur, Indien oder Hongkong, heißt er aus dem Ministerium. 

Bestimmt waren die Sendungen für Empfänger in ganz Österreich. Spitzenreiter: Niederösterreich, gefolgt von Oberösterreich, Wien und der Steiermark. Eine weitere Gefahr neben einer falschen Anwendung: Bei den beschlagnahmten Präparaten handle es sich oft um „wirkungslose, verunreinigte oder gefälscht Präparate“, so Blümel.

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