Camp wird luxuriöser

Trotz Lockdown: Lobau-Besetzer entspannen in Sauna

Der Lockdown gilt eben nicht für alle. Die Lobau-Besetzer haben in ihrem Camp eine Sauna für die Entspannung errichtet - es ist eine der wenigen, die zurzeit in Betrieb sind.

Seit Montag gelten allgemeine Ausgangsbeschränkungen. Ähnlich wie für die Corona-Leugner im Wiener Stadtpark dürfte dies aber nicht für die Lobau-Besetzer gelten. Sie lungern nach wie vor auf den besetzten Baustellen herum, feiern Partys und sitzen dicht gedrängt am Lagerfeuer. Um das Camp noch luxuriöser zu machen, ist neuerdings Wellness angesagt. Beim Lager in der Hirschstettner Straße gruben die Aktivisten zuletzt eine Sauna in einen Erdhügel. Damit ist das Camp zurzeit eine der wenigen frei zugänglichen Wellnessoasen in ganz Wien. Thermen, Hotels und Fitnessstudios haben wegen des Lockdowns geschlossen.

Dass für die Besetzer andere Regeln gelten, hat bereits der Bau der sechs Meter hohen Holzpyramide mit integrierten Glaselementen gezeigt. Dafür bedurfte es weder einer Bauanzeige noch einer Baubewilligung. Beim Dampfbad wird es kaum anders sein. Wie genau die Sauna betrieben wird, wollten die Besetzer nicht preisgeben. Vor den Augen der „Krone“ wollte sich auch niemand freiwillig in das Erdloch setzen - wir auch nicht.

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Wir setzen weiterhin auf einen konstruktiven Dialog. Auch wenn sich die Besetzer weigern, wir lassen nicht locker.

Thomas Keller von der MA 28

Weitere Projekte in Vorbereitung
In den letzten Wochen hat sich viel getan: Das Eingangsportal wurde in eine winterfeste Behausung verwandelt, eine professionelle Toilette wurde errichtet. Die Krönung ist die Natursauna. Ein Blick auf die Wunschliste der Aktivisten verrät, dass das definitiv nicht die letzten Projekte waren. Unterstützer werden aufgefordert, neben banalen Schlafsäcken unter anderem Solar-Paneele, Dämmstoffe, Bodenheizungsschläuche, Dachflächenfenster und Kupferrohre beizusteuern. Als nächstes Mega-Bauprojekt wurde ein achteckiges Haus („Oktagon“) angekündigt - wohl wieder ohne Baubewilligung.

Räumung vorerst nicht geplant
Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) kündigte an, die Besetzung von Baustellen im Bereich der Stadtstraße Aspern nicht mittels Polizeieinsatz zu beenden. Eine Räumung sei vorerst nicht geplant. Die Stadt habe zwar höchstes Interesse, die Straße schnell und unmittelbar zu realisieren, man setze aber auf eine „kluge Deeskalationsstrategie“. Derzeit wird jedoch jeglicher Dialog mit der Stadt abgelehnt.

Auch wenn die Besetzung unter den Schutzmantel einer Versammlung gestellt wird, die auch im Lockdown geduldet wird, gilt das nicht für große Zusammenkünfte im öffentlichen Raum. Diesen Samstag wird ein großes Winterfest auf einer der Baustellen veranstaltet. Wo sonst darf im Lockdown in Wien ausgelassen gefeiert werden?

Katharina Mötzl
Katharina Mötzl
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Donnerstag, 02. Dezember 2021
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